Schade, dass wir Schreiberknechte zu griffigen Genre-Angaben gehalten sind: Bei der neuen Swallow The Sun würde sich auch „Black Bubbling Prog Death Of Most Sorrowful Doom“ (oder so ähnlich) anbieten. Zwar erfindet NEW MOON die finnische Todesverliebtheit nicht neu, poliert sie aber auf Hochglanz – zu dynamisch produzierten, elegant vom Kummer zernagten Mini-Epen.
Wem das alles nichts sagt, der möge sich bitte vorstellen, wie uralte Paradise Lost auf einer Klinikpackung Haloperidol durchs Geäst wanken: sehhhr laaangsam nämlich, und mental komplett ruiniert. Doch bei aller Vertrautheit birgt NEW MOON auch Überraschungen. So bekommt etwa Sänger Mikko Kotamäki (sonst hängt er wie ein Lump am Stecken) schon im Opener ‘These Woods Breathe Evil’ den Arsch hoch – leicht vornüber geneigt, versteht sich. Nach dem Black Metal-Gekeife schaltet er bei ‘Sleepless Swans’ auf Rülpsen des Todes, und ‘… And Heavens Cried Blood’ ist die Vereinigung der Doom-Pole: so entrückt wie versiegender Atem und trotzdem tonnenschwer.
Unterm Strich ist NEW MOON ein ambitioniertes, viertes Album, dessen einziges Manko im Druckabfall gegen Ende liegt: Was als solide Sechs-Punkte-CD beginnt, verschlurft sich im letzten Drittel doch ziemlich. Das mag im Sinne der Erfinder sein, tut dieser sonst recht prallen Platte aber Unrecht.
Melanie Aschenbrenner
Diese und viele weitere Rezensionen gibt es in der Januar-Ausgabe des METAL HAMMER.
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