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Sodom In War And Pieces

Thrash Metal, Steamhammer/SPV 11 Songs / 47:05 Min. / 19.11.2010

6/ 7
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Foto: Steamhammer (SPV)

Nach vierjähriger Album-Pause, in der unter anderem die DVD LORDS OF DEPRAVITY II erschien, legen Sodom nun endlich ein neues Studiowerk vor. Und das hat es gleich in mehrfacher Hinsicht in sich. Wo SODOM (2006) gut war und sich deutlich von den vorherigen, zumindest streckenweise hüftlahmen Veröffentlichungen (CODE RED, M-16) abhob, ist IN WAR AND PIECES gar noch besser.

Zuerst fällt der wuchtige Sound auf: Old School-Fanatiker werden möglicherweise aufstöhnen, denn zu den Frühwerken der Sodomisten weist Waldemar Sorychtas Arbeit wenig Ähnlichkeiten auf. Vor allem das Schlagzeug von Bobby Schottkowski kommt mit mächtig Schmackes und klingt im besten (!) Sinne modern. Außerdem scheint Sorychta, der bislang unter anderem Bands wie Tiamat, Lacuna Coil, Moonspell und Therion produzierte, Tom Angelripper höchst persönlich ins verlängerte Rückgrat getreten zu haben. Dermaßen variabel klang der Meister des aggressiven Gekläffes wohl noch nie.

So tönt der einzig legitime Nachfolger von Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier (die Älteren werden sich erinnern) bei ʻHellfireʼ fast schon wie sein Namensvetter Araya von Slayer, während er in ʼNothing Counts More Than Bloodʼ (geniale Hymne!) ungewohnt verzweifelt klingt. In ʻSoul Contrabandʼ und ʻThe Art Of Killing Poetryʼ hingegen wird gekeift, dass es eine Wonne ist. ʻGod Bless Youʼ und ʻStyptic Parasiteʼ wiederum überraschen mit eher melodischen Momenten.

Diese Weiterentwicklung der Stimmbänder erweist sich aber auch als notwendig, da die Songs insgesamt abwechslungsreicher angelegt sind. Finsteres Gehacke wechselt sich in schöner Regelmäßigkeit, und auch innerhalb der einzelnen Songs, mit ausgefeilten Melodien ab. Sodom klingen auf IN WAR AND PIECES also in Nuancen anders, aber auf keinen Fall schlechter. Ganz im Gegenteil.

Abgerundet von dem wohl brutalsten Cover der Band-Geschichte (das sich Angelripper laut eigener Aussage ganz anders vorgestellt hatte), sticht diese Scheibe auch 2010, wo wieder hunderte von Thrash-Bands den Planeten bevölkern, heraus. Es ist immer eine haarige Angelegenheit, wahrhaftige Klassiker zum Vergleich heranzuziehen. Doch IN WAR AND PIECES könnte dem ewigen Sodom-Klassiker AGENT ORANGE wirklich den Rang ablaufen. Zwar fehlt die kultige (oder einfach nur verklärende) Patina von mehr als 20 Jahren. Aber dafür haben die drei aus dem Pott kompositorisch mindestens zwei Schritte nach vorne gemacht, was ihnen wohl die wenigsten zugetraut hätten.

Wer es nicht glaubt, sollte sich schnellstens ein paar Kopfhörer schnappen und dieses Werk „in aller Ruhe“ genießen. Anspieltipps sind das eingängige, aber gleichzeitig sehr brutale ʻThrough Toxic Veinsʼ, der atmosphärische Titelsong (tolle Gitarrenarbeit von Bernemann) sowie der fixe Thrasher ʻKnarrenheinzʼ, der dem langjährigen Band-Maskottchen gewidmet wurde und einfach nur auf die Zwölf zielt. Keine Frage, in dieser Verfassung übersteht der deutsche Thrash locker die nächsten 25 Jahre. Ein so überraschender wie verdienter Soundcheck-Sieger!

Kommentare der Redaktion

Das ist mal ein dickes Brett: Ich bin nicht sicher, ob wir Sodom schon mal so zielgerichtet zerstörerisch gehört haben. Vermutlich ist IN WAR AND PIECES auch das musikalisch souveränste Album von Gelsenkirchens Finest, klanglich gilt das sicher. Einziger Meckerpunkt: Bei aller Wucht, bei allen coolen Riffs hätte ich mir ein paar mehr Hooklines und Parts gewünscht, die aus Kopf und Nacken nicht mehr weggehen. Ansonsten: Daumen hoch.
Christof Leim (5 Punkte)

Sodom knallen einem ihren Thrash Metal ungemindert hart ins Gesicht und zeigen in den instrumentalen Passagen auch einige höchst unterhaltsame Wendungen. Aber auf Albumlänge verliert das Ganze doch an Spannung. Irgendwann ist der Gag erzählt. Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich auch, dass Uralt-Fans hier blind reingrätschen können. Ich persönlich finde die Suicidal Angels-Scheibe – frevelhafterweise – eine Ecke knackiger.
Matthias Weckmann (4 Punkte)

Halten wir fest: Das letzte Sodom-Album war eine Demonstration an Langweile und ein kompositorischer Offenbarungseid. Umso erstaunlicher wie sich das Trio vier Jahre später zurück meldet: Knackiger, druckvoller, zeitgemäßer Sound, gute Songs, variables Songwriting. Kurzum: Totgesagte leben nach wie vor am Längsten und Sodom sind nicht nur die Überraschung des Monats, sondern gewinnen sogar – überraschend und nicht weniger verdient – den monatlichen Wettstreit um den Platz an der Soundcheck-Sonne. Gratulation.
Anzo Sadoni (5 Punkte)

Die Ruhrpott-Thrasher machen auf IN WAR AND PIECES erneut fast alles richtig: Das Tempo stimmt, ebenso der Druck – zudem verblüffen Sodom mit zahlreichen packenden Melodiebögen. Allerdings sind auch leichte Defizite in der Abwechslung beim Songwriting unüberhörbar, zumal darunter die Dynamik der Scheibe etwas leidet. Dennoch: Tom Angelripper & Co. bleiben eines der am meisten authentischen Aushängeschilder des deutschen Thrashs!
Andreas Schöwe (5 Punkte)

IN WAR AND PIECES reicht nicht an AGENT ORANGE, CODE RED oder PERSECUTION MANIA heran, reiht sich qualitativ aber kurz dahinter ein. Auch nach drei Jahrzehnten zeigt das Trio dicke Eier und lässt es amtlich krachen – grimmiger, druckvoller und abwechslungsreicher als auf den vergangenen Alben. Sodom sind unverwüstlich, bleiben sich treu und haben es einfach drauf.
Detlef Dengler (5 Punkte)

Ich muss gestehen: Meine Erwartungen an WAR AND PIECES waren nicht gerade hoch, das SODOM-Album 2006 war eine herbe Enttäuschung. Der neue Thrash-Brocken hatte mich dafür wieder ziemlich schnell bei den Eiern, vor allem ‘Hellfire’ atmet richtig guten Ruhrpott-Thrash. Jedoch gefallen mir auf Dauer die vielen Midtempo-Parts und die zu moderne Produktion nicht. Trotzdem ist WAR AND PIECES vor allem im Anfangsbereich ein richtig starkes Album!
Florian Krapp (5 Punkte)

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