Toggle menu

Metal Hammer

Search

Battlefield 1 (PS4, Xbox One, PC)

Shooter, Electronic Arts / DICE (PS4, Xbox One, PC)

7/ 7
teilen
teilen
twittern
teilen
mailen
von
Foto: EA

Historische Akkuratesse?

Um es direkt vorweg zu nehmen: DICE hat es sich mit Battlefield 1 offensichtlich und wie auch vorab angekündigt nicht zur Aufgabe gemacht, eine historisch akkurate Abbildung des brutalen Krieges zwischen 1914 und 1918 zu entwerfen. Stattdessen findet sich auf den Schlachtfeldern viel Kriegsgerät, was es zum Teil nur in sehr kleiner Stückzahl oder sogar ausschließlich auf dem Reißbrett gab. Das hilft der Action, irritiert aber zunächst etwas – zumal der Prolog kaum härter sein könnte.

Hier wird der Spieler auf einem Schlachtfeld der Westfront, irgendwo in Frankreich, irgendwann im Sommer 1918 mit dem eingeblendeten Satz „Was folgt sind Frontkämpfe. Du wirst vermutlich nicht überleben.“ in die Schlacht geworfen und stirbt sich in wenigen Minuten durch eine ganze Reihe junger englischer Soldaten, während einem die Grundmechaniken des Spiels erläutert werden. Ganz ohne die grundlegende Sinnlosigkeit des Massensterbens einer ganzen Generation in den Schützengräben Nordfrankreichs zu erläutern, wollen die Entwickler den Spieler also nicht in den Mehrspieler-Kampf schicken. Gut so!

Kriegsgeschichten für Solisten

In den anschließenden Kriegsgeschichten erlebt der Spieler verschiedene Erzählungen aus unterschiedlichen Perspektiven und an sehr unterschiedlichen Schauplätzen – so beginnt man als Panzerfahrer in ‘Through Mud & Blood’, steigt in ‘Friends In High Place’ als heißsporniger Abenteurer in einen der fragilen Doppeldecker, erstürmt gemeinsam mit den italienischen Arditi in ‘Avanti Savoia’ die Alpen und kämpft als Lawrence von Arabien gegen das Osmanische Reich. Die Kampagnen sind dabei ordentlich erzählt, und bieten spielerisch viel Abwechslung – so schleicht man sich schon zu Beginn durch Lager, räumt mit den schweren Kanonen der frühen Panzer auf oder muss in weitläufigen Arealen Ersatzteile für den unzuverlässigen Motor des Landschiffes suchen.

In Battlefield 1 werden Gefechte auch in der Luft ausgetragen.
In Battlefield 1 werden Gefechte auch in der Luft ausgetragen.

Das unterhält gut, ist aber insgesamt doch eher Standardkost – abgesehen von der gelungenen Inszenierung vieler Zwischensequenzen und Höhepunkte wie der fulminanten Luftschlacht in London wirken die Kriegsgeschichten oftmals eher wie ein langes Tutorial, dessen Länge sechs Stunden nicht wesentlich übersteigt. Wie viele Konkurrenten leiden auch bei Battlefield 1 die Gefechte zudem stark unter einer tendenziell dämlichen KI, auch wenn z.B. das Stealth-System dank der Ablenk-Mechanik aus Battlefield Hardline ordentlich funktioniert. Battlefield 1 bietet die beste Kampagne aller Serienteile – das ist aber angesichts der Konkurrenz (mit Grauen erinnert man sich an die Story-Katastrophe Battlefield 4) auch keine Herausforderung. Allerdings: Warum man die Franzosen und Russen (zwei der vier wichtigsten Fraktionen des Kriegs) im Grundspiel komplett ignoriert und erst per DLC nachliefert, bleibt unerklärlich!

Was für eine Kulisse

Was die Kampagne zu einem echten Blickfang macht ist hingegen die hervorragende Kulisse, die auf dem PC naturgemäß noch etwas knackiger daherkommt als auf den Konsolen. Schon auf PS4 und Xbox One können die grandiosen Alpen-Panoramen, schlammigen Schützengräben oder sonnendurchschienenen Wolken auf ganzer Linie überzeugen. Wuchtige Explosionen, aufspritzender (an der Waffe haften bleibender) Schlamm, tollen Lichtstimmungen und saubere Animationen erwecken das Schlachtfeld zum Leben und beweisen: DICE kann immer noch am besten mit der hauseigenen Frostbite Engine umgehen.

Dazu kommt: Die Zerstörung der Umgebung ist zurück – schwere Geschütze zerlegen jetzt wieder effektvoll ganze Häuserzeilen oder reißen tiefe Krater ins Niemandsland, die als Deckung genutzt werden können. Vor allem Gefechte in Städten oder Dörfern prägen die Umgebung nachhaltig, auch wenn nicht alles dem Erdboden gleichgemacht werden kann: Um die Balance auf einigen Mehrspielerkarten aufrecht zu erhalten, bleiben wichtige Mauerstücke stehen. Ein ordentlicher Kompromiss.

