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Slayer: Zehn Momente, in denen der Band alles egal war

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Kündigt eine Band ihren Abschied an, schaut man gerne auf ihre Karriere zurück. So auch bei Slayer, obwohl Tom Araya im Titel-Track des letzten Albums REPENTLESS singt: „Kein Zurückblicken, kein Bereuen, keine Entschuldigungen.“ Revolver Mag sammelte zehn Momente, in denen Slayer einfach Slayer waren:

1. Die erste US-Tournee

Obwohl Slayer bereits viele Konzerte als der US-Westküste mit ihrem 1983er-Debüt SHOW NO MERCY gespielt hatten, ließ sich die Band bis Herbst 1984 Zeit, um den Rest von Nordamerika zu bereisen. Allerdings hatten sie weder Geld, noch einen Manager, und als „Tour-Bus“ diente Tom Arayas Chevy Camaro. „Wir schliefen in Kellern und Lagerräumen“, erinnert sich der Sänger.

„Keine Ahnung, wie wir das überlebt haben.“ Irgendwann begann einer der Frontscheinwerfer des Wagens zu flackern, daher musste Kerry King als Pannenhelfer einspringen. Das sah dann so aus, dass King so lange auf den Scheinwerfer einschlug, bis er wieder durchgehend leuchtete. „Das hat sehr gut funktioniert“, erinnert sich King. „Bis auf das eine Mal, als es zu kalt war – dann ist das Teil zersplittert.“

2. Pinkeln auf Idole

Bei der 1985er-„Combat Tour“ ging für die jungen Thrasher ein Traum in Erfüllung: Zusammen mit Venom und Exodus durchs Land zu reisen, brachte Slayer zudem einen großen Schritt vorwärts. Schlagzeuger Dave Lombardo erzählte im Rückblick, dass es für Slayer erstmals in einen Tour-Bus ging: „Am Anfang waren Venom noch mit diesen kostspieligen Gefährten unterwegs.

Doch gegen Ende der Tournee waren sie pleite und mussten auf Autos zurückgreifen. Jedenfalls: Jeff und ich haben zusammen mit Cronos in so einem Bus etwas getrunken und ‚Hell Awaits‘ gejammt. Plötzlich kam ein besoffener Tom in den Bus und fragte, wo das Klo sei, da er dringend pissen müsse. Cronos sagte: ‚Direkt hier, in meinen Mund‘. Tom nahm das aber wörtlich… Er zog seine Hose runter, holte sein Ding raus und fing an, auf Cronos zu pinkeln. Der sprang auf, packte Tom und schlug ihm ordentlich eine rein. Den Rest der Tour absolvierte Tom mit einem blauen Auge.“

3. Inspirationen aus der Nazizeit

Die größten Kontroversen um Slayer drehten sich zweifelsohne um ihre Nazi-Referenzen, sei es in den Texten oder dem Artwork. Doch die Band machte nie einen Rückzieher diesbezüglich. Selbst als die Band von Geffen Records wegen der ‚Angel Of Death‘-Lyrics fallengelassen wurde, hieß es von Seiten Slayer nur, dass diese Faszination für die Nazi-Geschichte und -Ästhetik die gleiche sei wie jene für Serienkiller oder blutige Kriegsschlachten.

Sogenannte Herrenrasse-Vorwürfe konnten sowieso nicht aufrechterhalten werden, schließlich ist Araya Chilene und Lombardo Kubaner. Hanneman, Texter von ‚Angel Of Death‘, sah in dem Song lediglich die Ergründung, nicht das Anpreisen eines dunklen Kapitels der Menschheitsgeschichte. „Man sollte über alles schreiben dürfen, worauf man Lust hat“, so der Gitarrist 1987. „‚Angel Of Death‘ ist eine Art Geschichtsstunde. Ich habe viel über das Dritte Reich gelesen und bin fasziniert davon, wie extrem das alles war.

Es ist nahezu unvorstellbar, wie es Hitler möglich war, die ganze Nation zu hypnotisieren und alles zu tun, worauf er Lust hatte und was dazu führte, dass Mengele vom Arzt zum Schlachter wurde.“ Jeff Hanneman sagte 2004 aus: „‚Angel Of Death‘ wird deshalb immer wieder missinterpretiert, weil die Leute reflexartig darauf reagieren, dass im Text nicht vorkommt, dass Mengele ein schlechter Mensch gewesen ist. Aber… ist das nicht offensichtlich?“

4. Satanische Einflüsse

Von ‚The Antichrist‘ (SHOW NO MERCY) bis zum blutigen Jesus auf dem REPENTLESS-Cover gab es bei Slayer immer antichristliche und satanische Themen sowie auch Illustrationen. Konservative Christen verspürten Furcht und Ekel vor dieser Band, und die Vermutung, Slayer stehe für „Satan Laughs As You Eternally Rot“, ließ brave Bürger davonrennen.

