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Wir erklären Jazzcore: Diese Bands reißen Grenzen ein

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Ja, was ist eigentlich Jazzcore? Er ist getrieben und verspielt, ekstatisch und extrem. Unvorhersehbare Wechsel in Stil, Tempo und Dynamik sind charakteristisch, ebenso das im Metal und Hardcore eher untypische, dafür im Jazz heimische Saxofon. Jazzcore ist vieles – aber vor allem eines: rücksichtslos. Musikerinnen und Musiker des Jazzcore halten wenig von Normen, noch weniger von Schubladendenken. Und das macht ihre Musik mutig. Immer wieder bricht einer aus, reißt eine andere etwas ein. Jazzcore lässt sich nur schwer in Worte packen. Im Folgenden ein Versuch – zu Hilfe eilen fünf beispiellose Bands.

No Means No: Auf dem Kopf

Weil sie die Grenzen des Hardcore einrissen, bevor sich diese überhaupt festigten, hoben sich No Means No deutlich von der übrigen Szene ab. Bereits 1979 gründeten die Brüder Rob und John Wright das Projekt, vier Jahre später schloss sich ihnen Gitarrist Andy Kerr an. No Means No veröffentlichten mehrere Platten – bis ihr Langspieler WRONG die Szene gegen Ende der 80er-Jahre komplett auf den Kopf stellte. Eine Vermutung bestätigte sich: No Means No waren ihrer Zeit voraus. Um einiges. Das kanadische Trio vereinigte Hardcore mit Heavy Metal, New Wave mit Jazz. Heute gelten sie – neben Bands wie Cardiacs, Minutemen und Mr. Bungle – als Pioniere des Jazzcore.

Naked City: Schock

Etwa um dieselbe Zeit rückten Naked City auf den Plan. Gründungsvater: John Zorn. Der Klarinettist und Saxofonist zählt zu den bedeutendsten, einflussreichsten Köpfen des Jazzcore und machte sich auf diese Weise auch außerhalb der Jazz-Szene einen Namen. Charakteristisch sind überraschende Sprünge zwischen Elementen verschiedener Genres; kontrastreiche Arrangements, die mal lärmen, mal zärtlich sind. Außerdem: zahlreiche Schockmomente. Doch nicht nur mit seiner Musik erschreckte Zorn seine Hörerinnen und Hörer. Auch seine düsteren Artworks sorgten zu ihrer Zeit regelmäßig für Kontroversen. 1993 löste sich die Band auf.

The Moonchild Trio: Lautmalerei

Mike Patton ist den meisten wohl als Sänger der Alternative Metal-Band Faith No More bekannt. Darüber hinaus hat er seine Finger in zahlreichen anderen Projekten im Spiel. Darunter: The Moonchild Trio. Auch an diesem Projekt ist John Zorn beteiligt, außerdem Joey Baron und Trevor Dunn. Letzterer war, genau wie Patton, in der Jazzcore-Band Mr. Bungle aktiv. Was beim Anhören der Supergroup The Moonchild Trio besonders auffällt: Es gibt keinen Text – und trotzdem Gesang. In dieser Konstellation dient Pattons Stimme als reines Instrument. Er reiht Silben aneinander, legt keinen Wert auf das Wort. Nicht unüblich im Jazzcore. Auch Alboth! aus der Schweiz beschränken sich auf die Lautmalerei.

Fantômas: Hommage

Noch bevor er Teil der Besetzung von The Moonchild Trio wurde, verbog Patton seine Stimme für Fantômas zum Instrument. 1998 löste sich nämlich nicht nur seine kommerziell erfolgreichste Band Faith No More (vorübergehend) auf, auch initiierte er die Gründung des Jazzcore-Projekt Fantômas. Dieses wurde von Trevor Dunn, Buzz Osborne (The Melvins) und Dave Lombardo (Slayer) komplettiert. 1999 folgte ihr Debüt FANTÔMAS, das sich als konsequente Hommage an die gleichnamige Figur herausstellte. Auf dem Album enthalten sind 30 meist einminütige Tracks. Dabei vertont jeder einzelne Titel eine Seite aus einem Fantômas-Comic. Daher heißen die beispielsweise ‘Page 1’ und ‘Page 28’.

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The Dillinger Escape Plan: Die Erben

Als Gründungsmitglied und Sänger Dimitri Minakakis 2001 The Dillinger Escape Plan verließ, sprang kurzfristig – ihr ahnt es – Mike Patton ein, um die Vocals der anstehenden EP IRONY IS A DEAD SCENE (2002) aufzunehmen. Langfristigen Ersatz für die Stimme Minakakis‘ fanden sie allerdings in Greg Puciato. Zwischen 1997 und ihrer Auflösung im Jahr 2017 erschienen sechs Studioalben, die allesamt Extreme ausreizen und Grenzen einreißen. Grundlegend lässt sich die Band dem Genre Mathcore, ein Erbe des Jazzcore, zuordnen. Gleichzeitig fließen viele experimentelle Elemente anderer Genres, darunter Jazz Fusion, Grind- und Noisecore, ein.

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