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Kylesa Spiral Shadow

Sludge, Season Of Mist/Soulfood 11 Songs / 40:37 Min. / 29.10.2010

6/ 7
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Foto: Season of Mist (Soulfood)

Es gibt momentan keine andere Band, die den Spagat zwischen extremem Metal und Siebziger-Rock müheloser hinbekommt als Kylesa. Sie sind talentiert, unermüdlich und bodenständig: Gute Voraussetzungen, es bis ganz nach oben zu schaffen. Und mit ihrem fünften Album SPIRAL SHADOW hat die Band aus Savannah, Georgia, auch genug scharfe Munition im Marschgepäck, um sich den Weg notfalls freizusprengen, ganz so, wie es ihre Georgia-Nachbarn Mastodon und Baroness vorgemacht haben.

Die Band hat nämlich im Vergleich zu anderen Acts einige strategische Vorteile: Sie funktioniert als Kollektiv, kann auf die Ideen von drei Songwritern zurückgreifen, nämlich auf Drummer Carl McGinley, Gitarristin/Sängerin Laura Pleasants und Phillip Cope. Die Drei sind nicht nur überaus kreativ, sondern haben auch ihre Egos so weit im Griff, dass sie die Talente ihrer Mitmusiker beim Songwriting berücksichtigen.

So baut beispielsweise McGinley das Song-Gerüst nicht nur für sich allein, sondern auch für seinen Partner, den zweiten Trommler Tyler Newberry. Der wiederum hat einen anderen Stil als sein Vorgänger Eric Hernandez, weshalb SPIRAL SHADOW insgesamt weniger direkt und entfesselt daherkommt als das letzte Album STATIC TENSIONS, dafür aber weitaus mehr unterschiedliche Stilistiken in sich vereint. So hat sich beispielsweise der Anteil psychedelischer Rock-Parts deutlich erhöht (nachzuhören zum Beispiel im Song ʻCheating Synergyʼ). Und selbst poppige Strukturen schimmern ab und an durch: Mit ʻDonʼt Look Backʼ hat die Band jedenfalls den eingängigsten Song ihrer Karriere verfasst. Was jedoch nicht heißt, dass Kylesa ihre Brachialität verloren hätten. Im Gegenteil: Sie tritt gerade durch den Kontrast zu den sanfteren Passagen noch deutlicher zu Tage.

Am besten fasst ʻCrowded Roadʼ die aktuelle Marschrichtung von Kylesa zusammen: Sie peitschen und pumpen, wuchten und schreien. Doch dann kippt die Stimmung schlagartig vom Extrovertierten ins Introvertierte, denn die Musiker weben zarte Melodien und entrückte Elemente in den tobenden Klangkörper ein. Dabei nicht den Faden zu verlieren, ist große Kunst. Kylesa gelingt es: Ihr Bauchgefühl warnt sie, wenn sie sich zu weit ins Experimentelle vorwagen, weshalb sie stets im richtigen Moment zum Ausgangs-Groove zurückkehren. Und all das passiert intuitiv, nichts wirkt gekünstelt, weshalb SPIRAL SHADOW nicht nur durch seine elf Gänsehaut-Tracks besticht, sondern auch als Einheit überzeugt, deren einzelne Abschnitte fließend ineinander übergehen.

Die Eleganz des Gesamtkunstwerks SPIRAL SHADOW erschließt sich jedoch nicht sofort. Im Vergleich zu STATIC TENSIONS ist das neue Album zunächst etwas sperriger. Das liegt daran, dass Kylesa so viele unterschiedliche Elemente in den Songs verweben, jeder Track ist, obwohl er zumeist auf einer recht simplen Basisstruktur aufbaut, vollgepackt mit Melodien, Sounds, Effekten. Die erschließen sich nach und nach, mit jedem weiteren Durchlauf wächst die Begeisterung: Das macht SPIRAL SHADOW grandios und nachhaltig zugleich. Zudem sind Kylesa auch so schlau, nicht nur großen Wert auf Song-Details zu legen, sondern auch optisch in der Top-Liga mitzumischen. Das beeindruckende SPIRAL SHADOW-Artwork stammt vom Künstler Santos, der in seinem Blog (http://eyebleedink.blogspot.com) einen spannenden Einblick gibt, wie er bei der Gestaltung vorgegangen ist und welche Inspirationsquellen er für das Design genutzt hat.

