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Moshpit, Crowdsurfing und Wall Of Death: Willkommen in der Tanzschule

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2020 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem Hefe, Toilettenpapier und Internet plötzlich als Luxusgüter geadelt, uns außerdem wildes Kuscheln, Fremde küssen und Tinder-Sex von Politik und Virologie versagt wurden. Während der Austausch diverser Körpersäfte dank längst aufgehobener Kontaktsperren wieder gebilligt wird, gilt ganz anderes in sterbenden Musikszenen. Denn eins bleibt gleich: Clubs bleiben geschlossen und Konzerte still. Nicht nur vermissen wir das Wummern der Bässe durch Mark und Bein, völlige Ekstase oder bloß das geringste Zugehörigkeitsgefühl währenddessen und das Klingeln in den Ohren danach. Wir vermissen vor allem das Moshen, das Pogen und die brutalsten der Wall Of Deaths. Wir schwelgen in Erinnerungen – und erklären die Kunst des Tanzens weit abseits von Walzer, Foxtrott und Samba.

Pogo: Aus Platzmangel erfunden

Laut Glen Matlock – Bassist und Gründungsmitglied der Sex Pistols – war Sid Vicious der Erste, der sich auf und ab hüpfend vor einer Bühne wiederfand. Unter Drogeneinfluss gab er dem unbändigen Drang nach Bewegung nach, aus Platzmangel erfand er den Pogo. In ständiger Ablehnung gegenüber dem Gewöhnlichen, dem Nicht-Extremen suchte die Punk-Szene nach einer Möglichkeit, sich vom als monoton empfundenen Disco-Tanz abzugrenzen. In einem Pogo der ursprünglichen Form springen Teilnehmende auf und ab, oft ohne sich dabei zu berühren. Aus diesem Grund ist auch die Alternativ-Bezeichnung „Up And Down“ üblich. Obwohl die klassische Form des Pogos noch existiert, geht es heute meistens etwas ruppiger zu. Tanzende reißen an fremder Kleidung und stoßen sich beim Absprung von anderen ab.

Moshpit: Ein einziger wuselnder Körper

Ein Moshpit sieht von außen betrachtet nicht selten ziemlich brutal aus. Dass es beim Moshen um das Zulassen der eigenen Emotionen geht, möchte man auf den ersten Blick nicht meinen. Trotzdem fußt sogar die Bezeichnung „Moshpit“ auf der menschlichen Gefühlswelt: Das Kunstwort „mosh“ bedeutet nämlich „starke Emotionen“ oder „Chaos“; „pit“ lässt sich mit den Begriffen „Grube“ oder „Kessel“ übersetzen, als „Hölle“ interpretieren.

Im Moshpit herrscht reges Chaos – und trotzdem gibt es einen klaren Verhaltenskodex. An oberster Stelle: Helft euch gegenseitig wieder auf. Während Konzertbesucher*innen, die am Rand eines Moshpits stehen, ohne Rücksicht angerempelt werden und ungewollt Schläge abbekommen, ist die Fürsorge innerhalb sehr groß. Der Moshpit ist (meistens) kein Ort der Angst, vielmehr der wuselnde Körper einer unbekannten Familie. Tanzende nehmen sich den Raum, sie selbst zu sein. Das Individuum steht im Mittelpunkt – und dann doch wieder nicht. Denn ohne Gemeinschaft würde ein Moshpit gar nicht funktionieren.

Circle Pit: Moshen für Fortgeschrittene

Während sich Tanzende eines Moshpits wild durcheinander bewegen, bedarf es für einen Circle Pit etwas mehr Koordination, schließlich sollen am Ende alle in dieselbe Richtung pogen. Oft wird die Richtung sogar von der Band angeleitet. Tanzwillige folgen, lassen dabei jedoch das Zentrum des Pits aus. Deshalb gleicht ein Circle Pit von oben betrachtet dem fast windstillen Auge eines Wirbelsturms.


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Live Nation will Bands weniger für Konzerte zahlen

Musiker und Bands bricht derzeit aufgrund der Corona-bedingten Konzertverbote eine riesige Einnahmequelle weg. Doch damit nicht genug: Wie in einem Memo des Live Nation zu lesen ist, das rollingstone.com offenbar erlangt hat, plant der weltweit größte Tournee-Veranstalter, künftig seinen Künstlern weniger für ihre Auftritte zu zahlen. Klar, auch Firmen wie Live Nation (das Shows von unter anderem System Of A Down, Metallica und Alter Bridge ausrichtet) müssen irgendwie auf die aktuelle Unsicherheit reagieren. Das Unternehmen will die Bürde dafür nun scheinbar den Bands auflasten. In besagtem Memo teilt die Firma den kooperierenden Künstleragenturen seine Pläne für 2021 mit. Demzufolge will…
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