Toggle menu

Metal Hammer

Search

At The Gates At War With Reality

Death Metal, Century Media/Universal 13 Songs/VÖ: 24.10.2014

6.0/ 7
teilen
twittern
mailen
teilen
von

Grundsätzlich habe ich bis heute ein Problem mit Reunions alter Legenden. Die Frage ist einfach: Wie toll/nicht toll wäre die gebotene Musik ohne den Namen und die Vergangenheit, die dranhängen. Carcass haben diese Frage mit SURGICAL STEEL letztes Jahr für mich überraschend eindeutig beantwortet: Das kann sehr toll sein. Als At The Gates ankündigten, ihre erst nur live-haftige Reunion auch mit einem neuen Album zu zelebrieren, waren meine Bauchschmerzen spontan noch größer.

Schließlich ist das bis dato letzte Album der Schweden, SLAUGHTER OF THE SOUL, 1995 erschienen und so etwas wie die Blaupause für Melodic Death bis Metalcore. Ein Erbe, gegen das AT WAR WITH ­REALITY eigentlich nicht gewinnen kann. Und das tut dieses Album auch nicht.

At The Gates 1995 waren ­eine ­(damals) von der Geschichte vergessene Band, ihre letzte Tournee im Vorprogramm von Unleashed eine Eins-a-Fallstudie für das „Ende des ­Death Metal“. Das natürlich verfrüht ausgerufen wurde, genau wie die erwartbaren Hass-Liebe-­Kundgebungen zu AT WAR WITH REALITY verfrüht sein werden. Denn der Status, der At The Gates damals posthum und aus heutiger Sicht post facto zugesprochen wurde, wird sich nicht anhand von diesen 13 Songs wegdiskutieren lassen.

Vor allem, weil dieses Album jegliche zeitgeschichtlichen Ansprüche mehr oder weniger unüberhörbar von sich weist: Man hört, dass der Grund, es zu ­machen, tatsächlich der eine, wahre sein muss – sie hatten Bock drauf. AT WAR WITH REALITY führt zurück in eine Realität, in der drei Minuten ausreichen, um einen Sack voller zündender Riffs ausreichend zu inszenieren; es hat diese oft verkannte Hardcore-Attitüde einer Band, die nie so lange an einer Hymne herumkauen wird, bis der letzte Stadionbesucher es verstanden hat.

Stattdessen haben wir es mit Songs zu tun, die weder gefallen noch Geschichte schreiben, sondern einfach im Hier und Jetzt zünden wollen. Mit einer Einschränkung: At The Gates bleiben At The Gates. Wer den ganzen ­Kanon nicht kauft und SLAUGHTER OF THE SOUL (plus die in meinen Ohren noch wertvolleren Vorgänger) nicht mochte, wird hiermit niemals bekehrt.

AT WAR WITH REALITY ist großartig, aber auch äußerst erwartbar. Die Freuden dieser Songs sind etwa, Tomas Lindberg endlich wieder als Sänger einer Death Metal-Band zu erleben, die nicht zwanghaft versucht, sich von At The Gates abzugrenzen (siehe Nightrage oder The Crown), oder das Talent der The Haunted-Kerls in etwas manifestiert zu sehen, was, pardon, nicht The Haunted ist.

Letztlich gilt nur eines: Sie können es noch immer extrem gut, selbst wenn ich zugebe, dass hier mehr Selbst­plagiat als Zukunftsvision am Start ist. Es macht Spaß, und der allein soll zählen

Rund 100 aktuelle Reviews findet ihr in unserer November-Ausgabe.

Das Heft kann einzeln und innerhalb von Deutschland für 5,90 Euro (inkl. Porto) per Post bestellt werden. Einfach eine Mail mit dem Betreff „Einzelheft Metal Hammer 11/14“ und eurer Adresse an einzelheft@metal-hammer.de schicken.
Generell können natürlich alle Hefte auch einzeln nachbestellt werden – alle Infos dazu findet ihr unter www.metal-hammer.de/einzelheft.

Bestens informiert über dieses und alle weiteren wichtigen Themen im Metal bleibt ihr außerdem mit unserem Newsletter. Ein Mal pro Woche flattert euch übersichtlich sortiert ein Update ins Postfach. Einfach anmelden, damit euch auch sicher nichts entgeht.


ÄHNLICHE KRITIKEN

Control (PS4, Xbox One, PC)

Das neueste Spiel von Remedy Entertainment überzeugt mit einem ausgefallenen Design und einer packenden Story, zeigt aber auch Gameplay-Schwächen, die...

Hellboy: Call Of Darkness :: Action

Resident Evil 2 (PS4, Xbox One, PC)

Zum 21. Geburtstag bekommt „Resident Evil 2“ eine Frischzellenkur und kehrt als generalüberholte Fassung auf aktuelle Konsolen und den PC...


ÄHNLICHE ARTIKEL

Das Album des Monats 11/19: Ein Eisen voller Schlüpfrigkeiten

Airbourne sind mit BONESHAKER Soundcheck-Sieger und konnten Alcest und Kadavar ziemlich knapp auf den geteilten zweiten Platz verweisen.

Das Album des Monats 10/19: Schwärmerisch schöne Gefühlswelten

Borknagar sind mit ihrem elften Album klarer Soundcheck-Sieger und konnten unter anderem Opeth, Insomnium und As I Lay Dying auf die Plätze verweisen.

„Control“ von Remedy im Test: Der totale Kontrollverlust

„Control“ macht jede Menge Spaß, leistet sich aber auch Gameplay-Schwächen. Trotzdem können wir es empfehlen. Lest hier unseren Test.

teilen
twittern
mailen
teilen
„Control“ von Remedy im Test: Der totale Kontrollverlust

Weiterlesen
Zur Startseite