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Amorphis Silent Waters

Dark Metal, Nuclear Blast/Warner 10 Songs / 46:50 Min. / 31.08.2007

6/ 7
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Foto: Nuclear Blast/Warner

Das klingt jetzt noch Stagnation, doch versteht mich nicht falsch: ECLIPSE markierte die Rückbesinnung auf all das, was Amorphis vor mehr als zehn Jahren zu einer der großen, weil schonungslos originellen Bands der sich stilistisch auffächernden Death Metal-Welle machte.

Und auf dem Papier ist all das, was es letztes Jahr zu loben galt, auch auf SILENT WATERS vorhanden: Die Texte, verwurzelt im finnischen Nationalepos Kalevala, die lodernden, vage folkloristisches Flair verbreitenden Riffs, das Wechselspiel aus klarem Gesang und heiseren Growls, das mittlerweile im Gegensatz zu den TALES FROM THE THOUSAND LAKES-Zeiten vor mehr als einer Dekade aus einem Mund stammt.

Tomi Joutsen heißt der Mann, seit 2004 ist er dabei und, so der Rest der Band ziemlich unisono, derjenige, der die grübelnden Stimmen in ihren Köpfen zum Verstummen und den ungebremsten Enthusiasmus der frühen Tage zurück brachte. Was mit „ungebremstem Enthusiasmus“ gemeint ist, hört man schon in den ersten Noten dieses Albums: ‘Weaving The Incantation’ packt einen mit einem dichten Netz aus flirrenden Riffs und einem unwiderstehlichen Drive, atemlos stolpert man in ein aurales und ach so vertrautes Bild der finnischen Mythenlandschaft…

Ist es also ECLIPSE PART 2? Die titelgebenden stillen Wasser liegen in ihren tausend Seen und gründeln tief – und sobald sie (an dritter Stelle des Albums liegend) Gehör finden, ist der Hauch des Vertrauten wie weggeweht. Der Song wurde nicht umsonst in Finnland als Single ausgekoppelt, Marketing-Strategen bei Plattenfirmen riechen bei so was kommerzielles Potenzial, Metal-Fans seichte Schonkost.

Die Wahrheit, die man hier so anschaulich wie kaum anderswo auf SILENT WATERS findet, die sich aber durch fast alle Songs hindurchzieht, liegt in der Mitte: Amorphis wollten erklärtermaßen die expressive Vielfalt, die ihnen durch Tomi gegeben wurde, fördern. Dafür musste ein Teil der ungestümen, verzerrten, von mir aus metallischen Härte weichen, um Platz für feiner Tongespinste zu schaffen.

‘Silent Waters’ und ‘Her Enigma’ setzen das naheliegend, in Form von balladesken, eher rockenden als berstenden Songs um, und ja, man kann darüber streiten, ob das so gelungen ist. Aber immer dann, wenn Amorphis dem Drang des Offensichtlichen stärker widerstehen, wenn sie schroffe Härte zu-, aber nicht Überhand erlangen lassen, wird es großartig. Dann beginnen die Songs zu sprechen, nicht nur mit Tomis vielen Zungen, sondern auch mit Esa Holopainens beeindruckendem Gitarrensprachschatz, in dem die melodiöse Anschaulichkeit der Folklore ebenso ihren Platz hat wie progressive Dialekte mit ihrem exotischen Flair. Dann bekommt diese Platte eine cineastische Qualität, die ECLIPSE bei all der damaligen, wohltuende Geradlinigkeit nie erreichen konnte – dann also wird es, dem inhaltlichen Thema gerecht, sagenhaft. ‘Weaving The Incantation’, ‘I Of Crimson Blood’, ‘Shaman’ und ‘The White Swan’ sind Juwelen, denen einmaliges Hören bei aller Eingängigkeit nicht gerecht wird. Und das ist genau, was SILENT WATERS den Makel der Stagnation abstreifen lässt.