Mitten im Schlachtfeld
Mitten im Schlachtfeld

Auch in Sachen Sound brilliert Battlefield 1 erneut. Egal ob das Röhren der Panzer, die mechanischen Geräusche der Feuerwaffen oder die heftigen Einschläge großer Granaten: Wie gewohnt sorgt vor allem die gewaltige Soundkulisse für eine grandiose Gefechtsatmosphäre.

Was zählt ist auf dem Platz

Doch das wichtigste für jedes Battlefied ist und bleibt der Mehrspieler – und das gilt auch für den Ersten Weltkrieg. Das Schöne: DICE liefert hier auf ganz hohem Nivau! Neben dem klassischen Conquest-Modus, den es auch als Domination für reine Infanterie-Gefechte gibt, sowie dem seit Bad Company unentbehrliche Rush, Team Deathmatch und dem kurzweiligen Brieftauben-Modus hat Battlefield 1 eine neues Herzstück: Operations! Hier kämpfen Teams aus 40 oder 64 Spielern an vier Schauplätzen über gleich mehrere der hervorragend designten Karten hinweg um die Kontrolle über Kontrollpunkte.

Kernstück ist dabei die clevere Verbindung aus Rush und Conquest: Wie bei Rush greift ein Team mit begrenzten Tickets die Stellung der Verteidiger an und muss zwei Punkte einnehmen. Sind diese verloren, bewegt sich die Schlacht in den nächsten Sektor, bis alle Ziele entweder eingenommen oder die Tickets der Angreifer verbraucht sind. Anders als im Rush-Modus kämpfen die Fraktionen aber um Flaggen – der Kampf kann also lange hin und her wogen, bevor eine Seite die Überhand gewinnt. Somit verbinden sich die Stärken der Modi – die Kämpfe konzentrieren sich, sodass viel Teamwork gefragt ist, während gleichzeitig verbissen um jeden Meter gerungen werden muss, da eine Rückeroberung möglich ist und Punkte nicht einfach aufgegeben werden.

Oft gnadenlos, aber immer fair: Battlefield 1
Oft gnadenlos, aber immer fair: Battlefield 1

Doch Operations hat noch mehr in petto: Verlieren die Verteidiger, ist die Schlacht nicht vorbei! Dann nämlich wechselt der Schauplatz und der Kampf beginnt erneut. Die bis zu drei Karten hängen thematisch zusammen und während der Ladepausen erklären Zwischensequenzen den Schlachtenverlauf. Das ist cool, zumal die Angreifer mehrere „Leben“ haben – ihnen stehen insgesamt drei Wellen à 150 Tickets zur Verfügung, sodass nicht nach der ersten Niederlage Schluss ist.

Gleiche Chancen für alle!

Zudem stellt ihnen das Spiel bei einer Niederlage einen sogenannten Leviathan zu Seite, der sich, je nach Karte, entweder als riesiges Luftschiff, Panzerzug oder Schlachtkreuzer entpuppt. Die Leviathans werden von Spielern bemannt und unterstützen mit ihren machtvollen Kanonen den Vormarsch, können aber durch koordiniertes Vorgehen der Verteidiger auch verhältnismäßig zügig ausgeschaltet werden. Gewinnt die attackierende Seite, können sie zudem durch Abschüsse sich im übernommenen Sektor befindlicher Verteidiger neue Tickets dazugewinnen – eine mitunter schmerzhafte aber fein abgestimmte und genial-einfache Belohnungsmechanik. Angriffs- und Verteidigungsmultiplikatoren sorgen nach Abschluss einer Operation, die durchaus mehr als 40 Minuten dauern kann, außerdem für satte Punkteboni, was die großen Gefechte zu den ertragreichsten Schlachten des Spiels macht.

Panzerzug
Panzerzug

Insgesamt ist Operations genau die Frischzellenkur, die Battlefield gebraucht hat: die dynamischen Gefechte machen richtig Spaß und die Karten sind so gut entworfen, dass ihre etwas geringe Anzahl kaum auffällt. Auch wenn DICE im Grunde nur den seit Jahren bei Red Orchestra im Einsatz befindlichen Modus kopiert und mit ein paar eigenen Ideen ergänzt, entspinnen sich hier die die spannendsten Gefechte der jüngeren Seriengeschichte. Auch durchdachte Details wie vereinzelt abrufbare Elite-Sets wie den schwer gepanzerten Sentry und Flammenwerfer-Soldaten oder der sinnvolle Verzicht auf in der Basis spawnende Flugzeuge oder Panzer (stattdessen wird beim Einstieg direkt in einem Fahrzeug gestartet) zeigen, dass DICE sich nach dem eher durchwachsenden Battlefront nochmal alle Spielmechaniken vorgeknöpft hat.

