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VR Worlds (PlayStation VR)

Spielesammlung,

5/ 7
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Foto: Sony

Fünf verschiedene VR-Erfahrungen bietet VR-Worlds, die allesamt aus dem hübsch gestalteten Übersichtsmenü zugänglich sind. Von der Tiefsee-Erfahrung samt Hai-Attacke über den rasanten Gangster-Shootout auf der Londoner Stadtautobahn bis hin zum Kampf gegen Alien-Käfer ist (fast) alles dabei. Lest hier, nach Intensität sortiert, welche Erfahrung überzeugt – und ob sich 40 € für fünf kleine Spiele wirklich lohnen.

Ocean Descent

In Ocean Descent klettert der Spieler in einen virtuellen Tauchkäfig und wird an einer Winde in die Tiefen des Ozeans herabgelassen. Während sich die Interaktion in der am besten im Stehen zu genießenden „Experience“ sehr in Grenzen hält (das höchste der Gefühle ist neben dem 360°-Rundumblick eine per DualShock 4 oder Move-Controller kontrollierte Taschenlampe), ist der Tauchgang dennoch eindrücklich. Die fein ausgearbeitete Kulisse, schicke Lichtspiele, hübsch animierte Meeresbewohner und eine tolle Unterwasser-Atmosphäre machen den Tauchgang zunächst zu einer sehr entspannten VR-Erfahrung, bevor in größerer Wassertiefe ein großer Hai auftaucht, der den Spieler zunächst argwöhnisch umkreist und schließlich aggressiv angeht. Nach und nach zerlegt der Meeresräuber den schützenden Käfig, bis er den Taucher selbst attackiert. Insgesamt eine schöne, kleine und beinahe schon typische VR-Demonstration ohne große Überraschungen (oder Übelkeitsgefahr). Eben genau das, was man Freunden und Familie zuerst präsentiert, wenn man die VR-Welt demonstrieren möchte.

Danger Ball

Danger Ball ist eine 3D-Variante des Klassikers Pong –  aus der Egoperspektive! In transparenten Arenen tritt der Spieler gegen ein KI-Paddel an und muss mit Effet und Geschick den Ball am Gegner vorbei ins „Netz“ befördern. Dabei steuert man das eigene Spielgerät mit Kopfbewegungen und verleiht der Kugel mit bestimmten Kopf-Gesten Effet oder – mit einem Zinedine-Zidane-Gedächtnis-Kopfstoß – Power. Aufgrund der unterschiedlichen Gegnertypen, die alle mit verschiedenen Spezialfähigkeiten aufwarten, sowie dem hervorragenden 3D-Effekt in den stylischen Arenen mach diese Pong-Variante richtig Spaß. Leider ist man auf Duelle gegen die KI beschränkt, denn Sony verzichtet hier auf die Einbindung eines Social Screens, bei dem ein anderer Spieler per Controller und TV in das Spielgeschehen eingreifen kann. Schade!

VR Luge

In VR Luge rast man auf ein übergroßes Longboard geschnallt durch den dichten Verkehr einer steilen Bergstraße, weicht mit Kopfbewegungen Autos und Hindernissen aus und versucht eine neue Bestzeit aufzustellen. VR Luge sollte am Besten in halb-aufrechter Liegeposition gespielt werden, weil nur dann die Position des Ingame-Körpers halbwegs mit der eigenen vereinbar ist – und nur dann die Immersion des Rasanten Downhill-Sportes so richtig greift.

Die Kopf-Neigungs-Steuerung funktioniert ordentlich, ist aber nicht zu 100 % präzise. Zudem fehlt es den Strecken etwas an Abwechslung, zumal sich nur selten wirklich neue Herausforderungen stellen. VR Luge ist durch die hohe Geschwindigkeit des Rollbretts dabei deutlich intensiver als die zuvor genannten Erfahrungen, sorgt aber durch seine klare Fahrtrichtung und die Fokussierung auf den Bereich vor dem Spieler eher nicht für Unwohlsein in der Magengegend. Dennoch nicht viel mehr als ein kurzer Zeitvertreib.