Doch Tom Araya, der als Katholik aufgewachsen ist und in vielen Interviews seinen Glauben an einen „allliebenden Gott“ zum Ausdruck brachte, wurde nie mit den Texten oder dem bösen Ruf der Band konfrontiert. „Kerry hat wirklich extrem verrückten Kram geschrieben“, gab Araya 2006 zur Protokoll. „Aber wenn es ein guter Song ist, lehne ich ihn nicht ab, nur weil er das Gegenteil meines Glaubens darstellt.

Ich sage dann eher: Das ist wirklich geiler Scheiß, das wird die Leute anpissen.“ Und wenn der Frontmann gefragt wurde, ob es kein Problem für ihn sei, verwies er stets auf seinen starken Glauben. „Das sind doch lediglich Wörter, die mich niemals davon abbringen werden, woran ich glaube und wie ich fühle. Wer sich von Slayer-Texten oder auch irgendwelchen Büchern in eine bestimmte Richtung drängen lässt, hat ganz andere Probleme.“

5. Anstiftung zur Selbstverletzung

DIVINE INTERVENTION (1994) ist sicher nicht das Lieblingsalbum vieler Slayer-Fans, und selbst King und Araya zeigen sich unzufrieden mit dessen Sound. Doch diese Scheibe hat ihre ganz eigene, bemerkenswerte Geschichte. Steind es allgemeinen Anstoßes sind die Unterarme des südkalifornischen Die-Hard-Fans Michael Meyer, der sich das Slayer-Logo ins Fleisch schneiden ließ, was von der Band gefilmt und für das 1995er-LIVE INTRUSION-Video verwendet wurde.

„‚Raining Blood‘ ist mein absoluter Lieblings-Song“, sagte Meyer 2016 in einem Interview. „Als Slayer LIVE INTRUSION rausbrachten, das damit anfängt, wie in Zeitlupe meine Unterarme aufgeritzt werden und die Flammen züngeln, dachte ich mir nur: Das ist großartig!“ Die meisten Bands würden solch eine Aktion eines Fans sicher nicht unterstützen, speziell vor dem Hintergrund, dass dadurch viele andere ebenfalls zur Selbstverletzung animiert werden könnten.

Doch Slayer hatten keine Bedenken, wie eine Aussage von Kerry King 1995 belegt: „Wir haben das gemacht, weil die Realität viel furchteinflößender ist als jegliche Schminke oder Verkleidung.“

6. Das Album mit Hardcore Punk-Cover-Versionen

1996 war kein gutes Jahr für Metal. Bands wie Tool (AENIMA), Marilyn Manson (ANTICHRIST SUPERSTAR) oder Korn (LIFE IS PEACHY) spülten neue Variationen ins Genre, während etablierte Bands wie Metallica oder Pantera mehr oder weniger erfolgreich auf der Suche nach neuen Wegen waren. Slayer hingegen war das wie gewohnt alles egal und brachten ein Album raus, das komplett anders und unmodern war und gleichzeitig der angesagten Pop-Punk-Szene einen räudigen Mittelfinger entgegenstreckte.

UNDISPUTED ATTITUDE ist voller Cover-Versionen von Achtziger-Hardcore-Punk-Bands wie Verbal Abuse, Minor Threat, T.S.O.L. oder D.R.I., was Kerry King zufolge „als Rebellion gegen Bands wie Green Day oder Offspring“ gedacht war. „Es ist nicht ihre Schuld, dass sie von allen als Punk-Bands bezeichnet wurden. Doch Jeff und ich wussten: Das ist kein Punk, Leute. Das hat uns geärgert, und deswegen ist UNDISPUTED ATTITUDE entstanden.“

7. Die strittige Änderung einer Minor Threat-Textzeile

Für erwähntes Album UNDISPUTED ATTITUDE wurde auch der bekannteste Minor Threat-Song ‚Guilty Of Being White‘ ausgesucht. Ian Mackay, Sänger der Straight-Edge-Hardcore-Band, schrieb darin über seine eigenen Erlebnisse. In der Highschool wurde er einst von den Schwarzen gemobbt, trotzdem wurde der Song oft als pro-rassistisch eingestuft, was Mackaye immer wieder dementierte. Araya goss mit der Slayer-Version noch mehr Öl ins Feuer.

