Als SPELLBOUND 1981 erschien, befanden sich Tygers Of Pan Tang mitten im Aufwind der britischen Heavy Metal-Explosion. Die New Wave Of British Heavy Metal war in vollem Gange, und ihr Debüt WILDCAT hatte im Vorjahr im Vereinigten Königreich bereits Chart-Platz 18 erobert. Die Tygers standen nun vor einer entscheidenden Weichenstellung. SPELLBOUND, ihr zweites Album, markierte nicht nur einen stilistischen Feinschliff, sondern auch einen tiefen Einschnitt im Line-up. Anlässlich des heutigen 45. Geburtstag des Werks betrachten wir diesen genauer.
Neues Blut, neuer Biss
Mit SPELLBOUND präsentierte die Band erstmals Sänger Jon Deverill, der den ausgestiegenen Jess Cox ersetzte. Deverill, zuvor bei Persian Risk aktiv, brachte eine kontrolliertere, melodischere Stimmfarbe ein, die den Tygers ein professionelleres Profil verlieh. Gleichzeitig stieß John Sykes als zweiter Gitarrist dazu – ein Name, der später bei Thin Lizzy und Whitesnake Karriere machen sollte.
Die Kombination aus Deverills Stimme und Sykes’ energischem, technisch versiertem Spiel verlieh SPELLBOUND eine neue Dynamik, die das Album bis heute auszeichnet.
Ein Album, das Spuren hinterließ
Die Original-LP umfasste zehn Songs, darunter den späteren Szenefavoriten ‘Hellbound’. Das Lied schlug Wellen weit über die NWOBHM hinaus: Die US-Thrasher Heathen und die deutschen Metal-Traditionalisten Roxxcalibur nahmen ihn sich vor – doch das spannendste Tribut kam aus dem Ruhrpott.
Kreator coverten ‘Gangland’, das ebenfalls auf SPELLBOUND zu finden ist. Ihre Version erschien zuerst 1987 auf der BEHIND THE MIRRORS-Single und später auf der EP OUT OF THE DARK… INTO THE LIGHT (1988). Dass eine Thrash-Größe wie Kreator ausgerechnet einen Ausflug in die Tygers Of Pan Tang-Diskografie machte, unterstreicht die unterschätzte Härte und den Einfluss des Albums.
Chart-Erfolg und spätere Neuauflagen
In Großbritannien erreichte SPELLBOUND Platz 33 der Charts. Das ist solide, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau des Vorgängers WILDCAT. Dennoch blieb das Album präsent: 1989 erschien es gemeinsam mit WILDCAT als Doppel-LP, 1997 folgte eine CD-Neuauflage mit fünf Bonustracks. Darunter finden sich unter anderem ein Small Faces-Cover und unveröffentlichtes Studiomaterial, das einen spannenden Blick hinter die Kulissen der Sessions erlaubt.
Der kurze, aber prägende Sykes-Moment
John Sykes blieb den Tygers nur für zwei Alben erhalten. Nach dem Nachfolger CRAZY NIGHTS verließ er die Band, um bei Ozzy Osbourne (erfolgreich!) vorzuspielen – ein Schritt, der seine spätere Karriere maßgeblich beeinflussen sollte. Für Tygers Of Pan Tang bedeutete sein Abgang das Ende einer kurzen, aber kreativen Phase, die SPELLBOUND zu einem besonderen Dokument der Band-Geschichte macht.
Ein unterschätzter Klassiker der NWOBHM
SPELLBOUND mag nicht den Chart-Erfolg von WILDCAT wiederholt haben, doch es ist das Album, auf dem Tygers Of Pan Tang musikalisch erwachsen wurden. Neue Stimmen, neue Gitarren-Power, neue Ambitionen. Zum Jubiläum lohnt sich der Blick zurück: SPELLBOUND ist ein Album, das die DNS der NWOBHM in ihrer Reinform zeigt und gleichzeitig die Weichen für mehrere Musikerkarrieren stellte.
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