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Regression Thriller

Thriller, TOBIS FILM/WVG Medien GmbH

4/ 7
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Toll, wenn ein Film sich interessante neue Ansätze für ausgelutschte Themen und übersättigte Genres traut. Um so ärgerlicher, wenn diese dann nicht konsequent zu Ende geführt werden. So leider auch geschehen beim Thriller ‘Regression’ mit Ethan Hawke und Emma Watson.

Die Story von ‘Regression’

Detective Bruce Kenner (Ethan Hawke) ermittelt im Fall der 17-jährigen Angela (Emma Watson). Sie beschuldigt ihren Vater (David Decik), sie sexuell missbraucht zu haben. Der, einst Alkoholiker, kann sich zwar nicht erinnern, nimmt die Schuld jedoch auf sich.

Während einer Regressions-Therapie, die verschüttete Erinnerungen zurückholen soll, kommen verstörende Details ans Licht – immer deutlicher scheint ein Satanskult grausige Rituale nicht nur mit Angela vollzogen zu haben. Aber wer ist noch darin verwickelt? Während der Erforschung der Hintergründe scheint Detective Kenner selbst ins Visier der Satanisten zu geraten.

Lahme Klischees und…

Die Handlung liest sich wie eine Ansammlung von Klischees – und leider kann ‘Regression’ auch viele Elemente aus dem 1×1 des Horror-Thrillers nicht vermeiden.

Leider können auch Ethan Hawke und Emma Watson nicht darüber hinweg täuschen, dass die Charaktere eher flach angelegt sind und es schwer fällt, Empathie mit ihnen zu empfinden. Dabei wäre gerade das bei einem psychologischen Horror-Thriller wie ‘Regression’ so wichtig gewesen. Wenn Detective Bruce Kenner nicht mehr weiß, was real und was Alptraum ist, überall Zeichen der satanischen Sekte sieht und sich von ihr bedroht fühlt, ist das visuell toll umgesetzt, lässt den Zuschauer aber vergleichsweise kalt.

… spannende Konflikte

RegressionWas ‘Regression’ aber von der Genre-Zunft abhebt, ist der durch Detective Kenner und Psychologe Kenneth Raines (David Thwelis) verkörperte Konflikt zwischen (irrationaler?) Angst und wissenschaftlichem Kalkül. Hier entsteht ein spannendes Wechselspiel, dass vor allem dann fesselt, wenn es zu kippen droht. Leider ist ‘Regression’ an der Stelle schon weit fortgeschritten und die Auflösung einigermaßen erwartbar. Ein konsequenterer Fokus auf diesem Element hätten dem Film gut getan.

Ausgezeichnet dagegen ist, wie unmittelbar Regisseur Alejandro Amenábar in die Handlung einsteigt und sie voranbringt, ohne zu hetzen oder billige Schock- und Actionmomente am Fließband zu produzieren. Die ruhige, düstere Bildsprache zeichnet ‘Regression’ aus und lässt die hochkarätige Besetzung schauspielerisch strahlen.

Der Metal-Moment

Einen echten Metal-Moment hat ‘Regression’ auch zu bieten: Detective Kenner fährt mit dem Auto durch die nächtlichen Straßen, spürt von überall beklemmende Blicke von vermeintlichen Sekten-Anhängern auf sich – und starrt auf ein am Straßenrand hängendes Behemoth-Plakat, das die Musiker in feinstem Corpsepaint zeigt. Dass der Film im Jahre 1990 spielt, darf dabei nicht stören.

DVD- und Blu-ray-Extras

‘Regression’ erscheint am 26.2.2016 fürs Heimkino. Neben dem Hauptfilm sorgen Featurettes, Interviews und Szenen vom Dreh für einen interessanten Einblick in die Entstehung des Films und beleuchten Hintergründe, Ideen und Konzepte.

Fazit zu ‘Regression’

‘Regression’ punktet durch seine düster-beklemmende Bildsprache, manchen schönen Schockmoment und interessante Ansätze, dem Horror-Thriller durch eine psychologische Komponente einen neuen Dreh zu geben. Emma Watson, die sich von der all zu braven ‘Harry Potter’-Hermine emanzipieren kann, und Ethan Hawke, der offenbar im Alter reift, spielen glaubwürdig und facettenreich, können aber nichts gegen das Drehbuch tun, dass ihre Charaktere zu klischeehaft bleiben lässt: Das traumatisierte Mädchen mit Geheimnissen, der frisch geschiedene, vom Fall besessene gute Cop, die Nebenfiguren mit zwielichtigen Momenten…

Zusätzlich: Wer sowohl Alejandro Amenábars ‘The Others’ (mit Nicole Kidman) als auch ‘Öffne die Augen’ (die Vorlage für ‘Vanilla Sky’ mit Tom Cruise) gesehen hat, durchblickt den Plot schnell. ‘Regression’ ist sehenswert und oft unterhaltsam, ärgert aber auch, weil da mehr drin gewesen wäre.

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