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John Bonham (Led Zeppelin): Heute wäre er 78 Jahre alt

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Es gibt Rock-Bands, die wichtig waren. Es gibt Rock-Bands, die groß waren. Diese Beschreibung würde Led Zeppelin nicht gerecht werden: Die Briten gossen das Fundament der modernen Rock-Musik neu und lieferten mit ihren Liedern Blaupausen für kommende Künstler. All ihre Alben sind Meilensteine, ihr Einfluss ist unermesslich. Doch all diese Monumente hätten ohne John Henry „Bonzo“ Bonham niemals so gewaltig geklungen. Sein Schlagzeugspiel war kein Begleitwerk, sondern ein Erdbeben. Ein integraler Bestandteil des Zeppelin‑Mythos.

Am 31. Mai 2026 hätte Bonham seinen 78. Geburtstag gefeiert. Doch er starb bereits 1980 mit nur 32 Jahren – und hinterließ in dieser kurzen Zeit gewaltige Spuren. Anlässlich seines Geburtstags blicken wir zurück auf die frühen Jahre eines Mannes, der nicht nur trommelte, sondern auch die Rock-Welt erschütterte.

Vom Topfdeckel zum Donnergott

John Henry Bonham wurde am 31. Mai 1948 im britischen Redditch, Worcestershire geboren. Schon als Fünfjähriger trommelte er auf allem herum, was Lärm machte: Dosen, Kisten, Möbel, egal. Seine frühen Helden waren Jazz‑Giganten wie Max Roach, Gene Krupa und Buddy Rich, deren Virtuosität er aufsog wie andere Kinder Comics.

Mit zehn bekam er seine erste echte Snare, mit 15 ein vollständiges Schlagzeug. Unterricht? Fehlanzeige. Bonham war ein Naturtalent, das sich selbst formte – roh, laut, ungebändigt.

Zimmermann am Tag, Schlagzeuger in der Seele

Nach seinem Schulabschluss 1964 arbeitete Bonham zunächst als Zimmermann im Betrieb seines Vaters. Doch die Musik ließ ihn nicht los. Abends spielte er in kleinen Bands der Nachbarschaft, lernte Bühnenluft, Lautstärke und Durchhaltevermögen kennen. In dieser Zeit traf er auch Pat Phillips, die später seine Frau werden sollte.

1964 wirkte er an seiner ersten offiziellen Veröffentlichung mit: ‘She’s A Mod’ von The Senators. Der Song war kein Welt-Hit, aber für Bonham war es der Moment, in dem er begriff, dass Musik nicht nur Leidenschaft, sondern Berufung war. Er schmiss alles andere hin und wurde Vollzeitschlagzeuger.

Der Tag, an dem er Robert Plant traf

Es dauerte ein paar Jahre, bis Bonham in der Blues‑Band Crawling King Snakes landete – und dort auf einen jungen Sänger namens Robert Plant traf. Die beiden verstanden sich, blieben in Kontakt und spielten später gemeinsam in der Formation Band Of Joy. Doch eng waren sie damals noch nicht befreundet. Als Band Of Joy 1968 von Sänger Tim Rose als Vorband engagiert wurden, sagten alle zu – und Bonham wechselte nach der Tournee kurzerhand zu Rose. Plant nahm ihm das nicht übel, doch die Wege trennten sich kurz.

1968: Die Telegrammschlacht und der Beginn einer Legende

Im Juli 1968 formte Jimmy Page eine neue Band. Er holte Plant ans Mikrofon – und Plant wollte Bonham am Schlagzeug. Doch Bonham war nicht sofort überzeugt. Er hatte Angebote von Joe Cocker und Chris Farlowe, und die Entscheidung fiel ihm schwer. Also begann eine der langwierigsten Überzeugungsaktionen der Rock-Geschichte: Es brauchte acht Telegramme von Robert Plant und 40 Telegramme von Manager Peter Grant. Erst dann gab Bonham nach. Später sagte er einem Rolling Stone-Autoren: „Ich habe entschieden, dass mir deren Musik besser gefällt als die von Cocker oder Farlowe.“

Led Zeppelin: Aufstieg und Exzess

Als John Bonham 1968 endlich zusagte, sich Jimmy Page, Robert Plant und John Paul Jones anzuschließen, begann ein Kapitel, das die Rock-Welt für immer verändern sollte. Die Band nannte sich zunächst The New Yardbirds, doch schon bald trugen sie den Namen, der wie ein Donnerschlag durch die Musikgeschichte hallte: Led Zeppelin. Bonham war nicht einfach nur der Schlagzeuger dieser Band: Er war ihr Puls und Motor. Seine Mischung aus Geschwindigkeit, Power, Single Foot Kick‑Technik und unverwechselbarem Klang machte ihn zu einem der einflussreichsten Drummer aller Zeiten.

