Iron Maiden vs Judas Priest: Cover-Kampf der Titanen

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Mit neuem Sänger und ihrem dritten Langspieler THE NUMBER OF THE BEAST traten Iron Maiden erneut gegen Judas Priest an – mit deren achter Albumveröffentlichung SCREAMING FOR VENGEANCE. Dies ist die Geschichte jener beiden Meilensteine, die vor genau 40 Jahren zusammen den weltweiten Triumphzug des Heavy Metal ein gehöriges Stück weiter vorangetrieben haben.

Mit dem am 22. März veröffentlichten THE NUMBER OF THE BEAST und dem am 17. Juli erschienenen SCREAMING FOR VENGEANCE schicken die jungen und die altgedienten Hoffnungsträger des Heavy Metal im Abstand von weniger als vier Monaten zwei Alben in den Ring, deren Cover allein zu ikonischen Inbegriffen des Achtziger-Metal werden sollen. Ist das erneut von Iron Maiden-Stammzeichner Derek Riggs entworfene Airbrush-Artwork zu THE NUMBER OF THE BEAST ursprünglich für die am 15. Juni 1981 erschienene KILLERS-Single-Veröffentlichung ‘Purgatory’ intendiert, ist Riggs’ Entwurf vom Riesen-Eddie, der den Teufel wie eine Marionette führt (wobei jener wiederum eine kleinere Eddie-Version an seinen Spielfäden zappeln lässt), für solch einen Single-Schuss viel zu gut und wird auf Anraten von Manager Rod Smallwood für einen späteren Einsatz zurück ins Regal gestellt.

Optische Leckerbissen

Inspiriert vom Titelentwurf eines Doctor Strange-Marvel-Comics, auf dem besagter Protagonist in ähnlich fremdgesteuerter Pose verharrt (die exakte Identifizierung der konkreten Heftvorlage gestaltet sich insofern schwierig, da nahezu jeder zweite ‘Strange Tales’-Titel seit Etablierung des Doctors im Jahr 1963 ein ähnlich geartetes Motiv bemüht), verpasst Riggs seinem knallroten Höllenfürsten in augenzwinkernder Anlehnung an Salvador Dalí sogar noch einen langen, geschwungenen Schnurrbart. Dummerweise ergibt sich beim späteren Druck des Motivs ein Farbfehler, sodass der im Original in tiefschwarz und grau gehaltene Hintergrundhimmel nun in Blautönen erstrahlt. Erst deutlich später erschienene Neuauflagen des Albums in CD- und Vinylform rücken dies wieder ins richtige Licht.

Aber auch in seiner grafisch dezent vergeigten Fassung macht das letztendliche Artwork von THE NUMBER OF THE BEAST einiges her – und amerikanischen Religionsfanatikern, die das clevere Prinzip der Macht- und Kontrollfragen in den Raum stellenden Marionettenbildkomposition nicht erkennen, eine Höllenangst. Furchteinflößend und quietschbunt gestaltet sich auch die visuelle Manifestation von SCREAMING FOR VENGEANCE. Hatte seit SIN AFTER SIN (1977) der polnische Künstler und Fotograf Rosław Szaybo für die Cover-Gestaltung bei Judas Priest verantwortlich gezeichnet und neben der Kreation des heute als klassisch geltenden, mit STAINED CLASS (1978) eingeführten Band-Logo-Designs der Metal-Welt solch optische Leckerbissen wie die zerborstenen Brillengläser von KILLING MACHINE/HELL BENT FOR LEATHER (1978) oder die berühmte BRITISH STEEL-Rasierklinge beschert, würden sich Judas Priests archetypische Albumaushängeschilder in den Achtzigern anders gestalten.

Kampfbereite Krallen

Unzufrieden mit Szaybos Designs für POINT OF ENTRY (das UK-Cover zeigt einen eher abstrakten, an den Blick aus einem Flugzeugfenster bei Dämmerung erinnernden Farbverlauf, während die US-Variante von Designer John Berg als Vexierbild interpretierbar ist, das wahlweise eine in die Berge führende Straße im Niemandsland darstellt oder – aus der Entfernung betrachtet – den Blick auf ein leicht gespreiztes paar Beine unter einem Rock eröffnet), springt das, was der Kanadier Doug Johnson für das Nachfolgealbum ersonnen hat, deutlich stärker ins Auge.

Die geometrische Formationsverliebtheit des Art déco in Kombination mit der knallbunten Farbkraft der Pop Art entladen sich für SCREAMING FOR VENGEANCE in einem schwer bewaffneten, roboterhaften, stromlinienförmig heranrauschenden Kampfvogel, heute als der Hellion bekannt. „Die Musik visuell einzufangen, ist immer eine spaßige Herausforderung“, gesteht Oberpriester Rob Halford. „Doug hatte den perfekten Stil drauf, den wir für SCREAMING FOR VENGEANCE suchten. Dieser schreiende Adler mit seinen kampfbereiten Krallen, der scheinbar keine Gefangenen zu machen scheint, trägt für mich alle Tugenden des Metal in sich. Das empfinde ich bei seinem Anblick noch heute.“ Entsprechend verwundert es auch nicht weiter, dass besagtes Artwork und Album eine Science-Fiction-Graphic Novel in Kooperation mit dem Verlag Z2 Comics inspiriert haben, die zum Plattenjubiläum im Juli 2022 erscheinen und eine epische Geschichte vom Sieg des Guten über das Böse erzählen wird.

Knalliges Design

Doch das nur als Randnotiz. Zu Doug Johnsons knalligem Design gesellt sich in der rechten oberen Ecke der LP-Hülle ein noch fehlendes Puzzlestück: Das von John Berg für die erwähnte US-Version von POINT OF ENTRY entworfene, einer zackigen 3D-Bearbeitung unterworfene, modifizierte Judas Priest-Logo symbolisiert neben dem Höllenvogel den neuen scharfkantigen Futurismus perfekt. Zudem sind Schriftzug und Bildnis nun auf Augenhöhe mit der aufkommenden Videospiel-Arkadenästhetik der Achtziger.

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