Davon abgesehen, dass sowohl BANANAS (2003) als auch RAPTURE OF THE DEEP (2005) keinesfalls schlechte Alben waren, ist das 19. Studioalbum der Hard Rock-Urgesteine von einem ganz anderen Kaliber. Angefangen bei Bob Ezrins (Alice Cooper, THE WALL) kristallin-transparentem, aber dennoch warmen Produktionsperfektionismus bis zur hörbar frischen Freude, mit der die eigene Rock-Geschichte (‘A Simple Song’ beginnt mit atmosphärischem ‘Child In Time’-Gedenken) im Jetzt reflektiert wird, beglücken Deep Purple mit einem kleinen Meisterwerk.
Weniger kraftmeierisch, sondern eher mit progressivem wie melodischem Muskelspiel lässt das letzte Dreifünftel der klassischen Mark II-Besetzung (Paice, Gillan, Glover) mit Gitarrist Steve Morse und Tastentrumpf Don Airey musikalisch tief blicken. Da darf das hymnische ‘Out Of Hand’ in der Bridge gerne fast Faith No Mores ‘We Care A Lot’ antäuschen. ‘Hell To Pay’ rockt, und ‘Uncommon Man’ ist das opulent orchestrierte Mini-Epos, das man von einer Kollaboration mit Ezrin wünschend erwartet. ‘All The Time In The World’ wiederum ist ein beeindruckender Balladenbastard aus Derek And The Dominos-Requiem und Carly Simons ‘You’re So Vain’.
Den größten überreferenziellen Gruselspaß haben sich Ezrin und Band mit ‘Vincent Price’ allerdings für den Schluss aufgespart. Mit sakralen Orgelklängen, monochromem Theremin-Motiv und überspitzten Lyrics könnte die Hommage an den Horrormeister charmanter nicht ausfallen. Die Was-nun-Frage stellt sich mit diesem Album nicht (mehr), es trägt die Antwort mit positivem Ausrufezeichen bereits in sich. Auch im 21. Jahrhundert muss man Purple auf der Rock-Rechnung haben.
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