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Red Dead Redemption 2 (PS4, Xbox One)

Action-Adventure, Rockstar Games

7/ 7
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Foto: Rockstar Games

Zu Beginn fällt sofort der neue Hauptcharakter Arthur Morgan auf, der mit seinem markanten Kinn und symmetrischen Gesicht eher an den „Marlboro-Mann“ oder einen Stereotypen-Cowboy erinnert als der aus dem ersten Teil bekannte John Marston, der allein schon mit seinem vernarbten und verbrauchten Gesicht eine Geschichte erzählt hat. Zwar lässt sich Arthur mit verschieden Bärten und Accessoires auf die eigenen Vorlieben anpassen, bleibt aber trotzdem zuerst ein wenig blass. Aber es wäre nicht Rockstar, wenn genau diese stillen Wasser nicht tief wären.

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Geheimnisvolle Hauptfigur

Und so bleibt Arthur im Lauf der neun spielbaren Kapitel immer geheimnisvoll – was steckt hinter dem Mann, der ein Tagebuch führt, dessen familiäre Hintergründe nicht ganz geklärt sind, und vor allem: Was macht dieser offensichtlich aufrichtige Typ bei der Dutch van der Linde-Bande? Vor allem das Zusammenspiel mit deren Anführer Dutch und Arthur ist großartig herausgearbeitet. Dadurch, dass Rockstar ihren Hauptcharakter etwas zurücknehmen, fallen die anderen Figuren viel mehr ins Gewicht und lassen Raum für Fragen und Interpretationen. Highlight ist sicher das Zusammentreffen mit einem noch jungen John Marston und dessen Frau Abigail, sodass man hier als Fan auch noch Hintergründe zum Titelhelden des ersten Teils erfährt. Die Liebe zum Detail sucht einmal mehr ihresgleichen. Egal, ob Flora, Fauna oder Nebencharaktere: Die Animationen wirken realistisch, die Grafik bombastisch, und die gesamte Welt aus einem Guss.

Der Wilde Westen des Jahres 1899 und das Leben zur damaligen Zeit werden hier gefühlt perfekt nachgezeichnet. Ein Land, welches sich im Umbruch befindet, die Zeiten der Outlaws, Banden und des „Code Of The West“ neigen sich dem Ende zu. Die Narben des vor 30 Jahren beendeten Bürgerkriegs sind immer noch zu spüren – allein schon daran erkennbar, dass jeder Farmer bis auf die Zähne bewaffnet ist. Diese Geschichten und Einzelheiten werden einem als Spieler aber nicht ins Gesicht gedrückt, sondern durch Nebengeschichten, Details in Gebäuden, Sprachfetzen auf den Straßen der größeren Städte und natürlich Nebenmissionen erzählt.

Abwechslungsreiche Nebenmissionen

Und von diesen gibt es einige; egal, ob Jagen, Banditenlager ausheben, Schatzsuche oder Transportmissionen: Abwechslung ist geboten, und durch die kleinen Erzählungen und Hintergründe immer lohnenswert. Schade, dass sich die daraus resultierende Beute nicht immer gut anlegen lässt, denn die bei den Händlern verfügbaren Waffen sind in der kompletten Welt immer gleich und können vor allem erst nach gewissen Events genutzt werden, obwohl man bereits das nötige Kleingeld besitzt. Ähnlich verhält es sich mit den Fähigkeiten wie Angeln oder im Stall arbeiten: Erst nach den entsprechenden Missionen lassen sich gewisse Dinge nutzen, und das, obwohl die Welt schon früher dazu einlädt. Dadurch könnte man sich vor allem zu Beginn etwas ausgebremst fühlen. Insgesamt muss man sich auf ein etwas gedrosseltes Spielerlebnis einstellen, denn Funktionen wie Schnellreise oder Ähnliches gibt es nicht.

Das trägt zwar zu Realismus bei, genauso wie das Baden und Pflegen von Arthur oder das Jagen und Häuten von Tieren – hierbei muss man beachten, das Fell möglichst wenig zu beschädigen –, aber für „faule“ Spieler könnte das vielleicht zu viel Liebe zum Detail sein. Dafür wurden die Schusswechsel einfach gestaltet, insofern man Auto-Aim und derlei aktiviert lässt. Für heiße Duelle sollte man diese Hilfen deaktivieren und manuell zielen, denn damit kommen auch Sonderfähigkeiten wie der Dead Eye Modus viel besser zur Geltung. So erreicht man nach absolvierten Missionen auch eher eine Goldauszeichnung, denn spezielle Treffer et cetera werden auch gewertet. Überraschend „arcadig“ für ein ansonsten sehr realistisches Spiel.

Kalte Nächte am Lagerfeuer

Kleinigkeiten, die nerven

Manchmal steht diesem Realismus die Steuerung im Weg. Um manche Gegenstände aufzuheben, vor allem in Gebäuden, braucht man manchmal schon ein paar Anläufe. Ebenso die teils fehlenden Anzeigen auf der Karte. Wirken sich die reduzierten Menüs und Anzeigen ansonsten gut auf die Immersion aus, kann zum Beispiel die fehlende Anzeige, in welcher Stadt gerade ein Kopfgeld auf einen ausgesetzt ist, zu nervigen Momenten führen, denn falls man sich in einer Mission befindet und diese Stadt betritt, gilt die Mission als verloren. Nur sagt einem das keiner. Aber das sind Kleinigkeiten in einem ansonsten extrem umfangreichen, abwechslungsreichen und spannenden Western. Die rund 60-stündige Kampagne bietet einiges und kann immer wieder überraschen. Und die Open World sucht mit ihren vielen Details, unzähligen Charakteren und Alltagsbeschäftigungen, versteckten Geheimnissen und Easter Eggs sowieso ihresgleichen.

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