‘Zeit’-Analyse: Rammstein wiederentdecken die Melancholie

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Rammstein haben jüngst ihr neues Album ZEIT für den 29. April 2022 angekündigt und im selben Zug den Titel-Track als Vorab-Single veröffentlicht. In dem Song und dem zugehörigen Video geben sich die Berliner Metaller für ihre Verhältnisse ungewohnt melancholisch. Wir wagen eine vorsichtige Text- und Bildanalyse…

Till Lindemann und Co. besingen in ihrem neuen Song zweifelsohne die Flüchtigkeit der ‘Zeit’ und die damit einhergehende menschliche Vergänglichkeit. Dies verrät ein Blick in die erste Strophe: „Nach uns wird es vorher geben / Aus der Jugend wird schon Not / Wir sterben weiter, bis wir leben / Sterben lebend in den Tod / Dem Ende treiben wir entgegen / Keine Rast, nur vorwärts streben / Am Ufer winkt Unendlichkeit / Gefangen so im Fluss dеr Zeit“. Im Refrain fleht Till: „Zeit / Bitte bleib steh’n, bleib steh’n / Zeit / Das soll immer so weitergeh’n / Zeit / Es ist so schön, so schön / Ein jeder kennt / Den perfekten Moment“.

Kein Ausweg

Zeit, sich das ‘Zeit’-Musikvideo etwas genauer anzuschauen. Hier fällt auf, dass die Bilder rückwärts laufen. Rammstein drehen das Rad der Zeit zurück — zumindest filmisch. Die zunächst vermeintlich tot im Meer treibenden Musiker flutschen nach und nach zurück ins Ruderboot — bis zur Begegnung mit einer unheimlichen Gestalt im Kapuzenumhang, die zum einen gut der Gevatter Tod sein könnte, aber vermutlich die Zeit selbst darstellen soll. Auch bei den darauffolgenden Kriegsszenen laufen die Bilder rückwärts. Und plötzlich stehen sich keine Soldaten mit Gewehren mehr gegenüber, sondern Jungs mit Stöcken.

Dann leitet die Kapuzengestalt nur zentralen Szene des Videos über, indem sie die zu Babys gewordenen Jungs aus dem Wald ihren Vätern in die Hände reicht, die die Kleinen wiederum zurück in den Mutterbauch schieben. Drumherum fällt der Sand der Zeit nicht herunter, sondern steigt nach oben. In der folgenden Bauern-Szenerie erfährt Bassist Oliver Riedel dann das Schlimmste, was Eltern widerfahren kann: Er verliert seine Tochter an die Zeit beziehungsweise den Tod. Ziemlich unerbittlichen Stoff reichen Rammstein hier an.

Corona sei Dank?

Fragt sich natürlich, wie Rammstein darauf gekommen sind, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen. Ein naheliegender Gedanke ist: Das geht auf die Coronapandemie zurück. Vielleicht hat ein Band-Mitglied eine Person aus seinem Umfeld verloren. Vielleicht sehnte sich die zur Untätigkeit verdammte Band nach Augenblicken der Bühnenekstase und der Geselligkeit zurück. Es können auch einfach Überlegungen sein, die jeder Mensch mit dem Älterwerden anstellt. Oder es kommt einfach auch alles zusammen.

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Zu guter Letzt wollen wir euch zwei Remixe von ‘Zeit’ nicht vorenthalten (siehe unten). Da wäre zum einen die ohne Gesang auskommende Streicher-Version von Ólafur Arnalds, die gut und gerne auch als Film-Score funktionieren würde. Die abgespeckt-feinfühlige Version von Robert Koch kommt dagegen in Form einer modernen Balladenproduktion daher.

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