Das Metal-Jahr 1987 (2)

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Die komplette Liste mit den Reviews der 66,6 wichtigsten Alben aus 1987 findet ihr in der METAL HAMMER-Dezemberausgabe 2022, erhältlich am Kiosk oder indem ihr das Heft bequem nach Hause bestellt. Noch einfacher und günstiger geht’s im Abo!

Vor 35 Jahren steht nicht nur die gesamte, sondern auch die noch vergleichsweise junge Metal-Welt vor einem folgenreichen Wandel. Während dank der von Michail Gorbatschow initiierten Perestroika-Phase auf politischer Ebene erstmals seit Dekaden positive Schlagzeilen zu lesen sind, findet sich Metal am Scheideweg zwischen immer größer werdender Subkulturszene und lukrativer Domestizierung sowie Kommerzialisierung. Eine Entwicklung, an welcher der Musik-TV-Sender MTV sowie Bon Jovis Megaseller SLIPPERY WHEN WET (1986) nicht ganz unschuldig sind …

Napalm Death SCUM

Wer glaubt, mit Slayers REIGN IN BLOOD (1986) sei der Geschwindigkeitswettkampf im Extreme Metal vorerst entschieden, der irrt gewaltig: Mit SCUM drücken Napalm Death noch einmal gehörig auf die Tube. Von Radiolegende John Peel salonfähig gemacht, lassen die Briten auf ihrem Debüt hartgesottene Punk-Rowdies wie G.B.H., Discharge oder Social Distortion wie Weich­eier aussehen. Band-interne Querelen sorgen unterdessen nicht nur dafür, dass die Aufnahmen für mehr als ein Jahr pausieren, sondern auch für eine Fast-Rundumneubesetzung sowie stilistische Zweigliederung. Unterteilt in eine von Hardcore Punk geprägte A-Seite und eine metallischer orientierte B-Seite holzen Napalm Death mit 28 Songs alles kurz und klein.

Einzig Schlagzeuger Mick Harris – der mit dem Anspruch, der schnellste Drummer der Welt zu werden, die Platte einprügelt – ist während der gesamten Spielzeit zu hören. ‘Scum’, ‘Instinct Of Survival’ und ‘Life?’ erheben das Album zu einem brachialen Lärmmanifest; ‘You Suffer’ hält mit einer Sekunde bis heute den Rekord für den kürzesten Song. Napalm Death heben mit SCUM den Grindcore nicht nur als eigenständige Spielart aus der Taufe, es ist auch die endgültige Genre-Definition. (TL)

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Rage EXECUTION GUARANTEED

Offiziell handelt es sich um Rages zweite Platte – zählt man PRAYERS OF STEEL der Vorgänger Avenger mit, sprechen wir vom Drittwerk. Peavy Wagners charakteristisch hoher Gesang (und Videospielgeräusche) akzentuieren den versierten Heavy-/Power-/Speed Metal. Obwohl sie auf dem Album nicht mitspielen, sind im ‘Down By Law’-Video bereits Manni Schmidt und Chris Efthimiadis zu sehen, die 1988 mit PERFECT MAN die Glanzphase der Band einläuten. (KR)

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Sacred Reich IGNORANCE

Im Herbst 1987 tauchen Sacred Reich mit ihrem Debüt aus dem Nichts auf und können im Handumdrehen ganze Heerscharen begeistern. Überall werden plötzlich Shirts und Aufnäher der Band gesichtet. ‘Death Squad’ oder ‘Ignorance’ deuten an, wozu Mister Rind und seine Mannen noch fähig sein werden. Bisweilen stumpfer, politischer, großartiger Thrash Metal, der bis heute die Massen vor die Festival-Bühnen lockt. (MH)

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Testament THE LEGACY

Über die Ungerechtigkeit, gewisse Bands zu „Großen“ zu erklären und andere außen vor zu lassen, lässt sich streiten. Wie viele ihrer berühmteren Kollegen stammen die von Gitarrist Eric Peterson formierten Testament aus der Bay Area und beginnen Anfang bis Mitte der Achtziger ihre Karriere – zunächst noch unter dem Namen The Legacy und mit Steve Souza (heute Exodus) als Sänger. Aus rechtlichen Gründen muss ein neuer Name her, und THE LEGACY wird kurzerhand zum Titel des Debüts erklärt, in welchem drei Songs des Demos von 1985 – jetzt mit Chuck Billy am Mikro – neu aufgehen (‘Burnt Offerings’, ‘Raging Waters’, ‘Alone In The Dark’). Qualitativ lässt sich Testaments wuchtiger, dabei aber melodie- wie Riff-verliebter und nicht selten an Metallica erinnernder Thrash bereits als Ausrufezeichen werten.

Dies ermöglicht ihnen nicht nur, ein Video zu drehen und somit die Aufmerksamkeit des MTV-Publikums zu erhaschen, sondern auch eine Amerika- sowie Europatournee mit ihren Genre-Kollegen Anthrax. Die Tatsache, dass diese heute neben Metallica, Slayer und Megadeth zu den „Big Four“ zählen, dürften Testament angesichts ihrer eigenen, bis heute erfolgreichen und wohlrespektierten Karriere verschmerzen können. (KR)

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Voivod KILLING TECHNOLOGY

Auf KILLING TECHNOLOGY vereinen sich die Talente Voïvods zur Meisterleistung: Inspiriert von Klassik und Progressive Rock machen die Kanadier eine 180°-Wende in puncto musikalische Finesse. Textlich reagiert das Songwriter-Duo D’Amour/Thériault auf durch technisches Versagen und menschliche Fehlleistungen hervorgerufene Unfälle wie das Challenger-Unglück oder die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. (TL)

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Die Metal-Alben der Woche vom 20.01. mit Katatonia, Atrocity, Imperium Dekadenz u.a.

Atrocity Die symphonische Einleitung in ‘Desecration Of God’ markiert die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm, anschließend hämmert OKKULT III nahezu pausenlos auf die Zwölf. Und zwar mit reichlich (Neo-)Thrash-Schub, der – neben vergleichsweise reduzierter Synthetik und Krulls waffenscheinpflichtiger Produktion – maßgeblich dazu beiträgt, dass... (Hier weiterlesen) Imperium Dekadenz Die kurzen, instrumentalen Zwischen­spiele der Vorgängerplatten fehlen zwar auf dem neuen Album, dafür jedoch bewegen sich die Songs wie gewohnt zumeist zwischen sechs und acht Minuten Spielzeit. Musikalisch steht natürlich erneut der atmo­sphärische Black Metal mit einer großen Prise Melancholie im Mittel­punkt des Geschehens. (Hier weiterlesen) Streitfall: Katatonia Wie gut oder schlecht…
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