Accept: Lange Tradition

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HUMANOID ist ein weiteres typisches Accept-Album mit den üblichen Band-definierenden Elementen wie breitbeinigem Gesamtklang, dominantem Gitarreneinsatz, düsteren Männerchören und Mark Tornillos charakteris­tisch hohen Schreien. Das Einsingen der neuen Stücke stellte den Vokalisten vor keine größeren Herausforderungen: „Andy erlaubt mir keine Probleme, er fordert nur immer noch einen Durchgang“, lacht der 69-Jährige, der seine Stimme nicht speziell trainiert. „Ich versuche, nichts Dummes zu tun und sie vor Auftritten 30-45 Minuten lang aufzuwärmen. Ebenso wichtig ist es, nicht auf verrauchte Partys zu gehen und zu viel zu reden, sonst geht die Stimme schnell flöten. Ich versuche, so klug wie möglich damit umzugehen.“

Tradition und Steckenpferde

In instrumentaler Hinsicht birgt HUMANOID weniger Saitenduelle als sein Vorgänger und wirkt im Gros etwas nachdenklicher. Von einem Ausbruch aus dem bekannten Schema kann aber keine Rede sein. Die einzige Ausnahme stellt der Bonustrack dar – das neu arrangierte Curtis Mayfield-Cover ‘Hard Times’, das für Hoffmann allerdings keine tiefere Bedeutung trägt. Maschinenartige Repetition? „Wir versuchen, mit jedem Album besser zu werden, ohne anders zu werden“, entgegnet der Protagonist.

„Etwas Neues zu probieren oder mal die Stilrichtung zu ändern, wäre verlockend, aber dann sage ich mir: Nein – das ist nicht das, was Accept ausmacht, was die Fans hören wollen und wofür wir stehen! Wir haben eine lange Tradition mit vielen Alben. Es ergibt viel mehr Sinn, zu versuchen, dabei zu bleiben, aber immer besser darin zu werden.“ Wie ein Werk am Ende ausfällt und sich in der eigenen Diskografie platziert, weiß der Komponist selbst erst viel später – er denkt eher in Songs als ganzen Alben. Zum Gesprächszeitpunkt sei er noch zu nah am Produktionsprozess dran, um HUMANOID einordnen zu können. Für ihn zählt der Versuch, „aus den Stilmitteln, die man hat, mit den Leuten, die man hat, das Beste zu machen.

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Inspiration aus der Klassik

Dadurch wird es nicht unbedingt leichter: Man muss immer wieder etwas finden, das einen begeistert. Diesen Anspruch hegen wir selbst: Ich merke, ob mich etwas anspricht oder nicht und versuche, mir nicht in die eigene Tasche zu lügen. Verheerend ist, anzunehmen, dass es schon reichen wird. Das versuche ich zu vermeiden: Ich sträube mich vehement dagegen, etwas zu veröffentlichen, von dem ich selbst denke, es könne noch besser werden. Ich arbeite so lange an Songs, bis ich weiß: Es fühlt sich gut und rund und richtig an. Wer das erhobenen Hauptes behaupten kann, kann mit jeder öffentlichen Meinung leben.“

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Alte Bekannte klanglicher Natur sind im Auftakt ‘Diving Into Sin’ die orientalisch anmutenden Melodien. Eine tiefere Bedeutung haben sie dem Komponisten zufolge nicht – stattdessen gibt er an, derartige Klänge einfach gut, faszinierend und inspirierend zu finden. Dasselbe gilt für die Einflechtung von klassischer Musik, womit Accept seit METAL HEART (1985) spielen. Diesmal beschränkt sich der Grenzgang jedoch auf das im selben Stück angedeutete ‘Requiem’ von Wolfgang Amadeus Mozart.

„Ich habe zwei Herzen in meiner Brust.“

Vom inflationären Gebrauch des Stilmittels sieht der erklärte Klassik-Fan ab: „Auf den Alben sollte man Accept Accept sein lassen und es nicht übertreiben. Ich habe zwei Herzen in meiner Brust, und das Klassik-Zeug ist mir sehr nahe, bin mir aber auch bewusst, dass das mein Steckenpferd ist und nicht zu sehr einfließen sollte. Jeder Song kriegt, was er braucht – man sollte nichts reinprügeln, was nicht hineingehört.“

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