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Enslaved In Times

Progressive Metal, Nuclear Blast/Warner 6 Songs / VÖ: 6.3.

6.0/ 7
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Die Selbst-Neu-Erfindungs­zyklen fallen auch bei den norwegischen Prog-Black Metal-Darlings zunehmend länger aus. Früher galt die Faustregel, dass ­Enslaved-Alben immer in Paaren auftreten – eines als Innovation, eines als Konsolidierung vor der nächsten Ausbaustufe ihres progressiven Viking-Black Metal-Sounds. So circa seit ­VERTEBRAE, das 2008 erstmals ernsthaft die Frage stellte, ob man hier noch von Black Metal reden soll, ist das Bild diffuser geworden.

IN TIMES sortiert sich stilistisch klar im aktuellen Klangkanon aus AXIOMA ETHICA ODINI und RIITIIR ein, lässt wie diese Vorgänger­alben zwar einige kleine stilistische Querschläger hören, bewegt sich ansonsten aber souverän bis breitbeinig durch den abgesteckten und immer noch so ertragreichen Claim der Band. Enslaved würden vielleicht davon profitieren, wieder einmal etwas des Erreichten zu dekonstruieren. Aber eines ist klar: Das Land, das sie bestellen ist weit genug, darin Spannendes zu inszenieren, interessante Zitate einzubringen und Songs zu schreiben, die Vertrautes im Gesamtbild mit kunstvoller Detailarbeit verbinden.

‘Thurisaz Dreaming’ gleich zum Auftakt zeigt exemplarisch, wie das geht. Der Song ist sehr offensichtlich an der Erfolgsformel der Post-RUUN-Phase der Band aufgehängt und bleibt dennoch un­widerstehlich: Satte acht Minuten lang geht die Reise von schwarz verhangenen Wikingerfjorden über gleißende Pink Floyd-Exkursionen zu den Sternen bis hin zu epischen Explosionen, die bei mir genau am Hirnstamm zünden und irrationale Fuchtelbewegungen mit den Fäusten auslösen. Die von Enslaved zum Einsatz gebrachte Klangpalette ist und bleibt atemberaubend: Grutles keifend-boshaftes Greinen auf der ­einen, Herbrands seidiger Klargesang auf der anderen Seite. Melodische Aggression, schwelgerisches Schweben, organische Tempowechsel statt Stop-and-go-Break-Wahnsinn – hier werden alle Register echten Songwritings gezogen.

Schade nur, dass ausgerechnet die Produktion einige der Fettnäpfchen des modernen Effektwahns ansteuert. IN TIMES klingt zwar beeindruckend und auch recht transparent, lässt aber, wie so viele auf Lautheit gezüchtete CDs, echte Dynamik vermissen. Letztlich trifft diese „Aufgeblähtheit“ Tugend und Makel des gesamten Albums: Mit weniger als acht Minuten begnügt sich bei IN TIMES kein einziger Song, und in diesen mindestens acht Minuten geht ohne Achterbahn auch nichts – das haut mächtig rein, lässt Raum für Ecken und Kanten, bügelt potenziell kontroverse Elemente (etwa den sehr chilligen Anfang von ‘Nauthir Bleeding’) mit ausladendem Bombastwohlklang weg und hinterlässt mich am Ende wunschlos glücklich.

Fast jeden­falls: Darf ich nach so viel Opulenz eine neue Radikaldiät anregen, die den Hunger auf Neues frisch beflügelt?

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