Die Schlusszeile „Guilty of being white“ änderte der Frontmann zu „Guilty of being right“, was Mackaye als Angriff auffasste, genauso wie der frühere Minor Threat-Gitarrist Brian Baker sehr unzufrieden mit der textlichen Modifikation war. „Wir treiben Dinge eben gerne auf die Spitze“, ließ King diesbezüglich wissen. „Tom hat diesen Part gesungen, genau mit dieser kleinen Änderung, und ich fand das sehr cool. Es ist ziemlich ironisch.“

8. Der Song ‚Jihad‘

Als am 8. August 2006 CHRIST ILLUSION erschien, war die USA noch immer von den Ereignissen des 9.11.2001 traumatisiert. Doch wer dachte, Slayer würden sich diesbezüglich anpassen, lag falsch. Das Gegenteil war der Fall: ‚Jihad‘ handelt von Terroranschlägen und, um das Ganze auf die Spitze zu treiben, enthält es Zeilen, die von Mohammed Atta verfasst wurden, einem der Anführer des 9/11-Anschlags.

Natürlich ergaben sich weltweit Entrüstungsstürme, und beispielsweise rief EMI Indien sämtliche CHRIST ILLUSION-Exemplare zurück. Doch ‚Jihad‘ war nur ein weiterer Fall der Marke: Slayer sind eben Slayer. „Wir hatten das erwartet“, erzählte Hanneman 2006 über den gemeinsam mit Araya verfassten Text. „Aber es ist wirklich, wie ‚Angel Of Death‘, nicht mehr als eine Dokumentation.

Aber da wir Slayer sind, betrachten wir es nicht aus der Opfersicht, sondern der des Täters. Die ‚Jihad‘-Lyrics kommen gewisserweise aus dem Blickwinkel eines Terroristen, nicht eines Opfers.“

9. Nichtteilnahme am historischen „Big 4“-Jam

Im Sommer 2010 beherrschte ein Event die Metal-Welt: Die „Big 4“-Konzerte. Sieben Festivaldates in Europa mit Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax, was zum riesigen Erfolg wurde. Als Höhepunkt gilt die Show in der bulgarischen Hauptstadt Sofia am 22.6., bei der fast sämtliche Musiker der vier Bands gemeinsam ‚Am I Evil?‘ von Diamond Head jammten. Aber von Slayer nahm außer Dave Lombardo keiner an diesem historischen Jam teil… Was war los? Kerry King war entschuldigt, er arbeitete am Video des Slayer-Live-Auftritts jenes Abends.

„Dave Mustaine und James Hetfield kamen beide auf mich zu und meinten, es wäre sehr cool, wenn wir auch mitmachen würden“, erinnerte sich King an jenen Tag. „Doch ich wusste, dass Jeff und Tom keine Lust darauf hatten. Ebenso war mir klar, dass keiner von beiden das Video bearbeiten und schneiden würde, obwohl es dringend und schnellstmöglich fertiggestellt werden musste. Darum sagte ich den Jam ab.“

2011 äußerte sich auch Araya dazu: „Dave Lombardo jammt gerne mit anderen Leuten, aber ich mag das nicht. Und dann noch der Song ‚Am I Evil?’… Hätten sie gesagt, lass uns ‚The Four Horsemen‘ spielen, wäre ich dabei gewesen. Scheiße, den Song hätte ich gemacht! Darauf hatte ich gehofft. Aber ‚Am I Evil?‘ repräsentiert die Big 4 nicht und auch nicht das, was wir als Bands tun. Wir spielen viel heavier.“

10. Die Abschiedstournee

Die USA haben Slayer bereits hinter sich, und November/Dezember 2018 führt die Abschiedstournee durch Europa. Doch was genau bedeutet das eigentlich? Nach wie vor werden weitere Live-Termine angekündigt.

Weiterhin gaben Slayer keine Statements über eine Band-Auflösung ab und während dieser Tournee gibt die Band auch absolut keine Interviews. Man kann nur spekulieren, und auch das ist Slayer mal wieder: egal.

