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Metallica: 30 Jahre LOAD

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Als LOAD 1996 in den Regalen landete, war das keine gewöhnliche Veröffentlichung. Es war ein Schlag in die Magengrube all jener, die Metallica am liebsten für immer in der Thrash‑Vitrine konserviert hätten. Die Band hatte sich längst aus dem Korsett der Achtziger befreit, und LOAD war der Moment, an dem sie das alte Selbstbewusstsein abstreiften wie eine abgestorbene Haut. Kein Thrash‑Revival, kein Rückgriff auf alte Rezepte – stattdessen ein Album, das bewusst aneckte, mit seiner Hard Rock-Orientierung provozierte und sich nicht darum scherte, ob jemand beleidigt den Raum verließ.

Intensive Schreib-Session nach Pause

Die Entstehung des Albums begann 1994, als die Band-Mitglieder nach Jahren intensiver Tourneen erstmals Abstand voneinander nahmen. Hetfield jagte, Hammett studierte Jazz und Film, Newsted baute ein eigenes Studio, Ulrich stritt sich mit Elektra Records. Als sie sich wieder trafen, waren sie gereifter – und offener für neue Einflüsse. In Sausalito und New York entstanden fast 30 Songs – genug für ein Doppelalbum, das schließlich in LOAD und RELOAD (1997) aufgeteilt wurde.

Neues Album, Metallica neu erfunden

Musikalisch entfernte sich die Band deutlich vom Thrash Metal. Stattdessen dominierten Hard Rock‑Grooves, Southern Rock‑Anleihen, Blues‑Riffs, Alternative Rock‑Stimmungen und sogar Country‑Elemente. Kirk Hammett spielte erstmals Rhythmusgitarre, Hetfield experimentierte mit Talkbox und Pedal Steel, Newsted setzte Fretless‑Bass ein. Die Songs wurden einen Halbton tiefer gestimmt, was dem Gesamtklang eine wärmere, schwerere Note verlieh. Die Band ließ sich hörbar treiben, jammte, probierte aus und fand Gefallen an einem Klang, der weniger metallisch, aber nicht weniger intensiv war.

Auch textlich schlug LOAD neue Wege ein. Hetfield schrieb offener denn je über innere Konflikte, Therapie, familiäre Verluste und Selbstzweifel. Songs wie ‘Bleeding Me’, ‘Until It Sleeps’ oder ‘Mama Said’ sind intime Einblicke in seine Psyche – weit entfernt von den apokalyptischen Bildern früherer Alben. Diese neue Verletzlichkeit verlieh dem Album eine emotionale Tiefe, die viele Fans überraschte.

Kontroverses Cover für kontroverses Werk

Das Cover sorgte für zusätzlichen Gesprächsstoff: Andres Serranos ‘Semen And Blood III’, eine Mischung aus Blut und Sperma zwischen Plexiglas, spaltete Band und Fans gleichermaßen. Die vier Mitglieder reagierten völlig unterschiedlich darauf. Lars Ulrich war begeistert und sah es als ein starkes, provokantes Kunstwerk, das perfekt zur neuen Phase der Band passte. Kirk Hammett mochte das Bild ebenfalls und fand es ästhetisch interessant – für ihn zählte die Form, nicht der Inhalt. Jason Newsted hingegen lehnte das Cover entschieden ab, weigerte sich sogar, in Interviews darüber zu sprechen, weil er fand, dass es die Fans unnötig vor den Kopf stoßen würde. James Hetfield stand irgendwo dazwischen: Er war weder Fan noch Gegner des Bildes, aber sorgte sich, dass Händler das Album wegen des Materials boykottieren könnten. Gleichzeitig präsentierten sich Metallica auch als Personen äußerlich völlig neu: kurze Haare, Lederjacken, Make‑up. Für viele war das ein Schock, für die Band ein notwendiger Schritt.

Erfolge und Tournee

Trotz aller Kontroversen wurde LOAD ein massiver kommerzieller Erfolg. Das Album erreichte in über 15 Ländern Platz eins der Charts, blieb vier Wochen an der Spitze in den USA und wurde dort später fünffach mit Platin ausgezeichnet. Die anschließende „Poor Touring Me“‑Tournee führte die Band durch 19 Länder und über 120 Shows. Metallica präsentierten sich spielfreudig, experimentierfreudig und selbstbewusst – auch wenn die Fan-Basis weiterhin gespalten blieb. Rückblickend äußerten die Band-Mitglieder unterschiedliche Meinungen über diese Phase, doch einig sind sie sich darin, dass LOAD ein notwendiger Schritt war, um sich weiterzuentwickeln.

Am Ende bleibt ein Album, das man nicht einfach abnickt. LOAD ist widersprüchlich, überladen, mutig, manchmal genial, manchmal irritierend – aber niemals egal. Es präsentiert eine Band, die lieber aneckt als erstarrt. Und genau deshalb lohnt es sich, dieses Kapitel immer wieder neu aufzuschlagen.


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Nuria Hochkirchen schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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