Toggle menu

Metal Hammer

Search

Kreator PHANTOM ANTICHRIST

Nuclear Blast/Warner 01.06.2012

7/ 7
teilen
mailen
teilen
von
Foto: Nuclear Blast

Ein Blick nach draußen genügt, um die brodelnde Wut im Bauch endgültig zum Überkochen zu bringen. Gierige Banken, politische Machtspiele, soziale und gesellschaftliche Konflikte, zunehmende Überwachung durch Staat und Unternehmen, die Zerstörung unseres eigenen Biotops aus blinder Profitsucht – es ist höchste Zeit für ein wütendes Statement. Das perfekte Metal-Medium hierfür ist schon immer der Thrash, und allen voran waren speziell Kreator nie darum verlegen, harte Themen aufzugreifen und sich im künstlerischen Sinn die Finger schmutzig zu machen. Klare Worte mit messerscharfen Riffs zu bündeln ist eine der großen Stärken der Band, die sich im Verlauf ihrer Karriere immer weiter verbessert, verfeinert und neu justiert hat.

Betrachtet man die Linie von EXTREME AGGRESSION (1989) und COMA OF SOULS (1990) über VIOLENT REVOLUTION (2001) bis hin zu HORDES OF CHAOS (2009), dann ist PHANTOM ANTICHRIST ein typisches, weil sofort als solches erkennbares Kreator-Album. Ihr erstklassig gespielter Thrash Metal verbindet brutale Aggression und mitreißende Melodien zu großen Hymnen in der Tradition der ewig Altvorderen Iron Maiden und Judas Priest. Doch Kreator waren nie eine Band der sturen Traditionspflege. Vielmehr sind sie von der Suche nach Erneuerung und Weiterentwicklung getrieben, ohne dabei ihren stilistischen Kern aus dem Fokus zu verlieren. Diesmal sitzt die deutlichste Veränderung auf der Bank, als fünfter Mann. Für den Sound von PHANTOM ANTICHRIST war Jens Bogren (unter anderem Amon Amarth und Katatonia) verantwortlich, der Kreator einen opulenten, beinahe eleganten Feinschliff verpasst hat. Dieser unterscheidet sich deutlich vom rauen Charme der HORDES OF CHAOS-Produktion, deren Neuauflage eine Wiederholung und somit einen Stillstand der Maschine bedeutet hätte.

Unabhängig von dieser akustischen Veränderung beinhaltet PHANTOM ANTICHRIST neun klassische Kreator-Kompositionen, welche den Fans wie Balsam die Synapsen herunterlaufen werden. Doch hinter den mächtigen Rhythmen, sich duellierenden Soli und prägnanten Melodien stecken viele raffinierte Details, unerwartete Stimmungswechsel und plötzliche Kinnhaken, welche dieses Album zum vielseitigsten der Kreator-Geschichte machen. Vom aggressiven ‘Phantom Antichrist’ über das an ‘Violent Revolution’ erinnernde ‘Death To The World’, den Midtempo-Headbanger ‘From Flood Into Fire’ (was für ein simpler und doch grandioser Chorus!) und weiter über das treibende ‘Civilization Collapse‘ bis hin zum epischen Finale von ‘Until Our Paths Cross Again’ ist PHANTOM ANTICHRIST randvoll mit Hymnen, Hits und zukünftigen Klassikern. Zudem liefert die Zeile „We can bring this empire to fall“ (aus ‘United In Hate’) den potenziellen Schlachtruf für die kommenden Konzerte. Wenn sich also die Kreator-Kreativität mit dem Streben nach Weiterentwicklung zusammenfassen lässt, ist PHANTOM ANTICHRIST der logische Karriereschritt, welcher ihr musikalisches Spektrum in alle Richtungen erweitert. Darum ist dieses Album ein Meisterwerk, welches sowohl musikalisch als auch inhaltlich notwendige Akzente setzt und zusätzlich dem etwas bieder gewordenen Thrash Metal seinen en vogue gewordenen Retro-Rost vom stählernen Rahmen schmirgelt. Wie eingangs erwähnt: Es war höchste Zeit für ein starkes Kreator-Album.

Bestens informiert über dieses und alle weiteren wichtigen Themen im Metal bleibt ihr außerdem mit unserem Newsletter. Ein Mal pro Woche flattert euch übersichtlich sortiert ein Update ins Postfach. Einfach anmelden, damit euch auch sicher nichts entgeht.


ÄHNLICHE KRITIKEN

Stone Sour :: HYDROGRAD

Kreator :: GODS OF VIOLENCE

Long Distance Calling :: Trips


ÄHNLICHE ARTIKEL

Bruce Dickinson nimmt neues Album in Dave Grohls Studio auf

Iron Maiden-Organ Bruce Dickinson hat kürzlich verschiedene Musiker im Aufnahmestudio von Dave Grohl begrüßt.

Guns N' Roses: McKagan findet, Singles waren richtige Wahl

Guns N' Roses-Bassist Duff McKagan ist der Meinung, dass es die richtige Entscheidung war, wenige Singles zu veröffentlichen.

Def Leppard haben beinahe genug Material für zwei Alben

Die Glam-Metaller Def Leppard ruhen sich nicht auf ihren Lorbeeren aus. Die Band hat fast genug Material für zwei ganze Alben geschrieben.

teilen
mailen
teilen
John Corabi kündigt sein Soloalbum an

Der ehemalige Mötley Crüe– und derzeitige The Dead Daisies-Sänger John Corabi hat in der Vergangenheit immer wieder Alleingänge unternommen. Nach der Platte UNPLUGGED (2012) und einigen Singles folgte nun die offizielle Ankündigung eines weiteren Langspielers. Ein neuer Tag Das Album trägt den Titel NEW DAY und erscheint am 24. April 2026 via Frontiers Music. Die gleichnamige erste Single-Auskopplung gibt schon mal einen Eindruck, wohin die Reise mit der Platte gehen soll. Dazu erklärt John Corabi: „‘New Day’ ist ein positiver, mitreißender Song mit der Botschaft: Genieße das Leben! Hör auf zu jammern und dich darüber zu beschweren, wie unfair das…
Weiterlesen
Zur Startseite