Kritik zu The Hirsch Effekt HOLON: AGNOSIE

The Hirsch Effekt HOLON: AGNOSIE

Post Rock, Long Branch/SPV 13 Songs/ VÖ: 24.04.

6.0/ 7
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Als Supportband von The Dillinger Escape Plan und Coheed And Cambria sind die musikalischen Ecken für The Hirsch Effekt abgesteckt. Problem: Zwei Ecken sind zu wenig, mit zwanzig käme man näher ran. Von Emo und Indie über Grind- und Hardcore bis Jazz und Electro pflügt das Hannoveraner Trio quer durch den Plattenladen.

Ihr drittes Album HOLON : AGNOSIE vervollständigt die „Holon-Trilogie“ und ist nach HIBERNO und ANAMNESIS ihr bis dato wütendstes Werk. Immer wieder wird ein höherer Gang eingelegt, der Motor läuft mit Zorn. Umso krasser kommen die plötzlichen Brüche daher, wenn Nils Wittrock zu hochemotionalem Klargesang ansetzt. Klassische Song-Strukturen gibt es dabei kaum, jeder der 13 Tracks ist ein einzigartiger, wilder Psycho-Trip.

Trotz des Chaos’ bleiben schnell Melodien, Riffs, Sätze, (Schock-)Momente hängen; sei es das Pianomassaker in ‘Jayus’, der Jazz-Faktor des Titel-Tracks, die schräg- und wohlklingende Verzweiflung eines ‘Emphysema’ oder die Hard- und Grindcore-Schlachtung namens ‘Dysgeusie’. Bei aller Unverdaulichkeit und Schwere so unwiderstehlich und schwebend zu klingen, schafft wohl keine andere deutsche Band. Chapeau!

Sebastian Kessler

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Dass hier jemand durch den Plattenladen pflügt, ist unüberhörbar. Allerdings rückwärts, betrunken und in einem Pinguinkostüm. Was Der Weg Einer Freiheit für den Black Metal, scheinen The Hirsch Effekt für den modernen Sektor zu sein. Doch während man auf dieser Seite der Boxen Der Weg Einer Freiheit problemlos folgen kann, ist bei The Hirsch Effekt Schluss mit lustig.

Die Chose klingt, als würden mindestens drei Alben von Sportfreunde Stiller, irgendeinem Freejazz-Projekt und Asking Alexandria gleichzeitig laufen. Deutsche und englische Texte im bunten Mix? Mal ein paar Bläser zum Doublebass-Kreischgeballer? Gegrunze und Emogejammer Hand in Hand? Nicht nur einmal fallen einem die chaotischsten Nummern von Knorkator ein. Bei denen kann (und soll) man allerdings darüber lachen.

Diese Herren aus der niedersächsischen Landeshauptstadt lösen mit ihrer Krachorgie nur einen Reflex aus: Wo sind die verdammten Kopfschmerztabletten? Und bei der angedeuteten Rede in ‘Bezoar’ (Menschheitskritik in XXL) kommt auch noch Übelkeit dazu. Nee, dann lieber zum hunderttausendsten Mal ‘Run To The Hills’. (2/7)

Marc Halupczok


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