Quelle: Revolver Mag


SLAYERGRAPHIE

In unserer METAL HAMMER-Novemberausgabe warfen wir nochmals einen Blick zurück auf die komplette Albumdiskografie von Slayer:

SHOW NO MERCY

(Metal Blade, 1983)

„Blasting our way through the boundaries of hell. No one can stop us tonight.“ Mit diesen Zeilen und dem Song ‘Evil Has No Boundaries’ führen sich ein paar chaotische Bengel aus der Nähe von Los Angeles anno 1983 in die Welt des Heavy Metal ein. Und wie! Beeinflusst von Venom, Exodus, Motörhead und (angeblich) auch Metallica legen Tom Araya und Co. einen Traumstart hin. Die später als klassisch geltende Besetzung Araya/King/Hanneman/Lombardo ist bereits am Start und der Truppe gelingt es, aus dem Stand ein paar veritable Hits zu schreiben. ‘Evil Has No Boundaries’, ‘The Antichrist’ und ‘Die By The Sword’ eröffnen das Album und finden sich bis heute immer mal wieder im Liveset der Totschläger. Aber auch ‘Fight Till Death’, ‘Metal Storm / Face The Slayer’ oder ‘Tormentor’ besitzen unwiderstehlichen Charme. ‘Black Magic’ und das Titelstück dürfen bei der Aufzählung der Höhepunkte nicht vergessen werden, sodass am Ende festzuhalten bleibt: Slayer haben sich bereits mit ihrem Debüt ein Denkmal gesetzt. (Marc Halupczok)

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HELL AWAITS

(Metal Blade, 1985)

Mit ihrem zweiten Werk entfernen sich Slayer deutlich vom Kurs des Debüts, die Songs sind wesentlich länger und abwechslungsreicher, und die Arrangements ausgeklügelter. King und Hanneman (die laut eigenen Angaben zu jener Zeit eine Menge Mercyful Fate hörten) glänzen zudem zum ersten Mal mit ihren schnellen, dissonanten Soli, was der Musik eine neue Chaosdimension verleiht. Neben dem Titelstück, bei dem zu Beginn die Aufforderung „Join us“ rückwärts abgespielt zu hören ist, ragen ‘At Dawn They Sleep’, ‘Necrophiliac’ (von Araya live immer mit einem besonderen Lächeln angesagt) und ‘Crypts Of Eternity’ heraus. Obwohl das Album keinerlei Chart-Platzierungen zu verzeichnen hatte, gilt es als das vielleicht einflussreichste Werk der Band. Unzählige Künstler aus dem Extrem-Metal-Bereich berufen sich bis heute auf HELL AWAITS und seinen düsteren, morbiden Charme. Kein Wunder, denn das in nur knapp drei Wochen eingeholzte, von Metal Blade-Chef Brian Slagel produzierte Album klingt im Gegensatz zum Debüt trotz seiner zahlreichen Hall-Effekte zeitlos. (Marc Halupczok)

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REIGN IN BLOOD

(Def Jam, 1986)

Ein Schrei, ein Riff, der Höllenritt beginnt. Niemals in der Geschichte des Thrash Metal wurde in 28 Minuten und 59 Sekunden so viel gesagt. Slayer wenden sich Ende 1985 von ihrem Ziehvater Slagel sowie dessen Label Metal Blade ab und begeben sich unter die Fittiche von HipHop-Mogul Rick Rubin und dessen Major-Vertrieb. Jener verschreibt REIGN IN BLOOD einen trockenen Sound, der eher an Hardcore denn Metal denken lässt. Dazu passt, dass sich Slayer ebenfalls von diesem Genre beeinflussen lassen und bei ihren Songs gerne unter der Drei-Minuten-Marke bleiben. Stücke wie ‘Angel Of Death’, ‘Piece By Piece’, ‘Jesus Saves’, ‘Criminally Insane’ oder ‘Postmortem’ sind wie Schläge ins Gesicht und bringen Generationen zum Ausflippen. Schnell, schneller, Slayer! Das abschließende ‘Raining Blood’ nimmt noch mal eine Ausnahmestellung ein, denn hier spielt das Quartett seinen Trademark-Song überhaupt ein. Noch in hundert Jahren wird man dieses Riff hören und ehrfurchtsvoll „Slayer“ flüstern. Es sei denn, die Menschheit ist bis dahin komplett verblödet. (Marc Halupczok)

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SOUTH OF HEAVEN

(American Recordings, 1988)

