Wenn ein Album nach einem Vierteljahrhundert noch immer wie ein Naturereignis wirkt, dann hat es etwas richtig gemacht. BLACKWATER PARK, das fünfte Studioalbum der schwedischen Progressive Metal-Größe Opeth, gehört genau in diese Kategorie: ein Werk, das sich weigert, brav in Song-Strukturen zu denken, und stattdessen lieber in Bewegungen, Stimmungswechseln und musikalischen Grenzverschiebungen lebt. Heute gilt es als Meisterwerk – doch der Weg dorthin war nicht geradlinig.
Ein neuer Produzent betritt die Bühne
Mit BLACKWATER PARK begann eine der fruchtbarsten Kooperationen des Genres: Steven Wilson (Porcupine Tree) produzierte erstmals ein Opeth-Album – und man hört es. Wo die Band zuvor schon zwischen Death Metal, Psychedelic Rock, Akustik-Passagen und Prog-Epen mäanderte, brachte Wilson eine neue Klarheit ins Chaos. Die Songs wurden nicht gezähmt, aber sie bekamen Struktur, Tiefe und ein Klangbild, das bis heute Maßstäbe setzt. Opeth selbst erzählten später, Wilson habe einen „massiven Einfluss“ auf die Aufnahmen gehabt. Frontmann Mikael Åkerfeldt sagte gegenüber Ultimate Metal über den Stil: „Alles ist irgendwie in eine Art Dunkelheit gehüllt.“
Die Zusammenarbeit mit Steven Wilson begann übrigens mit einem Zufall: In einem Interview drückte ihm jemand ein Exemplar von Opeths STILL LIFE (1999) in die Hand. Wilson war begeistert, suchte den Kontakt zu Åkerfeldt – und der Rest ist Prog-Geschichte.
Sieben Wochen Chaos in Göteborg
Die Entstehungsgeschichte ist klingt hingegen nicht gerade nach der eines durchgetakteten Meisterwerks. Auf ihrer Website schrieben Opeth über ihre Reise ins Studio:
„Wir kamen am 10. August an und wussten, dass Göteborg für die nächsten sieben Wochen unser Zuhause sein würde. Diese Zeit war dringend nötig, da wir vor den Aufnahmen nur dreimal geprobt hatten. Alle Texte und ein Teil der Musik mussten noch geschrieben werden. So arbeiten wir heutzutage. Und jeder weiß, dass Proben langweilig sind!“
Während Opeth also eher kreativ-flexibel arbeiteten, standen im gleichen Studio Soilwork, die laut Mikael Åkerfeldt „die ganze Zeit arbeiteten“. Wenn Soilwork in die Küche kamen, um sich auszuruhen, saßen Opeth dort oft immer noch – in derselben Pause wie schon drei Stunden zuvor.
Musikalische Bewegungen statt Lieder
Schon vor BLACKWATER PARK hatten Opeth ihre Stücke ungern „Lieder“ genannt. Zu eng, zu klein, zu wenig Raum für das, was sie eigentlich taten: lange, psychedelische Soli, plötzliche Klavier-Passagen, rohe Death Metal-Growls, die aus dem Nichts auftauchen und wieder verschwinden. Wilson machte dieses Markenzeichen noch stimmiger. Das Ergebnis: ein Album, das wie ein einziger, vielschichtiger Organismus wirkt. In der langen Liste der 500 besten Metal-Alben aller Zeiten schrieb METAL HAMMER auf den Punkt gebracht: „Selten hat ein Album den Durchhörbefehl besser erteilt als BLACKWATER PARK“ und vergab einen verdienten Platz 27.
Vom Chart-Flop zum Progressive Metal-Thron
Heute klingt es absurd, aber: BLACKWATER PARK schaffte es weder in die US- noch in die UK-Charts. Die Anerkennung kam erst später – aber dann mit voller Wucht. Kritiker feierten das Album als Opeths Meisterwerk und lobten es in höchsten Tönen. Die 20th Anniversary Edition von 2021 schaffte es in Deutschland immerhin auf Platz 58 der Charts. Spät, aber verdient.
25 Jahre später wirkt BLACKWATER PARK kein bisschen alt. Es ist ein Album, das man nicht einfach hört, sondern erlebt. Ein Werk, das zeigt, wie weit man Metal dehnen kann, ohne ihn zu verlieren. Und ein Meilenstein, der Opeth endgültig in die Liga der ganz Großen katapultierte. Wenn ein Album nach einem Vierteljahrhundert immer noch so viel diskutiert, analysiert und verehrt wird, hat es sich seinen Legendenstatus redlich verdient.
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