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Weltfrauentag: The Gems und Cobra Spell im Interview

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Anlässlich der Veröffentlichung des Musikvideos der The Gems-Single ‘Queens’ (PHOENIX) und des Weltfrauentags (8. März) haben wir uns mit Sängerin Guernica Mancini und Cobra Spell-Gitarristin Sonia Anubis für ein Gespräch zusammengesetzt. Die Themen: die Hürden, die es für Frauen in der Metal-Szene noch immer zu überwinden gilt, wie starke Frauenbilder seit Jahrzehnten kolportierte Männlichkeitsideale erschüttern und wie sie ihre eignen Rollen sehen.

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METAL HAMMER: Passend zum Weltfrauentag ist am 5. März das Musikvideo zum Song ‘Queens’ von The Gems erschienen. Viele bekannte weibliche Gesichter aus der Rock- und Metal-Szene sind daran beteiligt. Nach welchen Kriterien habt ihr die Mitwirkenden ausgewählt?

Guernica Mancini: Eine ganze Reihe von Musikerinnen haben Gastauftritte in dem Video, zum Beispiel Diva Satanica (Ex-Nervosa, Gesang – Anm.d.A.), Kiki Wong (Vigil Of War, Gitarre – Anm.d.A.) und Romana Kalkuhl (Burning Witches, Gitarre – Anm.d.A.). Auch die Dragqueen Endigo, die bei Drag Race Sverige teilgenommen hat, ist zusehen. Sie ist ebenfalls eine Rock-Sängerin. Ehemalige Thundermother-Mitglieder wie Clare (Cunningham – Anm.d.A.), Giorgia (Carteri – Anm.d.A.) und Sara (Pettersson – Anm.d.A.) sind zudem dabei. Sogar meine Mutter hat mitgemacht. Die Intention war, starke Frauenfiguren in dem Video zu haben.

Sonia Anubis: Es ist cool, dass ihr euch nicht bloß auf Musikerinnen fokussiert habt, sondern generell weibliche Vorbilder darstellt.

Guernica: Da wir selbst Musikerinnen sind, ist die Gewichtung natürlich entsprechend. Die Frauen vor uns wie Suzi Quatro oder The Runaways mussten eine Menge durchmachen. Und zum Teil existieren die Repressionen, denen diese Personen ausgesetzt waren, noch heute. Aber wir arbeiten dran, dass es zunehmend besser wird. Hoffentlich kann ‘Queens’ einen Teil dazu beitragen.

The Gems
Die drei ehemaligen Thundermother-Musikerinnen Mona Lindgren (Gitarre, l.), Guernica Mancini (Gesang, m.) und Emlee Johansson (Schlagzeug, r.) machen seit 2023 als The Gems weiter.

MH: Inwiefern?

Guernica: Der Titel lautet zwar ‘Queens’, doch wir verwenden in dem Song keine spezifischen Pronomen. Es ist vielmehr eine Hymne auf alle. Wir wollten, dass sich Frauen, Dragqueens und auch Männer gleichermaßen damitidentifizieren können. Der Großteil unseres Publikums ist schließlich männlich. Wir wollten unsere Fans nicht außen vor lassen. Trotzdem handelt der Song natürlich in erster Linie von Female Empowerment. Jeder kann eine „Queen“ sein – man muss kein 50-jähriger Kerl sein, um unsere Shows zu besuchen (lacht).

„Ich betrachte es als unsere Aufgabe, für die wenigen Frauen in der Szene als Vorbilder gelten zu können.“ – Sonia Anubis

Sonia: 50-jährige Kerle sind aber natürlich trotzdem willkommen (lacht ebenfalls)! Das sieht bei Cobra Spell-Konzerten hingegen nicht anders aus, unsere Fans sind ebenfalls größtenteils männlich. Ich betrachte es als unsere Aufgabe, für die wenigen Frauen in der Szene als Vorbilder gelten zu können. Die ungleiche Geschlechterverteilung kann sehr einschüchternd wirken. Ich spreche aus Erfahrung. Als ich jünger war und mit dem Gitarrenspielen begann, bekam ich nur Kritik von Männern. Das war nicht immer einfach für mich. Nun liegt an uns, diesen Umstand zu ändern.

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MH: Sollten Cobra Spell ursprünglich nicht auch in dem Musikvideo vertreten sein?

Guernica: Wir hatten eigentlich geplant, dass Cobra Spell dabei sind. Das hat leider nicht geklappt. Hoffentlich können wir in Zukunft in irgendeiner Form zusammenarbeiten, vielleicht sogar eine gemeinsame Tour spielen.

