Zwischen 1989 und 1996 waren Warrant eine feste Größe des Glam Metal: fünf Alben, über zehn Millionen verkaufte Einheiten weltweit, ‘Cherry Pie’ als Pop-kultureller Dauerbrenner. Doch als Grunge die Szene umpflügte, geriet die Band ins Schleudern. Besetzungswechsel wurden zur Routine, stilistische Experimente zur Notwendigkeit. UNDER THE INFLUENCE, 2001 erschienen, markiert genau diesen Moment: ein sechstes Album, das nicht nach vorne prescht, sondern zurückblickt – und dabei erstaunlich viel über die Band verrät.
Ein Cover‑Album als Selbstvergewisserung
Fast das gesamte Album besteht aus Coversongs, ergänzt durch zwei neue Eigenkompositionen: ‘Face’ und ‘Sub Human’. Doch statt nach Ausverkauf klingt das Projekt nach einer bewussten Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. Warrant spielen sich durch das Fundament ihrer musikalischen DNS: Aerosmiths ‘Toys In The Attic’, Queens ‘Tie Your Mother Down’, Bowies ‘Suffragette City’ und noch viele mehr.
Warrant blieben den Originalen treu, füllten sie aber mit jener überdrehten Selbstsicherheit, die ihren Klang immer ausgemacht hatte. Sänger Jani Lane traf bei Thin Lizzys ‘Hollywood’ den Tonfall mit einer Präzision, die zeigt, wie tief diese Musik in ihm steckte. ‘Hair Of The Dog’ kommt mit dreckiger Talkbox‑Gitarre, und ‘Surrender’ mit sonniger Atmosphäre. Nur Badfingers ‘Come And Get It’ schießt mit Phaser‑Vocals etwas übers Ziel hinaus – aber selbst das passt ins Gesamtbild.
Zwei neue Lieder zwischen Nostalgie und Resthoffnung
‘Face’ wirkt wie ein spätes Echo der klassischen Pop Metal‑Harmonie, die Warrant einst groß gemacht hatte, während ‘Sub Human’ zeigt, dass die Band trotz aller Umbrüche noch eigene Ideen hatte. Doch UNDER THE INFLUENCE definiert sich nicht über seine Originale, sondern eher über die Haltung, mit der Warrant ihre Vergangenheit umarmen.
Chaos im Line‑up und ein neuer Gitarrist am Mikro
Die Jahre vor diesem Album waren turbulent. Gitarrist Rick Steier und Keyboarder Danny Wagner hatten die Band 2000 verlassen, Keri Kelli kam – und ging nach acht Monaten wieder. Sein Ersatz Billy Morris blieb länger und durfte beim AC/DC‑Cover ‘Down Payment Blues’ sogar ans Mikrofon. Mike Fasano übernahm das Schlagzeug, nachdem auch diese Position mehrfach rotiert hatte.
Es war eine Phase, in der Warrant mehr mit Personalwechseln als mit Charts zu tun hatten – und genau das macht dieses Album aus. Es ist das Produkt einer Band, die sich trotz Chaos zusammenraufte.
Die letzte Runde mit Jani Lane
2001 gingen Warrant mit Poison, Quiet Riot und Enuff Z’Nuff auf die Glam Slam Metal-Tournee. Ein nostalgischer Schulterschluss der Überlebenden einer Ära – bis die Tournee wegen einer Rückenverletzung von Poison‑Bassist Bobby Dall drei Wochen früher endete. Für Warrant war es dennoch ein wichtiges Kapitel: Es war die letzte Phase mit Jani Lane als festem Sänger. Lane, geboren als John Kennedy Oswald, verließ die Band später und starb 2011 – ein Verlust, der bis heute nachhallt. Beim nächsten Warrant-Album BORN AGAIN (2006) stand bereits Jaime St. James am Mikrofon.
Warrant geben nicht auf
Trotz aller Turbulenzen hielten Warrant durch. 2017 erschien LOUDER HARDER FASTER, das es auf Platz 19 der Billboard Independent Albums schaffte – ein Beweis dafür, dass man diese Band nicht so leicht abschreiben sollte.
UNDER THE INFLUENCE ist kein Klassiker und kein Comeback. Es ist ein ehrliches, lautes, ungeschöntes Statement einer Band, die sich in einer schwierigen Phase an ihre Wurzeln klammert und zeigt, dass sie immer noch Spaß daran hat, die Verstärker aufzudrehen. Ein Album, das man nicht überhöhen muss – aber eines, das man respektieren sollte, weil es genau das ist, was der Titel verspricht: Warrant unter dem Einfluss ihrer eigenen Geschichte.
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