Der Sound, der Stadien erzittern ließ

John Bonhams Stil war hart, aber nie stumpf. Kraftvoll, aber immer musikalisch. Schon auf dem Debütalbum LED ZEPPELIN (1969) zeigte er eindrucksvoll sein Verständnis von Hard Rock. Songs wie ‘Good Times Bad Times’ oder ‘Communication Breakdown’ wären ohne seine wuchtigen, präzisen Schläge kaum denkbar.

Sein Drumset wuchs im Lauf der Jahre zu einem monströsen Instrumentarium heran – inklusive Congas, Timpani und einem riesigen Gong, der zu seinem Markenzeichen wurde. Alles Werkzeuge, die ihn dazu befähigten, exzessive und abwechslungsreiche Soli zu präsentieren. Das beeindruckendste ist ohne Frage ‘Moby Dick’, das auf LED ZEPPELIN II (1969) verewigt wurde und live oft über zwanzig Minuten dauerte. Bonham verwandelte es in ein Ritual, eine Demonstration purer Ausdauer und Kreativität, die Fans weltweit in Trance versetzte.

Der Urvater des harten Schlagzeugspiels?

Obwohl Bonham vor allem für seine brachiale Härte bekannt war, zeigte er im Lauf der Siebziger eine enorme stilistische Bandbreite. Er integrierte Funk‑Grooves, Latin‑Rhythmen und komplexe Muster in den Zeppelin‑Sound – ein Beweis dafür, dass er weit mehr war als nur ein „Heavy‑Hitter“. Sein Spiel beeinflusste Generationen von Schlagzeugern, darunter Dave Grohl, Neil Peart, Chad Smith und Dave Lombardo. Heute gilt er nicht nur als einer der besten Rock‑Drummer, sondern einer der größten Schlagzeuger überhaupt.

Die Siebziger: Erfolg, Exzess und Erschöpfung

Die Siebziger waren für Led Zeppelin eine Ära der Rekorde. Die Band spielte gigantische Tourneen und brach Verkaufszahlen. Doch der Preis war hoch. Der Lebensstil wurde exzessiver, die Tourneen länger, die Belastung größer. Bonham kämpfte zunehmend mit Alkoholproblemen – ein Kampf, den er schließlich tragischerweise verlor.

John Bonhams Tod: Der Tag, an dem die Welt stillstand

Am 25. September 1980 starb John Bonham nach einem Tag exzessiven Trinkens im Alter von nur 32 Jahren. Sein Tod war ein Schock für die Musikwelt – und das Ende von Led Zeppelin. Die Band erklärte, dass sie ohne Bonham nicht weitermachen könne. Es war keine Floskel, sondern die Wahrheit: Ohne seinen unverwechselbaren Stil waren Led Zeppelin schlicht nicht mehr Led Zeppelin.

Ein Vermächtnis, das weiterlebt

1995 wurde Bonham posthum in die Rock & Roll Hall Of Fame aufgenommen. 2016 kürte ihn Rolling Stone zum größten Drummer aller Zeiten. Sein Einfluss ist überall: in Rock, Metal, Grunge, Funk, Alternative – und in den Händen seines Sohns Jason Bonham, der seit Jahrzehnten das Erbe seines Vaters weiterträgt und mehrfach mit den überlebenden Zeppelin‑Mitgliedern auftrat.

John Bonham wurde nur 32 Jahre alt. Doch in diesen 32 Jahren hat er die Rock-Musik so nachhaltig geprägt wie kaum ein anderer. Er war kein Schlagzeuger, der Songs begleitete – er war ein Schlagzeuger, der Songs definierte. Sein Groove, seine Wucht, seine Musikalität und sein Instinkt machten ihn unsterblich. Und auch wenn er längst nicht mehr unter uns ist: Jeder Schlagzeuger, der heute einen schweren, treibenden Beat spielt, trägt ein Stück Bonham in sich.


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Nuria Hochkirchen schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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