SOUTH OF HEAVEN ist neben REIGN IN BLOOD der zweite Ankerpunkt in der Karriere von Slayer. Mit diesen beiden Alben zurren die Thrasher fest, in welchem musikalischen Kontext die folgenden 30 Jahre verlaufen werden. Nachdem der Vorgänger im Genre an Rasanz, Wucht und Geschwindigkeit (im Übrigen bis heute) kaum zu überbieten ist, finden die Kalifornier auf SOUTH OF HEAVEN neue Ausdrucksformen und realisieren: Auch im Midtempo können satanische Botschaften transportiert werden. Böser als im Intro des Titellieds geht es kaum. Wenn ‘South Of Heaven’ ins Rollen kommt, herrscht später absoluter Headbang-Zwang (egal, wie oft man diese Nummer schon gehört hat). Das Erstaunliche: In manchen Passagen wirkt SOUTH OF HEAVEN trotz geringerer Geschwindigkeit mindestens genau so heftig wie der Vorgänger. Die Dynamik ist aufgrund der Ausrichtung ohnehin höher. Das Titellied ist aber nicht der einzige Klassiker, der zum festen Bestandteil eines Slayer-Gigs zählt: ‘Mandatory Suicide’ gehört ebenfalls in diese Kategorie. SOUTH OF HEAVEN eröffnete Slayer die Pforten zur musikalischen Flexibilität. (Matthias Weckmann)

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SEASONS IN THE ABYSS

(American Recordings, 1990)

Anstatt einer nochmaligen Richtungskorrektur setzen Slayer 1990 auf die Verfeinerung dessen, was zwei Jahre zuvor auf SOUTH OF HEAVEN die Fans begeistert hat. Midtempo bleibt das überwiegende Gebot, dazu gesellen sich scharfkantige Riffs und Soli. Im Ergeb­nis ist SEASONS IN THE ABYSS vielleicht das „am leichtesten verdauliche“ Album in der Band-Historie, zumal der Sound volle Fettigkeit auffährt, was den groovigen Charakter des Materials nochmals unterstreicht. Der aufwändig und grandios insze­nierte Videoclip zum Titel-Song, der in Ägypten vor den Pyramiden gedreht wurde, erhält auf den Videokanälen massives Airplay (auch dank ‘Beavis And Butt-Head’). Im Grunde ist ‘Seasons In The Abyss’ der Bruder von ‘South Of Heaven’, mit sinistrem Intro, großartiger Dynamik und einem Rhythmus, der dem Hörer unweigerlich den Hals abschraubt. Mit ‘War Ensemble’, ‘Dead Skin Mask’, ‘Spirit In Black’, ‘Blood Red’ und ‘Hallowed Point’ spuckt SEASONS IN THE ABYSS weitere Slayer-Evergreens aus. Möglicherweise das Werk mit dem größten Hit-Anteil (falls man das bei dieser Band überhaupt sagen darf). (Matthias Weckmann)

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DIVINE INTERVENTION

(American Recordings, 1994)

Zu lange Pause? Nach drei Hit-Scheiben im Zwei-Jahres-Rhythmus folgt vier Jahre später die metallische Ernüchterung: DIVINE INTERVENTION kann den Vorgängeralben nicht mal ansatzweise das Heineken-Bier reichen. Vielleicht liegt es auch daran, dass Dave Lombardo seinen Platz räumte und mit Paul Bostaph ein neuer Mann am Schlagzeug integriert werden muss. Oder daran, dass Slayer von der neuen Thrash Metal-Bewegung von Bands wie Pantera oder Machine Head (Letztere bieten Slayer auf Tour mit ihrem legendären Debüt BURN MY EYES die Stirn) überrascht werden. Auf die Frage, wie aktuell Slayer Mitte der Neunziger noch sind, findet DIVINE INTERVENTION kaum Antworten. Die kleinen Skandälchen ­(‘SS-3’ lautete das Auto-Kennzeichen des deutschen SS-Obergruppenführers Reinhard Heydrich, ‘213’ war die Hausnummer des Serienmörders Jeffrey Dahmer, und im Booklet ist der Arm eines Fans zu sehen, der sich den Slayer-Schriftzug einritzt), die hierzulande zu einer Indizierung führen, können nicht kaschieren, dass King und Co. zum ersten Mal in ihrer Karriere angestaubt und kreativ ernüchternd wirken. METAL HAMMER fragt zu Recht direkt auf dem Cover zur dazugehörigen Titelgeschichte: „Die Enttäuschung des Jahres?“ (Matthias Weckmann)

