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11 Hardcore-Alben der 2000er, die man gehört haben muss

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Ähnlich wie bei Kollege Eike „Core“ Cramer (wie unser Online-Redakteur von Teilen der Facebook-Community ignoranterweise gerne genannt wird) stand auch bei mir, selbst aktiv in der Szene, Hardcore in den 2000er Jahren hoch im Kurs. Dennoch haben wir in dieser Hinsicht ein komplett unterschiedliches Jahrzehnt erlebt.

Disclaimer: Alle die bei „Hardcore“ im METAL(!) HAMMER schon Schnappatmung bekommen, hören am besten jetzt schon auf zu lesen. Allen anderen: Viel Spaß mit meiner höchst subjektiven und unvollständigen Liste! Eine Playlist der hier aufgeführten Bands findet ihr direkt unter dem Artikel.

11 Hardcore-Alben der 2000er, die man gehört haben muss

Converge JANE DOE (2001)
Converge JANE DOE (2001)

Beginnen wir mit einem Konsens-Album: JANE DOE von Converge katapultierte nicht nur die Band in ungeahnte Höhen, sondern schaffte es auch irgendwie, den doch recht extremen Boston-Hardcore der Marke Jacob Bannon/Kurt Ballou einer breiteren Masse zugänglich zu machen.

Metallisch, Chaotisch, Brutal – aber alles mit einer besonderen, irgendwie fast zerbrechlichen Ästhetik. Vor allem beim Sound, der Aufmachung und der Vermarktung des Albums sollte man immer im Hinterkopf behalten: Die Maxime DIY stand bei allem im Mittelpunkt! (Das zieht sich übrigens wie ein roter Faden durch diese Liste: Label-Giganten werdet ihr hier vergeblich suchen.)

Just Went Black TIDES
Just Went Black TIDES 2005

Hardcore in Deutschland

Aber auch in Deutschland sahen die 2000er einige Highlights. Zugegeben: Bei der Wahl dieses Albums spielt vor allem auch eine persönliche und sentimentale Beziehung zu Just Went Black eine Rolle. Aber genau das ist es, was viele, mich eingeschlossen, an Hardcore begeistert: Keine Wellenbrecher bei Konzerten, keine Star-Allüren auf Seiten der Bands (naja, meistens jedenfalls) und eine eher kleine, intime Szene, in der jeder jeden kennt.

Die Musik der Hamburger fängt dieses Gefühl perfekt ein. Melodiös, emotional und mit Tiefgang. Nicht umsonst stand der Raum Kopf, wenn sich Frontmann „Complainer“ – der Name kommt nicht von ungefähr – mal wieder die Klamotten vom Leib riss oder sich das Mikro ins Gesicht schlug, ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Meine Liebe für TIDES und diese Jahre ist auch heute noch stark!

Give Up The Ghost WE'RE DOWN TIL WE'RE UNDERGROUND
Give Up The Ghost WE’RE DOWN TIL WE’RE UNDERGROUND (2003)

Hardcore in den Zweitausendern ist wohl ohne diese Band schlecht denkbar. Als Give Up The Ghost (früher noch American Nightmare) damals die Bühne der Jugendzentren enternten, verbreiteten sich Kajal, Emo-Frisen und hautenge Jeans auch unter den vormals härtesten Szene-Kids.

Was sich nach unerträglichen Pathos anhört – OK, irgendwie war es das schnell – wirkte durch die verzweifelte Musik der Bostoner wie eine Selbstverständlichkeit. Schließlich suchten sich die meisten eine kleine Nische wie die örtliche Hardcore-Szene, weil einen die Mehrheitsgesellschaft sowieso nicht akzeptierte und krank machte. WE’RE DOWN TIL WE’RE UNDERGROUND liefert den Soundtrack zu diesem Gefühl.

Modern Life Is War WITNESS
Modern Life Is War WITNESS (2005)

Noch so ein Phänomen waren Modern Life Is War. Thematisch ähnlich, brachten die damals noch blutjungen US-Amerikaner ihren ganz eigenen Sound, in einem ungewohnt bedächtigen Tempo mit. Das leere Gefühl einer jungen Generation, die sich nicht gewollt und ausgesogen fühlte, von den unrealistischen Ansprüchen an die Gesellschaft und sich selbst.

Das zweite Album WITNESS schafft es bis heute, regelmäßig in meine Playlist. Klar: MY LOVE, MY WAY hatte als ersten Album insgesamt vielleicht den größten Einfluss, aber hier geht es ja um eine subjektive Liste – Und nach meiner Meinung kam mit den folgenden Alben und der Rückkehr im Jahr 2008 von Modern Life Is War nur noch Mittelmäßiges.

Zero Mentality IN FEAR OF FOREVER
Zero Mentality IN FEAR OF FOREVER 2005

Wieder zurück in die Heimat: Zero Mentality war eine Band der 2000er, die in einem gewissen Sinne ihr eigenes Süppchen kochte. Der gelegentliche Gebrauch deutscher Texte, das raue Ruhrpott-Image und der metallische Sound wurden dem breiten Konsens (jedenfalls in meiner kleinen Blase) der Hardcore-Gemeinde eigentlich nicht wirklich gerecht. Trotzdem, oder gerade deswegen, haben vor allem IN FEAR OF FOREVER und INVITE YOUR SOUL eine hohe Halbwertszeit.

Rise And Fall HELLMOUTH
Rise And Fall INTO OBLIVION 2005

Und der Moshpart war perfekt!

