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Lindemann Skills In Pills

Modern Metal, Warner 10 Songs / VÖ: 19.6.

6/ 7
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Mensch trifft Maschine. Nur: Wer wer ist, ist nicht ganz klar. Auf der einen Seite haben wir ­Peter Tägtgren, nicht als Kind von Traurigkeit bekannt, und somit zunächst als nahbarer Part des Duos prädestiniert. Ihm gegenüber steht Till Lindemann, den man von Rammstein eher als kühlen, distanzierten und gerne auch abgehobenen Frontsoldaten abgespeichert hat. Und doch sorgt der Deutsche mit simplen, aber wortgewitzten englischen Texten für unterschiedlichste ­Emotionen zwischen Sympathie und Abneigung, während der Schwede mit metallisch-industriellen Klängen den zackigen Roboterrhythmus vorgibt.

Ein Wechselspiel, aus dem das Lindemann-Doppel viel seines Charmes und seiner Dynamik zieht! Denn das gemeinsame Projekt von Peter Tägtgren und Till Lindemann ist mehr als nur die Summe seiner Teile. SKILLS IN PILLS klingt zunächst ganz ähnlich wie ein Pain-Album, auf dem Till Lindemann singt. Heißt: Simple, nach vorne gehende Rhythmen für die Metal- und Gothic-Tanztempel, wuchtige Gitarren und ohrwurmige Melodien, die mit Chören, Electro- und Orchester-Samples aufgepompt werden. In die Nähe von Rammstein rückt das Klang­konstrukt durch manch besonders zackiges Riff, das man auch schon bei den großen deutschen Brand­stiftern gehört zu haben meint, wenn nicht schon allein durch die markante Stimme. Die Rammstein-Röhre verliert nichts von ihrer Faszination, klingt sie doch auch im ­Englischen deutsch. Wie abwechslungsreich Till Lindemann die gesamte Bandbreite von ein­schmeichelndem Flüstern über ­voluminöses Grollen bis hin zum gern und oft eingesetzten theatralischen Gesang ausreizt, lässt er­ahnen, wie viel Spaß er und Tägtgren beim Experimentieren im Studio hatten.

Allerlei Obszönitäten ­(‘Golden Shower’), Provokationen (‘Praise Abort’, ‘Fat’) und Jungshumor (‘Cowboy’, ‘Fish On’) lassen diesbezüglich keine Fragen mehr offen. Vor allem aber – und das ist das Mehr von SKILLS IN PILLS – ist es erfrischend, Till Lindemann fernab von Rammstein’scher Perfektion, unperfekt und frei(er) aus der Hüfte rockend zu erleben. Lindemann wollen die schnelle Nummer statt Liebe für alle – und genau das macht dieses Album so liebenswert. Dass sich mancher Hörer an der Aufbereitung vermeintlich ernster Themen wie sexueller Identität, verschiedenen Fetischen, Potenz und Impotenz und letztlich Abtreibung stört, mag Kalkül sein – oder schlicht ein Fingerzeig darauf, dass Kunst und Satire alles dürfen und sogar müssen. Vor allem aufrühren. SKILLS IN PILLS ist auf allen Ebenen gelungen.

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