Als Team zum Sieg

Zudem ist im Operations-Modus Teamwork endlich wieder wichtig! Jeder der angenehm sorgsam ausbalancierten Klasse kommt in den Kämpfen eine wichtige Schlüsselposition zu – vor allem der Medic sorgt mit seiner Wiederbelebungsspritze für geschlossene Frontlinien und auf Seiten der Angreifer für weniger Ticket-Verluste und somit höhere Siegchancen, während der Assault Linien durchbricht und die unglaublich gefährlichen Panzer mit Granaten und Anti-Tank-Gewehren bearbeitet. Der Support kann nicht nur Munition verteilen oder Positionen mit dem Maschinengewehr effizient verteidigen, mit seinem Mörser liefert er zudem indirektes Unterstützungsfeuer, was insbesondere beim koordinierten Angriff auf Stellungen dem Erfolg des eigenen Teams zuträglich ist. Auch der Sniper sorgt nicht nur durch das gezielte Ausschalten von Feinden für die Oberhand auf dem Schlachtfeld – die Signalpistole sorgt auch für die Markierung von Feinden und erleichtert die Koordination der Kräfte.

Wie immer gilt: Die Mischung macht’s. Vor allem zu viele Sniper sorgen schnell für eine Niederlage, da die Jungs einfach keine Stellungen halten oder einnehmen können. Insgesamt sind die Aufgaben aber clever verteilt und alle Klassen mit ordentlichen Waffen ausgestattet – so gehören zum Beispiel die Karabiner des Medics zu den vielseitigsten Knarren des Spiels, was ihn endlich zu einer sehr beliebten Klasse macht.

Nur mit Teamwork kommt man in Battlefield 1 zum Erfolg
Nur mit Teamwork kommt man in Battlefield 1 zum Erfolg

Ausrüstung, Ausrüstung, Ausrüstung

Anders als bei den Vorgängern ist das mühsehlige Leveln ungeliebter Knarren endlich vorbei: Da es keine freischaltbaren Visiere oder Griffe gibt, steigen nur noch Spieler und Klasse im Rang auf. Neues Equipment wird über Kriegsanleihen freigeschaltet, die man beim Rangaufstieg verdient. So können gezielt die bevorzugten Waffen und Gadgets ausgesucht und gekauft werden. Ansonsten bleibt vieles bewährt – es gibt eine Haupt- und eine Nebenwaffe sowie zwei Ausrüstungsslots bei denen man u.a. zwischen Heilkisten, Signalpistole oder Mörser wählen kann. Zudem gibt es natürlich viele unterschiedliche Granatentypen, darunter die fiesen Gasgranaten, die den Gegner zur Nutzung der Gasmasken zwingen.

Auch das gibt es in Battlefield 1: Ein Pferd springt über einen Schützengraben
Auch das gibt es in Battlefield 1: Ein Pferd springt über einen Schützengraben

Leider sind die Menüs gerade auf der Konsole etwas unübersichtlich. Zudem kann die Ausrüstung der Klassen (bis zu drei Presets können festgelegt werden) nur in der Schlacht selbst und nicht im Hauptmenü angepasst werden. Eine seltsame Entscheidung, da man so wertvolle Minuten der Gefechte im Menü und nicht im Schützengraben verbringt. Auch kann nur hier neues Kriegsgerät erstanden werden, was die Auswahl mitunter extrem verlängert.

Fazit

Battlefield 1 ist das beste Battlefield seit Battlefield 2142, vielleicht sogar seit dem Serien-Urahn 1942. So dynamisch, brutal, verbissen und intensiv waren die 64-Spieler-Gefechte der Serie schon lange nicht mehr. Vor allem der neue Spielmodus Operations sorgt für frische Würze und könnte schnell zum Fan-Liebling avancieren. Sinnvoll ausbalancierte Klassen, ein gutes Freischaltsystem und eine hervorragende Schlachtfeld-Atmosphäre sorgen für richtig gute Mehrspieler-Unterhaltung. Zwar bietet die Kampagne zudem die besten Einzelspieler-Einsätze, die je ein Battlefield im Gepäck hatte, bleiben aber trotz Edelkulisse insgesamt eher im Genre-Durchschnittsbereich – zumal völlig unerklärlich ist, warum Franzosen und Russen auch hier keine Rolle spielen. Diese Kritik verblasst allerdings angesichts der Mehrspieler-Macht, die hoffentlich im kommenden Jahr durch sinnvolle DLCs noch um die fehlenden Kriegsparteien ergänzt wird. Chapeau: Diese Qualität hätte man der Serie nach Battlefront und Battlefield Hardline kaum noch zugetraut.

 

EA
EA
EA
EA
EA
EA
teilen
teilen
twittern
teilen
mailen