Soulburn waren schon immer eigen. Entstanden ist die Gruppe 1996 als Abspaltung von Asphyx unter der Ägide von Gitarrist Eric Daniels und Schlagzeuger Bob Bagchus (der 2018 zurücktrat). Auf ihrem fünften Werk machen die Niederländer eine erstaunliche Wandlung durch und unternehmen – ausgehend von ihrer Basis aus Death-, Doom- und Black Metal – Ausflüge ins Ko(s)mische: Der zweite Teil des Einstiegs ‘The Braveheart Of Nightmares’ besteht aus einer entsprechenden Kulisse. Dazu mutet der Klargesang von Twan van Geel (Ex-Legion Of The Damned) in mehreren Stücken theatralisch-verstörend an – man höre etwa ‘Powehi, The Embellished Dark Source Of Unending Creation’, ‘M87 – What Hopes To Be Born?’ oder ‘In The Very Time That Will Rot Us’. Oft genug wähnt man sich im falschen Film, doch zum Glück kredenzen Soulburn auch einige stringente, wirklich packende Schrammelattacken, in denen das „Was zur Hölle?“-Gefühl in den Hintergrund tritt: Dazu zählen ‘An Impious Journey Through The Cathedral’s Mouth’ und die orientalisch veredelten ‘Stalactites Of Molten Flesh’ und ‘Iconox Spew Black At The Razor’s Edge’. Langsamer geht das Quartett in ‘Down Among The Stars’ sowie dem besprochenen ‘The Desolationist’ zu Werke. Und wer in ‘An Innocuous Swathe Of Sky’ bereits versöhnt ins Finale schunkelt, sieht sich am Ende doch wieder mit dem Unerwarteten konfrontiert, das als Maxime über QUANTIFYING COSMIC DOOM zu schweben scheint. Ein irrer, über einstündiger Trip zwischen Kosmos und irdischen Gefilden für Fans von Blood Incantation und anderen Genre-Sprengern.
Soulburn meistern auf QUANTIFYING COSMIC DOOM die Balance aus erzählerischen Melodien, unnachgiebig grollenden Riffs und Drums. Sie erschaffen eine musikalische Reise durch kosmische Klangwelten und Genres: Von fauchendem Death- über schnellen Black Metal bis hin zu trägem, verzerrtem Doom ist alles dabei. Dennoch klingt das Album nicht zusammengepuzzelt. Stattdessen fließen Elemente nahtlos ineinander über, um ein zusammenhängendes Bild zu zeichnen. Helen Lindenmann (5 Punkte)
Das letzte Soulburn-Album NOA’S D’ARK deutete schon an, wo diese Reise hingeht, war mir damals aber zu roh zusammengehauen. QUANTIFYING COSMIC DOOM macht das, was der Titel verspricht, jetzt wirklich sauber: Death Doom-Riffs der Sonderklasse, von Veteranenhänden geschmiedet und dazu Abenteuerlust statt Routine, was das Ganze in eine originelle, spacig-wilde Prog-Oper verwandelt. Robert Müller (5 Punkte)
***
Du willst METAL HAMMER lesen, aber kein Abo abschließen? Kein Problem! Die aktuelle Ausgabe portofrei nach Hause bestellen: www.metal-hammer.de/heftbestellung
***