 

Kommentare der Redaktion

Das hat was. Rumpelt retro, groovt gut und macht mit komischen Melodien eine coole Atmospäre. Hier zählt die Gesamtwirkung, der Sound, die eigene Note. Dabei bin ich froh, dass die Band vor lauter Post-irgendwas-inspirierter Neuorientierung die richtigen Songs nicht vergessen hat. Nur dass dabei ein solcher Schnitt rauskommt, das hätte ich nicht gedacht.
Christof Leim (5 Punkte)

„Far Out“ ist manchmal eben auch ganz vorn. Kylesa fahren sowohl musikalisch wie klanglich abseits des Gewohnten, und erobern sich dadurch wertvolle Alleinstellungsmerkmale. So knorrig-kauzig die grundlegenden Strukturen sind – Kylesa schmeicheln auch gerne mal mit prächtigen Melodien und verzücken damit selbst diejenigen Hörer, denen die Sumpfgebiete des Sludge sonst eigentlich zu modrig sind.
Matthias Weckmann (5 Punkte)

Ein Traum von Album, es schmiegt sich wohlwollend wie ein warmer Spätsommerregen passgenau an den Körper, umgarnt sämtliche Emotionsebenen und lässt kein Härchen unberührt. Kylesa haben im Vergleich zu den Vorgängern einen riesigen Schritt nach oben gemacht, die Erwartungen mehr als übertroffen, und der Titelsong ‘Spiral Shadow’ ist das großartigste Stück Stoner seit vielen Jahren. Queens Of The Stone Age sind tot, Electric Wizard unerreicht, und Kylesa der absolut heiße neue Scheiß!
Thomas Sonder (6 Punkte)

Während die eine Hälfte der Redaktion mit feuchtem Höschen auf das neue Kylesa-Album wartete, quittierte die andere Hälfte die ersten fetten Punkte im Notenschnitt mit „Wer sind die eigentlich?“. Wo früher Retro Rock die Redaktion geeint hat, sind es jetzt die Bands, die sich aus der Postcore-Ecke zum Mainstream entwickeln. Eine tolle Entwicklung, die Kylesa nach Mastodon, Baroness, Isis und so weiter noch zusätzlich befeuern.
Tobias Gerber (6 Punkte)

Kylesa sind ein Glanzlicht in einem furchtbar durchschnittlichen Soundcheck-Monat. Gleichzeitig trocken-oldschoolig und verspielt-modern kommt SPIRAL SHADOW daher, leitet den Herbst mit sphärischen Melodien und zähflüssig groovenden Riffs ein. In Sachen Komplexität und Atmosphäre nehmen es Kylesa locker mit Mastodon auf – deren CRACK THE SKYE hatte allerdings noch ein Stück mehr Ohrwurmpotenzial. Nächstes Mal vielleicht.
Sebastian Kessler (5 Punkte)

Auch wenn sich die Energie eines Kylesa-Konzertes niemals komplett in der Konserve einfangen lässt, kommt SPIRAL SHADOW den Auftritten schon sehr nahe. Nach freundlichen Begrüßungstakten schnappt die Band brutal zu und spielt sich in einen fiebrigen Wahn. Die Musik atmet, zuckt, pulsiert und bäumt sich immer wieder zu Höhepunkten wie dem hypnotischen Doppel-Drumsolo in ‘Drop Out’ auf. Laut gehört, blasen einen Kylesa buchstäblich weg.
Jakob Kranz (6 Punkte)
 

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