Sonia: Das wäre toll. Wir wollten einen Beitrag leisten. Aber zu dem angedachten Zeitpunkt waren wir unterwegs und hatten schlicht nicht die Möglichkeit. Die Releaseshows unseres Albums 666 (2023 – Anm.d.A.) standen an…

„Als All-Female-Band polarisiert man bereits allein durch die Besetzung.“ – Sonia Anubis

MH: … auf dem sich Songs wie ‘S.E.X.’ oder ‘Bad Girl Crew’ befinden, die eine ähnliche Thematik anschneiden: Intimität und Rock-Star-Images werden aus weiblicher Perspektive dargestellt.

Sonia: Exakt. Wir haben die Songs geschrieben, als Cobra Spell bereits eine reine Frauen-Band war (seit 2022 – Anm.d.A.). Deshalb sind die Thematiken auf 666 entsprechend gesetzt. Genau das war unsere Absicht: Wir wollten Song-Texte schreiben, die die Sicht von Frauen darstellen. Zu Beginn hatten wir einen Sänger (Alexx Panza, Hitten – Anm.d.A.). Das hat sich natürlich auch in den Lyrics widergespiegelt. Als All-Female-Band polarisiert man bereits allein durch die Besetzung. Aber wir nutzen das, um ein starkes Statement zu setzen.

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Neue Ära?

MH: Vermutlich kann vor allem ein derart klischeegetriebenes und sexuell aufgeladenes Genre wie Glam Metal einen Perspektivenwechsel vertragen, oder?

Sonia: Das war immer ein von Männern dominiertes Genre, das stimmt. Die Lyrics drehen sich häufig um Sex und sind aus der Männerperspektive geschrieben. Der Mann stellt die Person der Macht dar, die Mädchen sind die Groupies. Mir macht es Spaß, dieses Verhältnis umzukehren und das Gegenteil in meinen Songs darzustellen. (lacht)

Guernica: Amen, Schwester. Ich wollte nie das Groupie sein, sondern der Rock-Star, der die Groupies anzieht.

Sonia: Dasselbe gilt für mich: Ich wollte immer ein Rock-Star sein. Wer zur Hölle sagt mir, dass ich mich nicht wie Blackie Lawless (W.A.S.P. – Anm.d.A.) mit halbnacktem Arsch auf der Bühne präsentieren kann, nur weil ich eine Frau bin? Ich tue das, womit ich mich wohlfühle. Wir kämpfen für die Freiheit, uns so zu inszenieren, wie wir wollen. Für Frauen ist das nicht immer ganz einfach, weil man sie schnell als Schlampen abstempelt. Diese Barrieren will ich mit Cobra Spell durchbrechen.

Sonia Anubis Ferrari Testarossa S.E.X. Musikvideo
Lack, Leder, nackte Haut: Sonia Anubis wirft sich in die Glam Metal-typischen, freizügigen Outfits – vorzugsweise kombiniert mit schnellen Autos.

MH: Spürt ihr in dieser Hinsicht eine Veränderung?

Sonia: Wir haben immer noch einen langen Weg vor uns. Und vielleicht werden viele Konservative in der Metal-Szene meine Vision ablehnen und sagen: „Sonia sucht bloß Aufmerksamkeit.“ Aber ich denke, mit den Jahren werden wir zunehmend Fortschritte machen.

Guernica: Frauen mit einem erotischen Image, das ist noch immer stigmatisiert. Dabei sind Rock und Metal eigentlich noch ziemlich harmlos. Schau dir an, was im Hip-Hop los ist. Wir könnten weitaus extremer sein, wenn wir wollten. Aber wir stoßen manchen Leuten bereits jetzt vor den Kopf.

MH: Sprichst du aus Erfahrung?

Guernica: Die Kiss Army (Kiss Fanclub – Anm.d.A.) in Schweden betreibt ihren eigenen Podcast und hat mich dafür interviewt. Ich wurde darauf hingewiesen, dass The Gems sehr enge Outfits tragen. Es lag nichts Provozierendes in der Frage. Aber andererseits würde ein Mann vermutlich nicht gefragt werden, warum er sich in hautenge Klamotten zwängt, die seinen Körper betonen. Ich habe mit diversen Männern in Bands gespielt, das hat mir auch Spaß gemacht. Doch anderen Frauen finde ich es deutlich angenehmer.

„Ich will nicht bloß eine Veränderung herbeiführen, ich will Teil von ihr sein.“ – Guernica Mancini

MH: Was ist anders?