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UNDISPUTED ATTITUDE

(American Recordings, 1996)

Slayer-Fans verzeihen ihren Helden so gut wie alles. Umso unverständlicher, dass UNDISPUTED ATTITUDE als das ungeliebte Werk in die Band-Geschichte ein­gehen wird. Dabei ist die Idee dahinter gar nicht mal so abwegig: Ohne Hardcore und Punk hätten Slayer niemals die Aggression und das Tempo entdeckt, aus dem der Thrash Metal nun mal seine Energie bezieht. Als sich der Versuch eines Metal-lastigen Cover-Albums nicht so leicht in der Umsetzung entpuppt (selbst ein The Doors-Cover steht kurz­fristig im Raum), greifen die Musiker zu Plan B. Gut, nicht ganz: Mit ‘Gemini’ schafft es eine typische Eigenkomposition in die Endauswahl. Ansonsten dominieren Cover-Versionen von Verbal Abuse (gleich drei Mal), Minor Threat (wegen einer ironisch gemeinten Textverballhornung von „White“ zu „Right“ auftretende Rassismusvorwürfe empfinden Slayer als „lächerlich“), D.I. oder D.R.I. Aus dem The Stooges-Klassiker ‘I Wanna Be Your Dog’ machen die vier ‘I’m Gonna Be Your God’, Hanneman steuert zwei Songs seines alten Nebenprojekts Pap Smear bei, und fertig ist eine knappe halbe Stunde ganz grober Slayer-Spaß. Die famos-rotzige Produktion von Dave Sardy (was für eine Snare…) setzt diesem Album die Krone auf. UNDISPUTED ATTITUDE hat alles, was Fans an dieser Band so lieben: Brutale Riffs, rasante Tempi und jede Menge rohen Hass. Der absolute Geheimtipp im Slayer-Katalog und sogar das Herzensalbum des Autors. (Tom Küppers)

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DIABOLUS IN MUSICA

(American Recordings, 1998)

Mit der Cover-Scheibe UNDISPUTED ATTITUDE (1996) hatten Slayer Fans und Medien überrascht. Anstatt – wie im Original geplant – bekannte Heavy Metal-Klassiker von Judas Priest oder beispielsweise U.D.O. neu zu interpretieren, präsentierte das Quartett seine Einflüsse aus dem harten Punk- und Hardcore-Bereich. Diese Herangehensweise schlägt sich auch zwei Jahre später auf dem siebten Studioalbum DIABOLUS IN MUSICA nieder. Groove war schon auf einigen Vorgängeralben der bestimmende Faktor, nur setzen ihn Slayer jetzt anders ein. Das Material besitzt einen vergleichsweise hohen modernen Anteil, ohne die Thrash-Wurzeln vermissen zu lassen. Slayer schlagen geschickt die Brücke zwischen ihrer eigenen musikalischen Historie und der Neuzeit. Gleichwohl ist auch hier noch zu spüren, dass die Band auf der Suche nach sich selbst ist. Mit ‘Stain Of Mind’ und ‘Bitter Peace’ gibt es zumindest zwei Lieder, die es ab und zu noch in die Setlist eines Konzerts schaffen. Und dass Slayer ihr klassisches Logo auf dieser Scheibe opfern, haben die Fans DIABOLUS IN MUSICA bis heute nicht verziehen. (Matthias Weckmann)

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GOD HATES US ALL

(American Recordings, 2001)

Der letzte Zweifel daran, dass Slayer mit dem Teufel im Bunde stecken, wird am 11. September 2001 ausgelöscht. Der Tag, an dem ein Terroranschlag die Welt verändern soll, gebiert auch ein Album, mit dem sich Slayer in großen Schritten der zuletzt verloren gegangenen Essenz der Band annähern: Extravaganzen und Experimente der Neunziger bleiben weitestgehend draußen; New Metal-Einflüsse lassen sich noch punktuell heraushören (‘Here Comes The Pain’, das ‘Bloodline’-Solo), und viel öfter zeigt sich GOD HATES US ALL dem Hardcore zugeneigt (‘Payback’, die abgehackten Groove-Parts von ‘Cast Down’ oder ‘Threshold’) – vor allem aber rücken klassisch-kompromisslose Slayer-Klänge in den Fokus, die in intensiven Songs wie ‘Disciple’ oder ‘God Send Death’ gipfeln. Die Rückkehr des altbekannten Logos (zumindest auf dem ursprünglichen Artwork) kommt nicht von ungefähr; Arayas kampflustiger Gesang und die disharmonischen Soli lassen ohnehin keine Verwechslungsgefahr aufkommen. Der frische Wind durch Produzent Matt Hyde tat zudem hörbar gut. (Sebastian Kessler)

