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Rock im Park: So war es am Sonntag bei Linkin Park

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Hier und da schadet es nicht, sich die Festplatte zu formatieren, um wieder aufnahmebereit zu sein. Diesen Job übernehmen heute Mehnersmoos. Die Frankfurter „Arschrapper“ veranstalten eine Party sondergleichen. Dass es zum Reinkommen ‘3 Bier’ braucht – geschenkt. Die Crowd goutiert dabei sowohl neue Tracks wie ‘Nachteule’ und ‘Ausländer’ der ‘Schande für die Menschheit’, singt zwischendurch im Pop-Rock-Block zu ‘20 CM’, ‘Hätt ich gewusst’ und ‘Danke’ mit und eskaliert zu ‘Bir’, ‘Rossmann’ sowie ‘3 Uhr Nachts’. Rock im Park ist jetzt wach.

Das geht ans Herz

Das Niveau heben hernach Mastodon wieder. ‘Tread Lightly’ und ‘The Motherload’ geben schwungvoll die Richtung vor, da lassen sich auch Corey Beaulieu und Paolo Gregoletto von Trivium nicht lange bitten, von der Bühnenseite aus zuzuschauen. Anschließend widmen die Prog-Sludger ‘Your Ghost Again’ ihrem „gefallenen Bruder“ Brent Hinds, welcher vergangenes Jahr viel zu jung bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Weiter geht’s mit klassischem Liedgut à la ‘Crystal Skull’, ‘Black Tongue’ und ‘Megalodon’, zu dem es einen Circle Pit und Crowdsurfer setzt, dass es nur so staubt. Schön psychedelisch wird es bei ‘Crack The Skye’, doch nach dem unvermeidlichen ‘Blood And Thunder’ müssen die Musiker leider auch schon wieder die Segel streichen.

Metallisch wird dann erst darauf wieder mit Architects, Within Temptation und Don Broco, die alle gleichzeitig spielen. Letztere ziehen den Längeren, liefern fett ab und stellen in beeindruckender Manier gleich fünf Stücke vom aktuellen Studiowerk NIGHTMARE TRIPPING zur Schau – darunter ‘Cellophane’, ‘Disappear’ und ‘True Believers’, bei dem Sam Carter bedauerlicherweise nicht seinen Gesangs-Part mittels einer Gasteinlage zum Besten geben kann, weil „es die Leute von Rock im Park geschafft haben, Architects und Don Broco zur gleichen Zeit auftreten zu lassen“, erläutert Frontmann Rob Damiani. Egal, ‘Everybody’ fährt unwiderstehlich in die Tanzbeine der versammelten Modern Metal-Jünger.

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Zweiter Anlauf

Später ist es vergleichsweise leer bei Trivium (die Leute bringen sich offensichtlich schon in Position für Linkin Park und nehmen dabei Papa Roach mit). Das Quartett aus Orlando reißt trotzdem mit Krachern der Güteklasse ‘Strife’ und ‘The Sin And The Sentence’ mit. Zum Evergreen ‘Down From The Sky’ rudert stilecht eine Horde Fans im ersten Wellenbrecher. Nach dem ans Herz gehenden ‘Until The World Grows Cold’ freuen sich Frontmann/Gitarrist Matt Heafy und Co., im zweiten Anlauf (nach zehn Jahren) endlich Alex Rüdinger am Schlagzeug sitzen zu haben, mit dem sie nun ‘Silence In The Snow’ darbieten können.

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Hernach bringt sich der Autor dieser Zeilen schon mal in Stellung für Linkin Park und nimmt dabei den Rest von Papa Roach mit, bei denen Sam Carter keine spielplanbedingten Hindernisse hat, um eine kleine Schreieinlage bei ‘Between Angels And Insects’ zu geben. Dann mutiert die Gruppe zur „Nu Metal Time Machine“ und wuselt sich durch Korn (‘Blind’), Deftones (‘My Own Summer (Shove It)’), Limp Bizkit (‘Break Stuff’) sowie System Of A Down (‘Chop Suey’), bevor bei ‘Last Resort’ alle Dämme brechen. Frontmann Jacoby Shaddix ist danach so gerührt, dass er die ein oder andere Träne verdrücken muss.

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Eine Kunst für sich

Linkin Park präsentieren sich anschließend in seltsamer Live-Form. Während es die Welt-Stars hinsichtlich Produktion und Visuals fast übertreiben, performen die Musiker gefühlt mit angezogener Handbremse. Oft erwartet Newbie Emily Armstrong, dass das Publikum der Stimmung wegen (und zur Schonung ihrer Stimme?) Song-Teile übernimmt, was zunächst bei ‘Crawling’ grandios scheitert und später irgendwie leicht faul rüberkommt. Unter anderem Bei ‘The Emptiness Machine’, ‘One Step Closer’, ‘What I’ve Done’, ‘In The End’ und ‘Faint’ kriegt es das Sextett hin, die Studioaufnahmen bissiger als die Live-Version klingen zu lassen, was allein schon eine Kunst ist und einiges aussagt. Wo ist das Messer zwischen den Zähnen? Das riecht hier stark nach Pflichterfüllung – hintenraus zu ‘Heavy Is The Crown’ und ‘Bleed It Out’ wird es ein klein wenig besser.

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Nachdem gefühlt alle Rock im Park-Besucher, die gerade vor der Utopia Stage waren, in der Folge hinüber zu Limp Bizkit wollen, weshalb die Organisatoren den Zugang zur Mandora Stage abriegeln, überbrücken nicht wenige bei Danko Jones und Riff-Rock-Hits wie ‘First Date’ und ‘Lovercall’ die Zeit bis The Butcher Sisters die PSD Bank Nürnberg Arena so voll wie noch nie an diesem Wochenende machen – sogar die Ränge werden geöffnet und sind komplett belegt.

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Die Mannheimer geben mit dem brutal fetten ‘Bierosaufus Ex’ den Härtegrad der Show vor – und spätestens nach dem Eurodance-Revival ‘White Monster’ ist klar: Die ganze Halle frisst „diesen wild gewordenen Moschusochsen“ aus den Händen. Ein selig machender Augenblick jagt den nächsten (unter anderem ‘Der Nudelsong’, ‘Herr Dokter’ und ‘Bierdurst’), bis Shouter und Clean-Sänger Stroppo bei ‘Klettergerüst’ zusammen mit einem Kerl aus dem Auditorium „auf einem rechten Pferd“ (aka einem Bananenboot) eine Crowdsurf-Runde dreht. So legt die Band der Stunde einen mehr als würdigen Rock im Park-Abschluss aufs Parkett.


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Lothar Gerber schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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