Guernica: Wenn die Harmonie in einer All-Female-Band stimmt, dann ist die Bindung zueinander eine viel stärkere und der Umgang ist deutlich respektvoller. Ich liebe es, mit Mona (Lindgren, Gitarre – Anm.d.A.) und Emlee (Johansson, Schlagzeug – Anm.d.A.) bei The Gems zu spielen. Wir haben eine sehr innige Freundschaft. Wir haben in der Rock- und Metal-Szene inzwischen so viele unterschiedliche Musikerinnen, dass die Nachkommenden auf jeden Fall eine weibliche Identifikationsfigur finden werden, zu der sie aufblicken können. Ich will nicht bloß eine Veränderung herbeiführen, ich will Teil von ihr sein.

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Sonia: Man fühlt sich einander näher, weil man mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat. Und wenn man einen Tampon braucht, kann man seine Kolleginnen fragen. (lacht) Vielleicht hatte ich bisher einfach Glück, aber alle Frauen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, haben sich wirklich ins Zeug gelegt. Weil wir eine Minderheit sind, fühlen wir uns unter Druck gesetzt, umso besser performen zu müssen. Statt 100 Prozent geben wir 110, 120 Prozent. Wir wollen besser sein als die Männer, weil wir sonst auf Äußerlichkeiten reduziert werden. Es ist absolut beschissen, dass das der Fall ist. Aber es spornt uns an. Bei Frauen-Bands untereinander fühlt es sich dagegen gar nicht wie ein Wettbewerb an. Wir unterstützen einander, statt uns als Konkurrenz zu betrachtet.

Sonia Anubis Live
So markant wie die Kostümauswahl sind auch die Bühnenshows von Cobra Spell.

Gegenseitige Sympathie

MH: Was schätzt ihr an der jeweils anderen Band?

Sonia: Ich habe Guernica mehrmals live mit Thundermother gesehen, sie hat eine unfassbare Energie auf der Bühne und eine unfassbar gute Stimme. Außerdem mag ich Monas Gitarrenspiel. Es klingt alles so bluesy. Als ich eine neue Sängerin gesucht habe, habe ich Guernica als Referenz angeführt. Ich wollte jemanden, mit einer tieferen Stimme.

Guernica: Oh wirklich? Das ist sehr schmeichelhaft, danke. Sonia ist dagegen eine äußerst talentierte Gitarristin, du spielst wirklich brillant. Und die Texte, die du schreibst, sind Female Empowerment in Reinform.

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MH: Gibt es vielleicht einen Song eures Gegenübers, den ihr gerne selbst geschrieben hättet?

Guernica: Auf die Frage hätte ich mich vorbereiten sollen. (lacht) Spontan würde ich mich für ‘Love = Love’ entscheiden – der Song klingt wie eine echte Achtziger-Ballade.

Sonia: Bei mir wäre es ‘Like A Phoenix’. Tatsächlich kam einer meiner Gitarrenschüler auf mich zu und bat mich, ihm den Song beizubringen. Da habe ich realisiert, wie genial das Riff eigentlich ist.

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MH: Wollt ihr anlässlich des Weltfrauentag noch ein paar Worte an eure Musikerkolleginnen richten?

Sonia: Als Frauen sollten wir uns nicht limitieren, das tun, was auch immer wir wollen und uns vor allem von Männern nichts vorschreiben lassen. Folgt euren Träumen, eurer Leidenschaft, euren Herzen. Wenn dir etwas Zufriedenheit bringt, völlig egal was, warum solltest du das dann nicht tun?

„Wir treffen nach wie vor auf taktlose Personen, die davon ausgehen, wir würden nicht mit unserem Equipment umgehen können, weil wir Frauen sind.“ – Guernica Mancini

Guernica: Außerdem wollen wir uns bei den Frauen bedanken, die uns einst den Weg geebnet haben. Wir treffen nach wie vor auf taktlose Personen, die davon ausgehen, wir würden nicht mit unserem Equipment umgehen können, weil wir Frauen sind. Ich kann nur erahnen, wie viel schlimmer ein solches Verhalten in den Jahrzehnten vor uns gewesen sein muss. Doch es wird langsam, aber stetig besser.

The Gems Mona Lindgren Guernica Mancini Queens Musikvideo
Mona Lindgren (Gitarre, r.) und Guernica Mancini (Gesang, r.) präsentieren im Musikvideo zu ‘Queens’ die neuen Band-Outfits von The Gems.


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Mikael Haltén PR
Adri Funérailles
Andreas Gebhard
Mikael Hultén/Magic Dragon Productions
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