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At The Gates: Schreiende Leere

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Das komplette Interview mit At The Gates findet ihr in der METAL HAMMER-Maiausgabe 2026, erhältlich am Kiosk oder indem ihr das Heft bequem nach Hause bestellt. Noch einfacher und günstiger geht’s im Abo!

Kosmische Philosophie

Besonders bestürzend wirkt dabei die Tatsache, dass Lindberg den ursprünglichen Albumtitel THE DISSONANT VOID im Verlauf eigenhändig in THE GHOST OF A FUTURE DEAD änderte – und damit seiner Todesvorahnung direkten Ausdruck verlieh. „Im Sommer nach den Strahlentherapie-Sessions sprach er mit uns über die Drogen, die er bekam, und die Albträume, die ihn umtrieben. All diese bizarren Ereignisse brachten ihn zu diesem Titel. Die ersten Monate nach Operation und Strahlentherapie waren der Horror, er verlor etwa 30 Kilo und war in wirklich schlechter Verfassung. Das hat ihn wohl dazu beeinflusst“, sagt Jonas Björler. Surrealerweise trieb den Vokalisten eine Ahnung seines bevorstehenden Tods bereits Jahre vor seiner Erkrankung um.

Im Interview zu THE NIGHTMARE OF BEING erklärte er (inspiriert von Thomas Ligottis Essay-Sammlung ‘The Conspiracy Against The Human Race’), der Mensch sei das einzige Wesen, das sich der eigenen Sterblichkeit bewusst ist, worin der wahre Horror unserer Existenz läge. Lindbergs letzte, lange vor seiner Erkrankung geschriebenen Texte schließen sich an den Duktus des Vorwerks an und wirken stellenweise prophetisch düster und bedrückend, wenn auch schwer zu deuten. „Er beschäftigte sich mit philosophischen Fragen über die Einsamkeit des Menschen und die unermessliche Weite des Weltalls; er wollte all die psychologischen und philosophischen Elemente des Lebens erforschen“, sinniert Jonas Björler. Sein Bruder nickt: „Diesmal interessierte er sich besonders für den Weltraum, das Kosmische und Existentialismus. Obgleich die Texte davor abgeschlossen waren, hat sich seine Faszination nach der Operation nur noch verstärkt.“

„Das Schreckliche“

Spricht man die Zwillinge auf das schwedische ‘Det Oerhorda’ („Das Schreckliche“) und das ebenfalls in Landessprache betitelte Instrumentalstück ­‘Forgangligheten’ („Vergänglichkeit“) an, folgt eine weitere Enthüllung: Ursprünglich spielte Lindberg offenbar mit dem Gedanken, das ganze Album auf Schwedisch zu verfassen. Während Anders Björler vermutet, dass muttersprachliche Versionen aller englischen Texte des Werks existieren, erzählt Jonas Björler vom Interesse des belesenen Sängers, das unter anderem Dichtern der schwedischen Arbeiterklasse wie Pär Lagerkvist galt. „Diese Art der Poesie hat ihn ziemlich beeinflusst. Er hatte vor, ein Konzeptwerk ganz auf Schwedisch umzusetzen. Das war seine Grund­idee, doch sie veränderte sich mit der Zeit. Es kann seltsam sein, in der eigenen Sprache zu singen und zu texten …“„Wir sprachen darüber, ‘Det Oerhorda’ ins Englische zu übertragen, doch wir mochten es in dieser Form“, fügt der Gitarrist hinzu. „Der Reim, die Strophen, alles passt perfekt zusammen. Das wollten wir nicht ändern.“

Lebendige Erinnerung

Bevor der Schwanengesang des im September 2025 verstorbenen Sängers in die Freiheit entlassen wird, veröffentlichten At The Gates einen zutiefst persönlichen Abschiedsgruß in Form der Single ‘The Fever Mask’. Regisseur Patric Ullaeus erschuf ein bewegendes Video, das von Freunden, Familie und Wegbegleitern bereitgestellte Archivaufnahmen enthält und zeigt, welch wichtige Rolle Lindberg nicht nur für die Göteborger Szene spielte. „Er war ein total umgänglicher Typ und liebte es, neue Leute kennenzulernen und sich mit Fans zu unterhalten“, raunt Anders Björler, dem es schwerfällt, über den Verlust zu sprechen.

„Trotzdem halte ich es für wichtig, mich auf all die schönen Erinnerungen zu konzentrieren und diese weiterzugeben. Er bleibt einer meiner größten Einflüsse, doch er war nicht nur für uns eine zentrale Figur, sondern auch für die gesamte Szene. Ohne ihn würde es weder At The Gates noch Dark Tranquillity oder In Flames geben. Er stachelte alle dazu an, Bands zu gründen, führte sie in die Tapetrading-Szene ein und fungierte als Mentor.“

Nicht zu ersetzen

Die Erinnerung an Lindberg wird lebendig bleiben und selbst das tief bewegende THE GHOST OF A FUTURE DEAD überstrahlen. Doch wie sieht die Zukunft von At The Gates nach der einschneidenden Veränderung aus? Jonas Björler sagt, die Band brauche Zeit zum Nachdenken. „Er war ein sehr wichtiger Teil von At The Gates, daher wäre es wohl sehr schwer, ohne ihn weiterzumachen. Ich könnte mir vielleicht vorstellen, ein, zwei Konzerte zu seinen Ehren zu geben, doch ich bin mir nicht mal darüber im Klaren.“ Sein Bruder pflichtet ihm bei. „Selbst darüber haben wir mit ihm vor seinem Tod gesprochen. Natürlich wollte er, dass wir weitermachen, doch für uns wiegt dieser Verlust unendlich schwer. Er war einer dieser überlebensgroßen Charaktere, die sich nicht ersetzen lassen.“

Welche kreativen Direktiven THE GHOST OF A FUTURE DEAD hatte und wie sich die Studiozeit trotz und wegen Tompas Krankheit gestaltete, lest ihr in der METAL HAMMER-Maiausgabe 2026, erhältlich am Kiosk oder indem ihr das Heft bequem nach Hause bestellt. Noch einfacher und günstiger geht’s im Abo!

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Die Videos der Woche vom 10.04. mit At The Gates, Eisbrecher u.v.m.

Hier geht's zur Übersicht dieser Woche: Artillery ‘Made In Hell’ At The Gates ‘The Dissonant Void’ Axty ‘End This’ Blutgott - Debauchery ‘Death Of The Bloodking’ Castle Rat ‘Siren’ Corrosion Of Conformity ‘Asleep On The Killing Floor’ Cyborg Zero ‘Skool’ Draconian ‘Misanthrope River’ Einherjer ‘Bloodborn’ Eisbrecher ‘Zeitgeist’ (feat. Joachim Witt) Evergrey ‘The World Is On Fire’ The Ghoulstars ‘Graverobbers From Outer Space’ Green Carnation ‘Sanguis’ Hardline ‘Shout’ Khemmis ‘Invocation Of The Dreamer’ Lord Of The Lost ‘The Days Of Our Lives’ The Narrator ‘Agnosia’ Nunslaughter ‘Jesus Fucking Dies’ Sandstorm ‘Close Combat’ Yoth Iria ‘Blessed Be He Who Enters’ Rob Zombie…
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