Kommentare der Redaktion

Im Falle von Amorphis gibt es keine bahnbrechenden Neuerungen zu vermelden. SILENT WATERS präsentiert uns gut gemachten, finnischen Düster-Rock. Keine große Leistung, mit solcher Konsens-Mucke an kongenialen Scheiben wie denen von The Vision Bleak, As I Lay Dying, Emigrate oder Throwdown vorbei zu ziehen und den Soundcheck zu gewinnen. Unaufregend, gewöhnlich, mittelmäßig. Fast langweilig.
Thorsten Zahn (4 Punkte)

Sie kamen, sangen und siegten. Überrascht ist über den Sieg der finnischen Traditionsmeister wohl niemand – böse Zungen sprechen da gerne von Konsensmusik. Man kann SILENT WATERS aber auch einfach ein tolles Album nennen, das nach elf Jahren endlich wieder den Esprit ihres Klassikers ELEGY versprüht. Eine ordentliche Grundhärte auf der einen Seite und wunderschöne Folk-Momente auf der anderen – die mich persönlich auch viel mehr reizen und in ihrer Klarheit dann doch überrascht haben. Tobias Gerber (6 Punkte)

Sie haben es mit ECLIPSE schon angedeutet, dass es wieder aufwärts geht. Ich hätte allerdings niemals zu hoffen gewagt, dass Amorphis ihre Top-Platte ELEGY an zweite Stelle schieben können. Und doch ist es geschehen. SILENT WATERS verdient ob der schieren Qualität aller Lieder die volle Punktzahl. Nicht zuletzt aber auch wegen Ausnahme-Songs wie dem epischen ‘I Of Crimson Blood’, einem schmachtenden ‘Her Alone’ oder dem sehr folkigen ‘Enigma’. Dazu hat sich der neue Sänger Tomi Joutsen in die Top 3 meiner Lieblingssänger katapultiert. SILENT WATERS hören und sterben!
Christian Hector (7 Punkte)

Heiliger Konsens, der du bist im Soundcheck allgegenwärtig, geheiligt werde dein Name, deine Band gewinne, dein Ergebnis gelte, wie im Himmel, so auf Erden und unsere tägliche Dosis Langeweile (Amorphis) gib uns heute und vergib uns unseren Wunsch auf ein echtes Brett (z.B. As I Lay Dying, Throwdown, Neaera) als Triumphator, so wie auch wir vergeben der langweiligen Gewinner-Band, und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Wunsch nach den fetten Riffs, denn dein ist der Soundcheck, das Endergebnis und Durchschnittlichkeit in Ewigkeit. Slayer!
Anzo Sadoni (3 Punkte)

Nach der Rückkehr der Growls auf ECLIPSE ist SILENT WATERS die erwartete Verfeinerung des wieder gefundenen Amorphis-Stils. Das macht einerseits sehr viel Spaß, insbesondere bei Songs wie ‘The White Swan’, ist andererseits eben auch vorhersehbar. Das macht ECLIPSE natürlich keinen Deut schlechter, für Neueinsteiger nicht und für Fans schon gar nicht – dennoch finde ich es schade, dass einer Band wie The Vision Bleak, die von Album zu Album über sich hinauswächst, dadurch der Soundcheck-Sieg verwehrt geblieben ist.
Petra Schurer (5 Punkte)

Amorphis gehören schon traditionsgemäß zu den Favoriten unseres Soundchecks – und mit SILENT WATERS knüpfen sie an ihre (fast schon vergessen geglaubten) Glanzzeiten in den Neunzigern an. Kaum eine zweite Band versteht es derart gut, im dunklen Beton derart prachtvolle Melodien erblühen zu lassen. Das wirkt nicht kitschig, sondern schön. Da freut sich der Traditionalist ebenso wie der Schwarzheimer und der moderne Banger – Konsensmucke im positivsten Sinne.
Matthias Weckmann (5 Punkte)


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