Ghost: Im Zenit der Macht

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Das komplette Interview mit Tobias Forge von Ghost findet ihr in der METAL HAMMER-Aprilausgabe 2022, erhältlich am Kiosk oder indem ihr das Heft bequem nach Hause bestellt. Noch einfacher und günstiger geht’s im Abo!

Würde man von GHOSTs atemberaubendem neuen Opus IMPERA nicht dermaßen viele Ohrwürmer davontragen, böte sich die Eröffnungsmelodie der Fernsehserie ‘Game Of Thrones’ als passender Soundtrack zum Thema an.

Forges feines Gespür dafür, wann die Unterstützung anderer für die Umsetzung seiner Vision notwendig ist, bedingt den immensen Erfolg des Phänomens Ghost mit. Auch an anderer Stelle bewies der Band-Gründer zuletzt intuitive Fähigkeiten: So konzipierte er Teile von PREQUELLE (2018) als eine Art zeitgenössischen Kommentar, in dem Mittelalter und Pest als Metaphern für Tendenzen der heutigen Gesellschaft (wie etwa die Hexenjagd im Internet) verwendet wurden. Nachdem auf dieses düstere, aber treffende Bild nichts weniger als eine reale Infektionskrankheit folgte und die angesprochene Problematik auf die Spitze trieb, hofft der Schwede nun, mit IMPERA weniger prophetisch ins Schwarze zu treffen – drehen sich Teile des neuen Werks doch um das Erstehen und Verschwinden von Imperien und sind damit ebenfalls nicht weit vom von Unsicherheit geprägten Zeitgeist entfernt.

Der Impuls dafür geht kurioserweise auf genau die Stadt zurück, in der sich Forge beim Gespräch aufhält: Seattle. Dort entdeckte der historisch interessierte Künstler 2014 in einem Buchladen ‘The Rule Of Empires: Those Who Built Them, Those Who Endured Them, And Why They Always Fall’ von Universitätsprofessor Timothy H. Parsons und fühlte sich noch vor dem Lesen dazu inspiriert, eines Tages ein Album über das Auf und Ab der Mächte zu schreiben. „Es ist interessant anhand der Geschichte zu beobachten, wie Reiche erbaut wurden und aufgrund der menschlichen Natur stets auseinanderfielen.

„Das Rad dreht sich rückwärts“

In der westlichen Welt frönen wir der Vorstellung, dass es in alten Zeiten barbarisch, unkultiviert und wenig aufgeklärt zuging, während wir uns heute am Gipfel der Zivilisation wähnen und stetig weiterentwickeln“, sinniert Forge über den (symbolisch) in der Viktorianischen Gotik angesiedelten Komplex. „Doch in den letzten fünf Jahren bewegen wir uns in Amerika wie auch Europa zurück. Wir werden etwas religiöser, etwas konservativer, das Rad dreht sich rückwärts. Im heutigen modernen Leben nehmen wir an, dass frühere Reiche aufgrund von Versagen fielen, sich unseres aber bewähren wird. Es wäre schön, wenn das stimmte, doch historisch und statistisch betrachtet wird es nicht so sein.“

Noch interessanter wird die Thematik, wenn man den Schweden etwas persönlicher dazu befragt. Schließlich hat er mit Ghost eine Art eigenes Imperium erschaffen und muss sich um dessen Erhalt kümmern. Forge hält es dahingehend für wichtig, die Fluidität und den wechselhaften Charakter aller Dinge anzuerkennen und danach zu leben. „Als Kontrollfreak war das über die Jahre wohl am schwersten zu verstehen. Wie viele andere Kontrollfreaks war auch ich eher ein Opfer meiner Einstellung“, meint er, und erinnert sich an die Jahre des Misserfolgs vor Ghost. „In solch einer Situation hat man alle Zeit der Welt, um einen wasserdichten Plan zu schmieden, von dem man nie abweichen will. Doch wenn die Realität dazwischenkommt, fällt es schwer, sich anzupassen, da man sein goldenes Schloss auf dem Hügel errichtet hat und alles Abweichende als Versagen begreift.

„Alles ist im Fluss“

Doch man kann nicht einfach alles aufgeben, nur weil sich Dinge nicht wie geplant entwickeln. Mit Ghost haben sich gewissermaßen all meine Träume erfüllt – ich hatte nichts und bekam fast alles!“ Die Herausforderung sei nun, all das wertzuschätzen, um daran festzuhalten. „Ich will mit Ghost noch so viel erreichen, obgleich nichts davon, was man heute sieht, so geplant war – es sind Abwandlungen meines Originalplans. Alles ist im Fluss. Fans, die uns mögen, könnten sich schon morgen von uns abwenden; nichts bleibt für immer. Deshalb muss ich so flexibel wie möglich sein und das Beste versuchen. Während sich andere am Moment erfreuen, frage ich mich bereits, wie das Glück erhalten werden kann. Wie eine Beziehung, die ständig gepflegt werden muss.“

Exemplarisch für dieses Gefühl steht das vielfältig instrumentierte, zwischen Ekstase und Kriegsvorahnungen pendelnde ‘Twenties’. Es legt deutliche Parallelen zwischen den „Goldenen Zwanzigern“ vor einem Jahrhundert und dem Hier und Jetzt nahe. „Absolut! Viele Dinge, die jetzt geschehen, ähneln denen vor hundert Jahren. Die spanische Grippe, die Anzeichen für Krieg… Und der vormalige US-Präsident drehte mit seinem Denken die Uhr zurück in die Dreißiger. Beängstigende Zeiten…“, meint Forge, schränkt jedoch ein. „Ich zeichne aus Pop-kulturellen Gründen zur Unterhaltung ein dystopisches Bild. Doch ich denke positiv und glaube daran, dass der Überlebenswille der Menschheit stärker ist, als es gerade aussieht; als dieser Drang zur Selbstzerstörung.“

Mehr über die Wandlung vom PREQUELLE-Protagonisten Cardinal Copia zum neuen Anführer Papa Emeritus IV sowie die enotrme Bandbreite von Einflüssen, Instrumenten und Akzenten lest ihr im kompletten Interview in der METAL HAMMER-Aprilausgabe.

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