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Pain & Gain Comedy/Drama

Paramount Pictures 129 Minuten / 22. August 2013

2.0/ 7
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Schuster, bleib bei deinen Leisten. Schnörkellose Hauptdarsteller, bombastische Materialschlachten und Produktionsbudgets um 150 Millionen Dollar sind die Charakteristika eines Michael-Bay-Werkes. Damit ist er seit Jahren kommerziell erfolgreich. „I make movies for teenage boys. Oh, dear, what a crime“, hat Bay einmal gesagt. Subtil und satirisch waren seine Filme noch nie. Leider hätten genau diese Zutaten seinen neuen Film Pain & Gain zu einem Erfolgsrezept werden lassen. Ohne sie verkommt die Farce über drei kriminelle Muskelprotze zu einem üblen Brei.

Daniel Lugo (Mark Wahlberg) ist Fitnesstrainer und passionierter Bodybuilder. Im Miami des Jahres 1995 trägt er Krawatte zum Kurzarmhemd, fährt ein knallrotes Cabrio und hört Coolio. Daniel ist ein Durchschnittsbürger. Doch nur ein Durchschnittsbürger zu sein ist nicht genug, denkt er sich, denn er hat hart trainiert für seine Muskeln. Als ihm im Proll-Tempel der Selfmade-Millionär Victor Kershaw (Tony Shalhoub) als Klient zugewiesen wird und fortwährend von hübschen Frauen, edlen Parties und viel Geld spricht, schmiedet Daniel einen Plan. Er will den Angeber kidnappen und dazu bringen, seinen gesamten Besitz an ihn abzutreten. Einfach und genial, bescheinigen ihm auch seine Kollegen Adrian (Anthony Mackie) und Paul (Dwayne Johnson) und sind sofort mit an Bord. Obwohl die ersten beiden Versuche kläglich scheitern, schafft es das aufgepumpte Trio trotzdem. Allerdings müssen alle Beteiligten bald feststellen, dass der Plan irgendwie doch nicht so ganz perfekt durchdacht war.

„Unfortunately, this is a true story“ steigt Pain & Gain in die Geschehnisse ein. „Unfortunately, this true story was turned into crap by Michael Bay“ wird nach über zwei langen Stunden der Gedanke vieler Zuschauer sein. Wie schwarzhumorig und unterhaltsam Pain & Gain hätte werden können, bevor ihn Bay mit seiner verkitschten Werbefilm-Ästhetik bearbeitet hat, lässt sich anhand des Skriptes leider nur noch erahnen. Fakt ist, dass selbiges auf einer Artikelreihe von Pete Collins basiert, die 1999 in der Miami New Times erschienen ist. Die wahre Geschichte von Entführung, Erpressung und Mord, allen voran allerdings Dummheit, erinnert dunkel an so brilliante Filme wie Fargo oder In Bruges.

Das Material hätte durchaus Potential gehabt und Michael Bay wollte hier offensichtlich weg vom Blockbuster-Bombast. Mit 26 Millionen Budget ist Pain & Gain sein kleinster Film, sogar die Hauptdarsteller mussten auf ihre üblichen Gagen verzichten und Bays Privatanwesen wurde als Set missbraucht , damit das inszenierte Understatement vollendet scheint. Zu dumm, dass Bay dann aber trotzdem zu altbewährten Mitteln greift. Eine US-amerikanische Flagge weht im Wind. die Kamera dreht sich in Zeitlupe um Mark Wahlberg und Humor gibt es nur in Form von infantilen One-Linern. Der Regisseur möchte seine Charaktere als Helden feiern, gleichzeitig setzt das Drehbuch jedoch voraus, sie ständig bloßzustellen. In diesem völlig fehlplatzierten Wechselspiel aus Pathos und Idiotie ist Bays größtes Problem wie immer, dass er Menschen nur als funktionale Roboter in Szene setzen kann. Vielleicht eine Erklärung für den großen Erfolg der Transformers-Reihe.

Nicht alles ist schlecht. Eine Handvoll Szenen sind witzig, allen voran diese, in denen Dwayne Johnson mit einer Eleganz an Overacting den koks-schnüffelnden Ex-Knacki mit christlichem Dackelblick mimt. Somit wird der sonst so zornig dreinblickende Ex-Wrestler zum heimlichen Star und einzigem Grund, dieses Machwerk mit dem Kauf einer Kinokarte zu unterstützen.

Michael Bay macht sich währenddessen mit Pain & Gain endgültig zum amerikanischen Uwe Boll und darf sich nicht wundern, erneut für die kommende Preisverleihung der Goldenen Himbeere nominiert zu werden. Es sollte ein augenzwinkernder Film über eine Farce von dümmlichen Testosteron-Typen werden. Die eigentliche Farce hingegen ist, dass Pain & Gain möglicherweise dazu im Stande gewesen wäre, jedoch ein schlechter Teenie-Schinken geworden ist. And yes, Mr Bay, that is in fact a crime.

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