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Saitenhieb: Der Tod der Zugabe

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Liebe Metalfans!

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, und nach dem Ende geht’s noch weiter. Letzteres ist mittlerweile so selbstverständlich, dass manchem Abschluss jeder Zauber fehlt. Das Phänomen beobachte ich schon länger; zuletzt wurde es mir beim Tourneestopp von Cradle Of Filth offenbar. Tolles Konzert, spitzen Setlist – schließlich (oder eben: nicht) geht die Band von der Bühne und das olle Zugabespiel beginnt. Das Publikum macht halblaut mit, fabriziert das Nötigste an Applaus, begibt sich in den Abwartemodus. Dabei hatten alle Bock auf mehr, wie sich zeigt, als die Show weitergeht. Aber: Dass es weitergeht, war sowieso klar, stand so auf setlist.fm, war in den Insta-Storys von vorherigen Konzerten zu sehen – warum also Energie verschwenden?

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„Zugabe“ heißt heutzutage: Am Ende werden die großen Hits ausgepackt. Dass dies inszeniert und Spannung aufgebaut werden will: unbedingt! Aber das auswendig gelernte Verschwinden, minutenlange Abwarten und Wiederkommen hat eher etwas von Versteckspiel mit einem Zweijährigen: „Du siehst mich nicht. Da bin ich wieder!“ Ehrliche Begeisterung, durch die sich Publikum und Künstler gegenseitig zu nochmaligem Aufbäumen motivieren, sieht anders aus; ein festgelegtes Programm wird abgespult. Klar ist das auch produktionstechnisch bedingt. Größere und große Konzerte unterliegen strikten Abläufen, die Zeitfenster sind eng, die Licht-Show vorproduziert. Für Spontaneität bleibt wenig Raum. Das macht kleine Club- und Jugendzentrum-Shows, wo alles weniger eingespielt ist, zur letzten Bastion der ehrlichen, begeisterten, bis zum Gehtnichtmehr verschwitzten Zugabe.

Kunststück

Wobei, es kann auch andersherum funktionieren: Guns N’ Roses haben es 2018 im Berliner Olympiastadion gezeigt. Die Band war gut drauf, den Gesang von Axl Rose empfand ich als in Ordnung (es ist lange her und ich war nicht ganz nüchtern), aber der Sound ausnehmend furchtbar. So sehr, dass sich das auf die Stimmung vor und folglich auf der Bühne übertrug! So waren sich alle Beteiligten einig: Wir hatten jetzt genug, lasst uns das nicht unnötig in die Länge ziehen. Das Kunststück ist, zu wissen, wann und wie man ein gutes Ende setzt.

Euer

Sebastian

Ihr erreicht den Autor unter redaktion@metal-hammer.de.

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Thomas Sonder schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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