Parkway Drive: Die perfekte Welle

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Das erklärte Ziel der Band war immer, alles zu geben, an die Grenzen zu gehen, und – so schmerzhaft der Prozess sein mochte – darüber hinaus. DARKER STILL (VÖ: 09.09.2022) ist die Manifestation dessen, was Parkway Drive aus sich herauskitzeln können, wenn die Musikwelt still- und keine Tournee ansteht. „Es gab keine Ausreden mehr, denn wir hatten die Zeit“, bekräftigt Sänger Winston McCall mit festem Blick. „Wir wollten etwas umsetzen, aber wussten nicht, wie – dann haben wir uns hingesetzt und es uns draufgeschafft. Wir fragten uns, was wäre, wenn es unser letztes Album sein würde. Wir haben uns jede Menge Druck gemacht, um das Beste zu erschaffen, zu dem Parkway Drive fähig sind. Das war eine stressige Zeit.“

Als strahlendes Beispiel für die Früchte der harten Arbeit, welche die Band an den Rand des Aufgebens brachte, dient der Titel-Track. Das Spiel mit staubtrockener Wildwest- und Outback-Atmosphäre haben Parkway Drive bereits auf ihren vorherigen Alben etabliert. Jetzt gelingt es ihnen aber konsequenter, intensiver und fesselnder als zuvor. „Das Pfeifen und die Klanglandschaft erinnern an Ennio Morricone“, holt McCall aus. „Der ganze Song ist um eine einzelne Melodie herum gestrickt.

Parkway Drive in illustrer Gesellschaft

Es beginnt mit dem Pfeifen, die Akustikgitarre kommt dazu, die unverzerrte und die verzerrte Gitarre, dann die Streicher und Chöre. Alles baut auf dieser Melodie auf, bis zum großen Crescendo. Eine siebenminütige Ballade – so etwas haben wir noch nie zuvor gemacht.“ Und das, obwohl sie es, so McCall, durchaus wollten, die einzelnen Elemente im Kopf hatten, sie aber nie zu einem überzeugenden Komplex zusammensetzen konnten. „Wir sind gewachsen, als Menschen und als Musiker!“ Dass damit das Ende der Fahnenstange – oder, um im Bild zu bleiben, die höchste Welle – noch nicht erreicht sein muss, deutet sich an, wenn McCall beginnt, ‘Darker Still’ mit anderen Rock- und Metal-Balladen zu vergleichen.

Er sieht Parkway Drive mit dem Song in durchaus illustrer Gesellschaft. „Als wir die Melodie hatten, diskutierten wir, ob wir einfach nur einen langsamen Rock-Song machen wollten – oder etwas wie ‘November Rain’ oder ‘Nothing Else Matters’. Also entweder etwas, das es in ähnlicher Form schon mal gab, oder etwas wahrhaft Herausforderndes und Episches von ikonischem Ausmaß. Ich bin froh, dass wir uns nicht davor gescheut haben, obwohl es ein großes Ziel war, das wir uns damit gesteckt hatten“, lacht er stolz und erleichtert.

Ob sie wirklich zu Guns N’ Roses und Metallica aufschließen können, muss die Zeit zeigen. Die Entwicklung der vergangenen Jahre legt zumindest nahe, dass Parkway Drive zu jenen Bands gehören, die große und immer größere Bühnen bespielen und immer breiter werdende Fan-Lager begeistern können. Längst sind sie in Dimensionen angekommen, die sie als die reine Deathcore-Band, als welche sie ihrer Karriere begonnen hatten, nie hätten erreichen können. Das schmeckt nicht jedem Anhänger der frühen Jahre. Zu soft, zu zugänglich, zu melodisch, zu metallisch und rockig seien die Australier geworden, hört man immer wieder.

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Entwaffnung

Statt sich von Ewiggestrigen die Laune verderben zu lassen, strahlt McCall unverdrießlich. „Ich bin froh, dass euch die alten Alben gefallen. Es gibt unzählige Bands, von denen ich eine bestimmte Ära liebe, von denen mir alte Sachen mehr gefallen, oder die andersherum besser geworden sind und ich neuere Sachen mehr schätze. Das Konzept, nur bestimmte Musik zu mögen, ist komplett natürlich. Aber wir wollen nicht dasselbe wieder und wieder machen, nur weil es vor zwanzig Jahren jemandem gefallen hat. Dinge sind besonders, weil sie ihre Zeit und ihren Ort haben; man kann nicht ewig daran festhalten.“ Selten zuvor klang eine Absage an Alt-Fans so unaufgeregt und entwaffnend.

Was die Band beinahe zerstört hätte, welcher grundlegende Gedanke hinter DARKER STILL steckt und welcher Alptraum unter anderem thematisiert wird, lest ihr in der METAL HAMMER-Septemberausgabe 2022.

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