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Judas Priest Notradamus

Heavy Metal, Sony 23 Songs / 102:46 Min. / 13.06.2008

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Foto: Sony

Mal ehrlich: Wer ist so bescheuert und erwartet von der neuen Priest ein zweites PAINKILLER, KILLING MACHINE, DEFENDERS OF THE FAITH oder SCREAMING FOR VENGEANCE? Das Comeback ANGEL OF RETRIBUTION lag stilistisch auf dieser Schiene – und dennoch gab es einiges auf die Mütze.

Judas Priest ist eben eine Band, die polarisiert und die es nicht jedem recht machen kann und auch nicht will. NOSTRADAMUS ist ein episch angelegtes, musikalisch hochwertiges Konzeptalbum mit bisher von Priest nicht gekannten Facetten. Und es ist ein saugeiles Album, ein Erlebnis mit beeindruckendem Tiefgang, faszinierender Dynamik und enormer Substanz.

NOSTRADAMUS wirkt zu keiner Phase überambitioniert oder überladen, sondern durchweg warm und intensiv. Es transportiert mit seinen dunklen, melancholischen Melodien bei genauerem Hinhören sogar Siebziger-Atmosphäre wie auf SAD WINGS OF DESTINY. Die Zwischenspiele werden perfekt integriert und steigern die Spannung zu den jeweils dadurch eingeleiteten Songs. Bestes Beispiel ist das tolle ‘Sands Of Time’. Klar agieren die Engländer eher getragen und weniger metallisch und hart als auf vielen ihrer früheren Werke, aber ‘Prophecy’, ‘Revelations’, ‘Persecution’, das überragend gesungene ‘Exiled’, das an die Achtziger erinnernde ‘Visions’, das brachiale ‘Nostradamus’ und das monumentale, leicht progressive, mit überragenden Gitarren-Passagen auftrumpfende ‘Future Of Mankind’ sind Songs, die nicht viele Bands zu komponieren imstande sind. Eine Ballade wie ‘Lost Love’ sorgt für Gänsehaut. Rob Halford bietet seine variantenreichste und gefühlvollste Gesangsleistung dar. Er liegt damit ein kleines Stück über Eric Adams, Geoff Tate oder Bruce Dickinson, weil er noch mehr Emotionen freisetzen kann. Leute, tut euch selbst einen Gefallen, glaubt den oberflächlichen Ignoranten kein Wort und gebt NOSTRADAMUS eine Chance.

Ihr werdet lange daran Freude haben. Warum bei dieser Begeisterung nicht die Höchstnote? Weil NOSTRADAMUS Zeit benötigt und durch die Detailverliebtheit wohl erst in einigen Monaten sein wahres Gesicht zeigen wird.


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