Anathema A Sort Of Homecoming

Alternative Rock, Kscope/Edel (2 CD + DVD, 200 Min. / VÖ: 30.10.)

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Dass Anathema ihre neue Veröffentlichung A SORT OF HOMECOMING benennen, bezieht sich nicht zuletzt auf den Ort ihres erneut von Lasse Hoile gedrehten Konzertfilms: die eindrucksvoll in Szene gesetzte, Atmosphäre wie Sound bestimmende Kathedrale von Liverpool – jener Stadt, die Anathema vor ungefähr 25 Jahren als Death-Doomer ausspuckte und auf einen langen Erfolgsweg schickte.

Heute erinnert nur noch ein vor ‘Fragile Dreams’ (von 1998) eingestreuter Moshpit-Witz an die alten Zeiten; die Gruppe macht deutlich andere Musik und widmet sich ihrem ganz eigenen, emotionalen wie atmosphärischen Stil im Bannkreis von Alternative, Prog und Art Rock, der die letzten Alben sowie die Setlist des aufgezeichneten Abends im März 2015 bestimmt. Zwei CDs und eine DVD lassen den Hörer in das klanglich wie optisch eindrucksvolle Erlebnis ein­tauchen und sich in der einzigartigen Symbiose der Stimmen der Cavanagh-Brüder und Lee Douglas‘ verlieren. Das hundertminütige Video beeindruckt vor allem mit magischen Momenten wie einem sachten, herzschlagähnlichen Handklopfen auf einem Gitarrenkörper, dem Gastauftritt von Violinistin Anna Phoebe bei ‘Anathema’, einem Lichtermeer im Publikum bei ‘A Natural Disaster’ und natürlich den Nahaufnahmen der Band, der ihre emotionale Ergriffenheit ins Gesicht geschrieben steht – im Fokus des Filmmaterials stehen zwar ganz klar die Musiker, doch auch die eindrucksvolle ­Kulisse wird immer wieder gestreift.

Dies lässt die Audioversion naturgemäß vermissen, betont stattdessen aber die Reaktionen des (grundsätzlich leisen) Publikums und räumt dem musikalischen Haupterlebnis ohne optische Ablenkung Raum zur Entfaltung ein. Sound-Fetischisten dürfen sich dabei auf den von Bruce Soord (The Pineapple Thief) umgesetzten 5.1-Audiomix freuen. Ob ein weiteres Live-Paket nach dem erst 2013 ver­öffentlichten, mit Orchester perfektionierten UNIVERSAL nötig gewesen wäre, ist fragwürdig – doch immerhin warten Anathema mit acht neu in die Setlist genommenen Songs auf, sodass sich auch für Besitzer des Vorgängers ein Mehrwert ergibt. Fans haben außerdem die Möglichkeit, ein Boxset mit einem 36-seitigen Booklet zu erstehen. Wer nach dem stimmigen Paket noch immer nicht genug von Anathema hat und sich hierzulande von ihren akustischen Live-Qualitäten in ähnlicher Atmosphäre überzeugen möchte, erhält Anfang November in drei deutschen Kirchen die Gelegenheit dazu.

Prädikat: Absolut empfehlenswert.


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