Kreator: Ewige Brennpunkte und Anti-Nazi-Lieder

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Das komplette, ausführliche Interview mit Mille Petrozza von Kreator findet ihr in der METAL HAMMER-Juniausgabe 2022, erhältlich am Kiosk oder indem ihr das Heft bequem nach Hause bestellt. Noch einfacher und günstiger geht’s im Abo!

Neben den dargelegten kulturellen Inspirationen finden sich auf HATE ÜBER ALLES auch viele andere Kreator-typische Themen. Manche Diskurse lassen den Vokalisten über Jahre hinweg nicht los – dazu zählt zum Beispiel Kritik an Fremdbestimmung durch (religiöse) Autoritäten und dem blinden Folgen dieser, hier umgesetzt in ‘Killer Of Jesus’ und ‘Crush The Tyrants’. Auch für einen dystopischen Blick in die wenig rosig erscheinende Zukunft sind die Thrasher gerne gut. Auf dem neuen Album gibt es zwei Lieder, die in diese Kategorie fallen: ‘Demonic Future’ existiert dem Urheber zufolge schon länger.

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Haltung zeigen

Als Inspiration nennt Mille die Ereignisse im Dorf Freital, das 2015/16 durch anhaltende fremdenfeindliche Proteste in die Schlagzeilen geriet. „‘Demonic Future’ ist eigentlich ein Anti-Nazi-Lied. Egal, wie oft man es wiederholen muss, wir müssen ständig dagegen ankämpfen! Es wird bis zu unserem Lebensende nicht aufhören, dass wir gegen solche Dinge aufstehen und Haltung zeigen müssen“, ereifert sich der Musiker, der trotz der harschen Kritik dafür plädiert, den Dialog mit Menschen mit rechten Tendenzen aufrechtzuerhalten. Er weiß, dass Teile der Metal-Szene von derartigen Liedtexten nichts hören wollen, um nicht in ihrem Eskapismus gestört zu werden, hält das Thema aber für viel zu wichtig, um es nicht (erneut) anzusprechen.

„Ich singe über Ungerechtigkeiten und Dinge, die mich bewegen. Wem das nicht passt, soll eine andere Band hören. Ich mag Kunst, die zeitbezogen, aber trotzdem zeitlos ist. Einen Song wie ‘Demonic Future’ hätte ich auch schreiben können, als damals in Mölln Molotows gegen Häuser geworfen wurden – und heute wieder, wenn in Freital ein Bus ankommt und Flüchtlingskindern ‘Hau ab’ entgegengeschleudert wird. So etwas bewegt mich eben.“

Auch in ‘Dying Planet’ werfen Kreator einen Blick in die Zukunft, allerdings mit einem ganz anderen Kernthema: Hier geht es um den großen Komplex Umweltzerstörung. In der finalen, eindringlich gesprochenen Passage ist die Rede von vergifteten Ozeanen und verbrannten Wäldern. Dabei seien Menschen doch Teil des ganzheitlichen Organismus’, klagt der Künstler: „Wir sind spirituelle Wesen, die eine menschliche Erfahrung machen auf einem Planeten, den wir gerade selbst zerstören. Es ist, als würde man seinen eigenen Körper kaputtmachen, jeden Tag fünf Lines Koks ziehen und zwei Flaschen Whiskey saufen – das tut man drei, vier Jahre lang, und dann ist man tot.

Spontane Impulse

Das ist nichts Neues, aber es ist noch immer aktuell.“ Als Aufruf zum Aktivismus muss all das nicht zwangsläufig verstanden werden. Angesichts erodierender Sicherheiten und wachsender Ungewissheit ist es heute jedoch in vielerlei Hinsicht und Bereichen wichtig, aktiv zu werden und die eigene Bequemlichkeit aufzugeben – leider, wie Petrozza meint: „Wenn wir unsere Freiheit, die wir jetzt leben, behalten wollen, bleibt uns nichts anderes übrig. Die Politiker scheint es nicht zu interessieren, sie leben anscheinend in einer weltfremden Blase…“, kritisiert er.

Trotzdem überlegt er sich nicht am Reißbrett, wie er Menschen durch seine Lieder zum Handeln animieren könne. Vielmehr lässt er sich beim Erarbeiten der Texte von spontanen Empfindungen und Impulsen leiten. „Das kommt einfach so aus mir heraus, diese Gedanken und Gefühle.“

Kreator-Chef Mille erzählt noch viel mehr über die Entwicklung seiner Truppe, reale Dystopien sowie dunkle Künste. Wir begleiteten den sympathischen Bandchef an inspirierende Orte in seiner zweiten Heimat – von der Berliner Mauer bis zur Giger-Ausstellung. All dies sowie die weltexklusive Kreator-CD MAXIMUM HATE findet ihr in der METAL HAMMER-Juniausgabe.

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