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Testament: 35 Jahre SOULS OF BLACK

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Als Testament im Oktober 1990 ihr viertes Studioalbum SOULS OF BLACK veröffentlichten, war die Thrash-Welt in Bewegung – und Testament mittendrin. Doch wer glaubt, das Album sei das Ergebnis kreativer Rastlosigkeit, liegt nur halb richtig. Vielmehr war SOULS OF BLACK ein Produkt des Zeitdrucks, des Tournee-Kalküls und der Wiederbelebung alter Ideen.

Technischer, aber nicht unbedingt neuer

Musikalisch bleibt SOULS OF BLACK dem Thrash Metal treu, doch die bereits auf PRACTICE WHAT YOU PREACH (1989)  angedeuteten Technical- und Progressive Metal-Einflüsse treten hier noch deutlicher hervor. Dennoch: Von echter musikalischer Weiterentwicklung kann man kaum sprechen. Die Songs stammen aus früheren Demo-Sessions, wurden nie offiziell veröffentlicht und für das Album lediglich überarbeitet und poliert. Testament griffen also in die Schublade – nicht aus kreativer Not, sondern aus Marketing-Gründen. Das heißt jedoch keineswegs, dass die Thrasher nicht hinter ihrer Musik stehen würden. Erst vor kurzem kündigte Frontmann Chuck Billy an, das Werk anlässlich seines 35. Jubiläums neu abmischen zu lassen.

Tournee statt Studio 

Der Grund für die hastige Veröffentlichung war die bevorstehende „Clash Of The Titans“-Tournee mit Megadeth, Slayer und Suicidal Tendencies. Testament wollten unbedingt dabei sein – und mussten dafür ein neues Album vorlegen. Gitarrist Eric Peterson erklärte gegenüber Guitarworld: „Wir haben SOULS OF BLACK möglichst schnell herausgebracht, um auf die Liste für die Tournee zu kommen. Wir wollten sie nicht verpassen und unser Label sagte, wir müssten dafür ein Album herausbringen.“ 

Die Tour selbst war ein Spektakel – musikalisch wie menschlich. Peterson erinnerte sich: „Suicidal Tendencies hatten ihre kleine Gang, und wir waren die Rebellen und Biertrinker. Megadeth waren wie Engel in strahlend weißen Rüstungen, und Slayer waren die titanischen Bösewichte. Das war das Bild der Tournee.“ Dieses Bild bot sich auch hinter der Bühne. „Alle hielten irgendwie Abstand zueinander, außer uns. Ich glaube, wir waren die einzige Band, die von Zimmer zu Zimmer ging und versuchte, mit allen zu feiern.“

Neuer Produzent, alte Songs, frischer Erfolg

Zum ersten Mal saß nicht Alex Perialas am Mischpult, sondern Michael Rosen. Aufgenommen wurde dennoch wieder in den Fantasy Studios in Kalifornien. Trotz der halbherzigen Motivation hinter dem Album und gemischten Kritiken war SOULS OF BLACK kommerziell erfolgreich: Platz 73 in den Billboard 200 bedeutete die bis dahin höchste Chart-Platzierung für Testament.

Dunkle Themen und bleibende Spuren

Thematisch bewegt sich das Album zwischen Gesellschaftskritik, Religion und Suizid – düster, ernst und typisch für die Zeit. Der Titel-Song wurde 2008 neu aufgenommen und fand seinen Weg ins Videospiel ‘Rock Band 2’, wo er eine neue Generation von Fans erreichte. SOULS OF BLACK  ist kein Meilenstein der Innovation, aber ein Zeugnis der Zeit: Ein Album, das Testament dabei half, sich auf der großen Bühne zu behaupten. Auch wenn die Songs nicht die neuesten waren, haben sie sich ihren Platz in der Geschichte des Thrash Metal verdient.


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Nuria Hochkirchen schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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