Als „Punk-Metal“ wurde der Stil von Rise And Fall damals landläufig bezeichnet. Mit HELLMOUTH (2004) verschrieben sich die Belgier dem so asozialen, wie metallischen Cleveland-Sound der Marke Integrity oder Ringworm. Passend zum Konzept wurde die Produktion dann mit den ersten Erfolgen und dem folgenden Album INTO OBLIVION dann auch der musikalischen Marschrichtung angeglichen – Und der Moshpart war perfekt!

Dead Stop LIVE FOR NOTHING
Dead Stop LIVE FOR NOTHING 2005

Belgien ist nicht nur H8000.

Eine weitere Band der Belgien-Welle, die wohl so richtig mit dem „Grafitti-Core“ von Justice begann, war Dead Stop. Sie stachen durch ihren klassischen Achtziger Hardcore der Marke Negative Approach hervor und vereinten schnell einen unglaublichen Hype auf sich. Böse Zungen mögen behaupten, dass sie deshalb alles richtig gemacht haben, sich nach nur drei Jahren Bandbestehen wieder aufzulösen.

In Erinnerung bleiben mir neben den beiden großartigen Alben DONE WITH YOU und LIVE FOR NOTHING, vor allem auch der hübsche Oberlippenbart („damals“ noch nicht von irgendwelchen Hipstern vereinnahmt) von Sänger Lino Van Reeth, dessen speckige Leder Jacke (is das noch vegan) und sein frenetisches Bühnen-Auftreten. Ach ja, und dass die Band den Typen gerüchteweise einfach in irgendeiner Kneipe aufgesammelt hat.

Champion PROMISES KEPT (2004)
Champion PROMISES KEPT (2004)

Straight Edge-Hardcore

Old School Hardcore vom Feinsten boten auch Champion. Die Straight Edge-Band aus dem US-amerikanischen Seattle wussten die klassischen Elemente von Bands wie Youth Of Today oder Gorilla Biscuits glaubhaft in den Zweitausendern darzubringen. Ich erinnere mich noch an mein erstes Mal Champion im kleinen Saal eines Hannoveraner Clubs, in dem so etwa 40 Menschen Platz fanden.

Have Heart THE THINGS WE CARRY
Have Heart THE THINGS WE CARRY 2006

In einem ähnlichen Fahrwasser wie Champion bewegten sich auch Have Heart. Die Kollegen aus der USA schafften es Old School gar noch größer und massentauglicher zu machen. So gut besucht waren („Underground“-)Hardcore-Konzerte lange nicht mehr! THE THINGS WE CARRY war die erste Full Length, um einiges ausgereifter als die vorherigen Veröffentlichung der Band aus Massachusetts und brachte viel Herz, Hirn und positive Einstellung in die Szene. Leider gingen mit Have Heart im Jahr 2009 anscheinend auch einige Fans wieder ihre eigenen Wege und die örtlichen Shows waren wieder leerer.

Kickback NO SURRENDER
Kickback NO SURRENDER 2009

Das hässliche Gesicht der Gesellschaft

Ganz und gar nicht Positiv, sondern nihilistisch, düster und ultra brutal waren Kickback. Die Franzosen trieben bereits seit Anfang der Neunziger ihr Unwesen und machten sich mit ihrem extremen Auftreten nicht nur Freunde. Ihr Publikum war ähnlich aggressiv wie die Musik und Frontmann Stephen Bessac strangulierte auch gerne mal unbeteiligte Fans vor der Bühne, mit seinem Mikrofonkabel.

Nichtsdestotrotz: Auch diese Triebe gehörten schon immer zum Pflänzchen Hardcore – Sie zeigen uns das hässliche Gesicht der Gesellschaft und bieten eine Bewältigungsstrategie . Auch vollkommen unabhängig des Images macht NO SURRENDER klar: Diese Musik ist purer Misanthropismus!

Direct Control YOU'RE CONTROLLED
Direct Control YOU’RE CONTROLLED (2005)

Das letzte Beispiel zeigt, dass Hardcore Punk auch deshalb so mitreißt, weil es nicht mehr braucht, als drei junge Menschen, die leidlich ihre Instrumente beherrschen und mit ihren „stümperhaften“ Songs eine LP mit nichtmal 20 Minuten Spielzeit aufnehmen.

Das Trio aus Virginia nimmt dieses Konzept und lässt damit das goldene Zeitalter der 80er wieder aufleben. Wer Reagan Youth in den Zweitausendern live sehen wollte, der ging zu Direct Control – Und die ließen einen niemals vergessen: YOU’RE CONTROLLED!

Honorable Mention: Ritual

Ritual BENEATH AGING FLESH AND BONE
Ritual BENEATH AGING FLESH AND BONE (2009)

Zumindest für mich und die kleine Szene in der ich mich bewegte, komme ich nicht umhin diese Band zu erwähnen: Ritual. Ein Beweis dafür, dass Hardcore live (und in Echtzeit) einfach am besten funktioniert! Die Reklinghausener Jungs schafften es recht schnell, eine kleine Gefolgschaft hinter sich aufzubauen. Einerseits, weil sie einfach aufregende Shows lieferten und andererseits, weil das einfach verdammt geile Typen sind – Dennoch: Auf meinem Plattenteller landet BENEATH AGING FLESH AND BONE (eigentlich müsste für jede Hardcore-Liste sowieso eher eine Auflistung von 7″ her) dennoch recht selten. Deshalb nur eine eingeschränkte Empfehlung und ein lange Nase an alle, die in den 2000ern nicht dabei waren!

Leider bot Spotify nicht alle der von mir gewählten Alben. An diese Stelle sind andere Songs von Rise And Fall, Dead Stop und Direct Control getreten.

Weitere Highlights

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