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CHRIST ILLUSION

(American Recordings, 2006)

Schon mit dem Album-Artwork geben Slayer keinen Zweifel an ihrer Kompromisslosigkeit! Der verstümmelte Jesus aus der Feder von Larry Carroll, der den Look der Band schon zu REIGN IN BLOOD, SOUTH OF HEAVEN und SEASONS IN THE ABYSS prägte wie kein Zweiter, brachte den Thrashern einigen Ärger ein. Das düstere Album ist geprägt von den Terroranschlägen des 11. September; ‘Jihad’ ist das einzige Stück von CHRIST ILLUSION, das es in die Setlist der Abschieds-Tour geschafft hat. Dies deutet es bereits an: Viel memorables Song-Material haben Slayer hier leider nicht geschaffen, sondern eher den Weg für die drei Jahre später folgende Machtdemonstration geebnet. Dennoch: CHRIST ILLUSION klingt traditioneller und lebendiger als sein Vorgänger; einerseits dank Produzent Josh Abraham (der zuvor für moderne Rock-Alben von unter anderem Coal Chamber, Limp Bizkit und Crazy Town verantwortlich war), andererseits dank des zeitweise zurückgekehrten Original-Drummers Dave Lombardo. Die klare Kante lassen sich Slayer hier nicht absprechen! (Sebastian Kessler)

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WORLD PAINTED BLOOD

(American Recordings, 2009)

Dass dies das letzte Album mit Jeff Hanneman werden soll, konnte seinerzeit niemand ahnen. Im Rückspiegel umso befriedigender, dass sich mit WORLD PAINTED BLOOD ein Kreis schließt: Slayer nähern sich noch deutlicher als auf den Vorgängern der Anmutung ihrer legendären Achtziger Jahre-Alben an, ohne auch nur eine Sekunde retro oder altbacken zu klingen. Einzig ‘Americon’ und ‘Human Strain’ ist das neue Jahrtausend deutlich anzuhören, was diese Songs auf dem Album ein wenig wie Fremdkörper wirken lässt. ‘Beauty Through Order’ zitiert kaum verhohlen ‘Raining Blood’,‘Playing With Dolls’ atmet den Geist von ‘Seasons In The Abyss’, und das irre ‘Psychopathy Red’ hielt sich satte sieben Jahre in der Setlist. Der ehrliche Sound von Produzent Greg Fidelman (im Duo mit Rick Rubin) setzt Tom Arayas herrlich hasserfüllten Gesang in den Vordergrund, lässt die Gitarren ordentlich knackig klingen und beeindruckt mit sattem Sound für Dave Lombardos Schlagzeugspiel. Ein wichtiges Spätwerk und würdiges Vermächtnis von Jeff Hanneman. (Sebastian Kessler)

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REPENTLESS

(Nuclear Blast, 2015)

Wohin sollte die Reise nach dem Tod von Jeff Hanneman gehen, dem so viel Einfluss auf den unverkennbaren Slayer-Stil nachgesagt wurde? Alle Befürchtungen, entweder ein saft- und kraftloses oder modern-anbiederndes Album (worauf die Produzentenwahl Terry Date hindeutete) vorgesetzt zu bekommen, lösten sich schnell in Luft auf: REPENTLESS erfüllt alle Fan-Wünsche und Band-Trademarks, trumpft mit starkem Song-Material wie ‘Implode’, ‘Pride In ­Prejudice’ oder dem Titel-Track auf und enthält mit ‘Piano Wire’ einen (letzten?) postmortalen musikalischen Gruß von Hanneman. Die mittlerweile um Gary Holt und Paul Bostaph verstärkten Slayer stellen (auf den Tag genau 14 Jahre nach GOD HATES US ALL) mit REPENTLESS ein ordentliches, zeitgemäßes Thrash-Brett auf, das nur selten an ihre genialsten Momente heranreicht, jedoch durchaus in der Diskografie bestehen kann. (Sebastian Kessler)

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