Kritik zu 3 From Hell

3 From Hell

Horror, Studiocanal (Blu-ray, ca. 115 Min. / VÖ: 21.11.2019)

4.5/ 7
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Rob Zombie? Das ist doch der zottelige Musiker, der irgendwas in der Schnittmenge aus Industrial Metal, Hard Rock und Alice Cooper macht. Nicht nur. Rob Zombie hat 2003 auch sein Debüt als Filmregisseur gegeben und mit ‘Haus der 1000 Leichen’ einen Genrefilm für Hartgesottene geschaffen. Sieht man von seinem kommerziell ausgerichteten ‘Halloween’-Remake (2007) ab, erschafft der Amerikaner überwiegend cineastische Spiegelbilder seiner Musikvideos: schrill-diabolisch und 70er-bunt. In Spielfilmlänge sind die Ergebnisse für Horrorfilm-Fans in der Regel auch angenehm grenznah. So war ‘Haus der 1000 Leichen’ ein stilistisch experimenteller, irgendwie Comic-hafter, aber vor allem bitterböser Trip in die dunkelsten Fantasiekatakomben von Zombie. Der zwei Jahre später gedrehte Nachfolger ‘The Devil’s Rejects’ ging optisch einen neuen Weg, und nun, 14 Jahre später, schaffen es Zombies Ausgeburten der Hölle erneut auf die Leinwand.

Rückkehr mit Abstrichen

Vorm Abspann von ‘Haus der 1000 Leichen’ ploppt ganz direkt ein Fragezeichen hinter dem „Ende“ auf. Nach dem Finale vom Sequel ‘The Devil’s Rejects’ erschien ein Wiedersehen mit der Familie Firefly hingegen sehr unwahrscheinlich. Doch auch ohne Fragezeichen hat insbesondere die Fan-Gemeinde wild spekuliert. Und siehe da, mit ‘3 From Hell’ lässt Rob Zombie seine Hauptfiguren Otis B. Driftwood (Bill Moseley), Captain Spaulding (Sid Haig) und Baby (Sheri Moon Zombie) zurückkehren; zumindest fast. Sid Haig, der am 21. September im Alter von 80 Jahren verstorben ist, hat im dritten Teil nur eine kurze Szene. Nach dem Tod des Schauspielers hat Rob Zombie verlauten lassen, dass es Haig auch am Drehtag nicht besonders gut ging, er aber alles gegeben habe.

2 + 1 ≠ 3

Abgesehen von der grundlegenden Tragik leidet auch ‘3 From Hell’ unter der Abwesenheit von Captain Spaulding, der zur einer echten Kultfigur im Horrorgenre avanciert ist. Um der „3“ im Titel gerecht zu werden, wurde der (un)sympathische Clown im Hauptplot durch Winslow Foxworth Coltrane (Richard Brake) ersetzt, der den Halbbruder von Otis spielt. Prinzipiell erreicht auch der „Midnight Wolfman“ locker den roten Bereich auf dem Psychopathen-Thermometer, doch in der Summe bleibt zu viel Charme der Reihe auf der Strecke. Ohne Spaulding sind es eben nur „2 from Hell plus 1“.

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Mit angezogener Handbremse

‘3 From Hell’ ist am ehesten mit ‘The Devil’s Rejects’ vergleichbar. Zwar gibt es kurze ‘Haus der 1000 Leichen’-Momente – beispielsweise, wenn Baby ihre Knast-Halluzination hat –, doch der Erstling steht nach wie vor für sich. Das gilt allgemein für den Typ Film von Rob Zombie, der glücklicherweise keine Kompromisse mehr eingeht. Daher langt auch ‘3 From Hell’ mit weit ausgefahrenen Krallen zu. Mächtig Spaß macht immer wieder der durch Sheri Moon Zombie perfekt verkörperte Wahnsinn, für den einen oder anderen fiesen Lacher oder Magenumdreher sorgt ‘3 From Hell’ zudem allemal, als Gesamtwerk erscheint der Streifen aber wie ein zu gewollter Abschluss (?). Zum einen kommt der Film nur schwer in die Gänge, zum anderen fehlt es an besonderen Ideen, von denen ‘Haus der 1000 Leichen’ mindestens tausend und die Fortsetzung so einige hatten. Davon abgesehen erinnert das Finale in Mexiko allzu sehr an die Bordellszene in ‘The Devil’s Rejects’: Party, Drogen, Alkohol, Sex, Verrat, Gemetzel – sicherlich eine erfolgsversprechende Formel, die hier aber zu sehr wie ein Abklatsch wirkt.

Fazit

Unterm Strich ist auch ‘3 From Hell’ etwas für Hartgesottene, allerdings in einer erweiterten Kategorie: lediglich für hartgesottene Fans der Filme von Rob Zombie im Allgemeinen und der Familie Firefly im Speziellen.


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