The London Heist

The London Heist ist eine kurze Gangstergeschichte, die in ihrer Erzählung an die hellen Guy-Ritchie-Momente ‘Snatch’ und ‘Bube, Dame, König, Gras’ erinnert. Der Spieler soll einen Diamanten klauen, doch durch wenig nervenstarke Co-Gangster und Missverständnisse gerät die ganze Operation zum Chaos. Verfolgungsjagden und Schießereien inklusive. Der Spieler erlebt die Action als Lightgun-Shooter, der zwar am besten mit den Move-Controllern gespielt werden sollte, da so ein größeres Mittendrin-Gefühl aufkommt, aber auch mit dem DualShock 4 hervorragend funktioniert. Besonders beeindruckend ist die große Freiheit, die die Entwickler dem Spieler im Umgang mit seiner Umgebung lassen. Viele Gegenstände können aufgehoben, betrachtet oder benutzt werden. So kann man sich am Anfang beispielsweise lässig eine Zigarre anzünden und im Gespräch damit vor dem Gesicht der Gangster herumfuchteln. Cool.

Dies erzeugt Immersion und zeigt gleichzeitig, worauf es bei dem Entwurf von VR-Umgebungen ankommt: Die Glaubwürdigkeit der Umgebung wird eher durch ihre Interaktivität als die glänzende Kulisse bestimmt. Diese ist bei The London Heist nämlich eher spartanisch. Das fällt aber nach wenigen Momenten kaum noch auf – ob man per Handgriff einen neuen Radiosender einstellen kann hingegen schon.

Auch die Gefechte machen richtig Spaß, da man hier dank VR sauber über Kimme und Korn zielt, sich aktiv hinter Deckung duckt und Gangster um Gangster wegpustet, als hätte man nie etwas anderes gemacht. Insbesondere die bereits angesprochene Autobahn-Szene, bei der man sich waghalsig aus dem Auto lehnt und teilweise gegen die Fahrtrichtung nach hinten ballert, beeindruckt. Einzig die kurze Spielzeit enttäuscht: Bitte mehr VR-Lightgun-Action dieser Qualität!

Scavengers Odyssey

Scavengers Odyssey zeigt dann, was in der VR ebenfalls ganz hervorragend funktioniert: Spiele, bei denen der Spieler im Cockpit eines beliebigen Fahrzeuges sitzt. In Scavengers Odyssey klettert man als Alien an das Steuer eines Bergbau-Mechs, der sich durch Horden von Käfer-Aliens fräsen muss, um an ein Artefakt zu gelangen. Dabei ziehen die Entwickler alle Intensitäts-Register – vor großartigen Weltraum-Panoramen klettert man teils rechtwinklige Steigungen empor, wechselt in der Schwerelosigkeit immer wieder die Orientierung oder springt große Strecken in alle Richtungen. Dennoch sorgen die Bewegungen nicht für Unwohlsein, denn eine Vignette verengt kurzzeitig den Blick in Bewegungsrichtung, was dem Gehirn die Verarbeitung des entkoppelten Bewegungs-Nichtbewegungsreizes offensichtlich vereinfacht. Auch das Ballern macht Spaß: Per Kopfbewegung richtet man die Laserkanonen des Mechs auf die Feinde, um sie dann per Tastendruck zu verdampfen. Zwar ist die Handlung eher dünn, die Action sehr geradlinig und linear und die Kulisse nur In Ordnung, generell zeigt aber auch dieser dennoch gelungene Weltraum-Ausflug, was die virtuelle Realität für bestimmte Genres leisten kann. Ein neues MechWarrior VR, in dem ich aus dem Cockpit eines MadCat Tod und Verderben regnen lassen kann? Count me in!

Fazit

Lohnt sich VR Worlds denn jetzt? Die Antwortet lautet Jein! Schlecht sind die fünf Tech-Demos keinesfalls, Galaxy Raid und The London Heist sogar sehr spielenswert. Dennoch sind 40 Euro ein stolzer Preis für Spiele, die sich eher als Technik-Demos gerieren. Wer allerdings zum Start der Virtuellen Realität zunächst einen umfassenden Blick auf die neuen Möglichkeiten (und die eigene Magenstabilität) werfen möchte, bevor er sich für ein Genre entscheidet, für den ist VR Worlds der beste Einstieg in den VR-Spielekatalog. Zum Schluss unser persönlicher Wunsch an Sony: Bitte baut The London Heist zu einem vollständigen VR-Shooter aus. Danke!

Ersteindruck PlayStation VR: Das kann Sonys virtuelle Realität!

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