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Carcass Surgical Steel

Death Metal, Nuclear Blast/Warner 11 Songs

6.0/ 7
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Foto: METAL HAMMER

Comeback-Platten sind ein zweischneidiges Schwert: Man freut sich darauf, endlich wieder frisches Material seiner Helden zu hören, doch zugleich hat man Angst, dass die Band nicht mehr an alte Glanzzeiten anschließen kann. Bei Carcass können Fans jedoch erleichtert aufatmen: Die Operation Reunion-Album ist rundum gelungen. Der englische Patient ist nicht nur am Leben, sondern auch in Bestform.

Carcass sind jetzt in der Besetzung Jeff Walker (Gesang, Bass) und Bill Steer (Gitarre) plus Unterstützung durch die Trigger The Bloodsheds Daniel Wilding (Drums) und Ben Ash (Live-Gitarre) aktiv, wobei Walker und Steer den harten Songwriting-Kern bilden. Ken Owen, der ehemalige Schlagzeuger, der 1999 eine Hirnblutung erlitt und seither an deren Folgen leidet, ist nicht an den Trommeln aktiv, hat aber einige Background-Vocals zu SURGICAL STEEL beigesteuert. Ebenfalls nicht mit von der Partie ist der ehemalige Carcass-Gitarrist Michael Amott, was im Vorfeld der Albumveröffentlichung für einige Spekulationen bezüglich der stilistischen Ausrichtung von SURGICAL STEEL gesorgt hatte.

Denn Amott war erst in der Death Metal-Phase von Carcass zur Band gestoßen – deswegen lag nahe, dass sich Walker und Steer für eine Rückkehr zu ihren Grind-Tagen entschließen würden. Haben sie aber nicht. SURGICAL STEEL schließt stilistisch die Lücke zwischen NECROTICISM: DESCANTING THE INSALUBRIOUS und HEARTWORK, mit einigen Zitaten der frühen Alben, aber durchaus auch einigen SWANSONG-Momenten. Der überwiegende Teil des Materials jedoch geht klar in Richtung Carcass anno 1990–1994. Nicht ohne Grund erinnert das neue Cover an die TOOLS OF THE TRADE-EP aus dem Jahr 1992: Es passt thematisch, schließt alle Phasen der Band-Karriere bis zu diesem Zeitpunkt ein – und ganz nebenbei sieht es noch verdammt cool aus.

Ähnlich cool sind auch die meisten Songs. Denn Carcass haben es geschafft, bei aller Präzision und Brutalität dennoch eine gewisse Lockerheit zu bewahren, die Liedern wie ‘A Congealed Clot Of Blood’ Kraft und zugleich Lässigkeit verleiht. Hier wirkt nichts gekünstelt, obwohl SURGICAL STEEL natürlich auch ein selbstreferenzielles Album ist. Wer den Carcass-Backkatalog verinnerlicht hat, wird an etlichen Stellen aufjuchzen, weil er Stilelemente oder Melodien wiederkennt (man vergleiche etwa die schwindelerregende Gitarrenarbeit von ‘Noncompliance To ASTM F 899-12 Standard’ mit der von ‘Heartwork’).

Die 18-jährige Albumpause, vor allem aber die letzten Jahre Live-Erfahrung haben Walker und Steer gutgetan. Sie haben erkannt, was die Fans an Carcass schätzen – und setzen diese Erkenntnisse nun punktgenau um. Dabei gehen sie mit einer Präzision zu Werke, die schlicht umwerfend ist. Es gibt derzeit wohl keine Death Metal-Band, die ihre Songs derart schnell auf den Punkt zu bringen vermag. In Sachen „Song-Eröffnung“ sind Carcass die ungeschlagenen Meister ihres Fachs.

Binnen Sekunden ist klar, wo es langgeht – und die Gänsehaut kriecht beim Maiden-mäßigen Intro ‘1985’, Brachialgranaten wie ‘Cadaver Pouch Conveyor System’ und ‘The Master Butcher’s Apron’ oder der gottgleichen Hymne ‘The Granulating Dark Satanic Mills’ so rasant den Rücken hinauf, dass man sich fühlt wie in einem Alien-Film. Unglaublich und wunderbar zugleich. Hier meldet sich nicht nur eine Band zurück – wir können uns auf noch viel, viel mehr freuen.

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