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Metallica LULU

Universal 28.10.2011

4/ 7
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Foto: loureedmetallica.com

Für LULU hat sich Lou Reed mit der größten Metal-Band des Planeten verbündet, um einen avantgardistisch-theatralischen Soundtrack zu komponieren. Sein Ziel lautete, Rockmusik mit „den intellektuellen Inhalten zu füllen, die einst in Romanen und Filmen beheimatet waren“. Das hat er mit diesem Album zweifellos erreicht, wobei es LULU dem Hörer mehr als schwer macht.

Der Grundtenor ist typisch Reed. Er lässt sich von Frank Wedekind inspirieren, einem deutschen Schriftsteller und Dramatiker, der Anfang des 20. Jahrhunderts mit seinen Stücken ʻErdgeistʼ sowie ʻDie Büchse der Pandoraʼ für reichlich Aufsehen und gesellschaftliche Aufregung sorgte. Hauptfigur ist Lulu, eine junge Frau, deren sexuelle Sehnsüchte Wedekind ohne Hemmungen lustvoll beschreibt und die am Ende Jack The Ripper zum Opfer fällt. Die Kombination aus regem Blutvergießen und tristem Sex bietet die Grundlage für die vorliegenden zehn Songs, die Reed einst für eine Theaterproduktion in den USA komponierte und die nun durch die Urgewalt, partiell auch improvisierte Performance, von Metallica aufgepeppt werden.

Beim Hören stellt sich folgendes Gefühl ein: Ein wütender Mann spricht etwas zu laut über ruppige Grooves, die nicht enden wollen, weil niemand die Eier hatte, den Musikern zu sagen, wann Schluss ist. Wer sich nicht auf das Konzept einlässt, für den werden manche Texte ziemlich banal klingen: „Spermless like a girl“ schreit Lou fortwährend in anhaltender Frustration, und in ‘Cheat On Me’ wirft er mit amateurhaft wirkenden Reimen wie „I have a passionate heart, It can tear us apart” um sich. Es gibt eine Grenze, an der aus Cleverness schnell Blödsinn wird. Trotzdem lohnt es sich, in die Materie einzutauchen, denn dann macht LULU auf eine seltsame Art plötzlich Sinn.

Den ungezügelten Jams von Metallica wohnt eine gehörige Portion Freiheit inne, Feedback-Orgien und kreischende Töne inklusive. Sie wechseln von Sabbath-Drönen (‘The View’, ‘Dragon’) zu intensivem, matschigem Thrash Metal (‘Mistress Dead’) und landen im zwanzigminütigen Schlusspunkt ‘Junior Dad’ schließlich bei atmosphärischer Lounge-Musik. Seltsamerweise scheint es, als ob dieser finale, sehr emotionale Song von einem ganz anderen Album stammen würde. Am Ende stehen zehn Minuten voll wunderschöner, aber atonaler Streichereinsätze, welche – wenn man den Berichten aus dem Studio Glauben schenken darf – die Metallica-Musiker zu Tränen rührten. LULU hätte nicht wirklich knappe 90 Minuten lang sein müssen. Der Großteil der zweiten Hälfte hätte ruhigen Gewissens weggelassen werden können, ohne dass jemand etwas vermisst hätte. Aber wer hätte es schon gewagt, das Lou, Lars, James sowie den zwei Produzenten im Studio zu verklickern…

Das endgültige Urteil? Hier haben sich einige sehr reiche Männer im Studio getroffen, um etwas intellektuell Anspruchsvolles zu kreieren, das auch das Interesse von Kunstmagazine wecken könnte. Das Album wird nur mäßig verkaufen, die Zielgruppe sind eher Reed-Anhänger. Diese werden das Chaos genießen und die Intensität schätzen, die Metallica in die Texte einbringen. Metallica-Fans werden LULU hingegen größtenteils ignorieren – und MASTER OF PUPPETS auflegen.

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