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Exklusives Metallica-Album nur in METAL HAMMER 08/2021

Kreator: 20. Jubiläum von VIOLENT REVOLUTION

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Als sich Miland „Mille“ Petrozza, Rob Fioretti und Jürgen „Ventor“ Reil 1982 unter dem Namen „Tyrant“ zusammentaten, um den lästigen Schulstress mit energischer Metal-Musik zu schultern, entstand etwas Großartiges. Denn Tyrant sollte kein Schülerprojekt, keine Nebensache bleiben. Während der prägnanten Orientierungsphase und der kurzweiligen Umbenennung in „Tormentor“ war den Herren noch lange nicht bewusst, dass sie knapp 40 Jahre später unter dem Namen „Kreator“ zu den international einflussreichsten Thrash Metal-Bands überhaupt gehören würden.

Mit der Debüt-Platte ENDLESS PAIN (1985), für die Slayer maßgeblich als Inspiration galten, und dem zwei Monate später erschienenen PLEASURE TO KILL-Album (1986) garantierte sich die Band einen sicheren Platz im Metal-Olymp. Bis heute bleibt dieser Platz unangefochten, obwohl Kreator zeitweise ins Taumeln gerieten. Mittlerweile zählt die inzwischen vierköpfige und bis auf Petrozza und Reil umbesetzte Band mit Destruction, Sodom und Tankard zu den vier wichtigsten Institutionen deutschen Thrash Metals.

Kreator: Klappe die Zweite

Kreator entwickelten sich hingegen der amerikanischen Thrash-Klassiker Metallica, Megadeth oder Anthrax in eine unkonventionellere Richtung. Mehrfach wagte die Band experimentelle Ausflüge in unterschiedlichste Genres. Zuweilen von Hardcore und Industrial beeinflusst, trauten sich Kreator Ende 1990 mit ENDORAMA (1999) auf symphonischeres Terrain – und kamen vom Weg ab. So zumindest laut Kritikerinnen und Kritikern, die bislang mit den melodischen Gothic-Passagen wenig anzufangen wussten. Auf die zu der Zeit als „Ex-Thrasher“ bezeichneten Kreator hagelte es also Negativ-Kritik. Eine Rückkehr zum rohen, kompromisslosen Thrash schien hoffnungslos.

ENDORAMA sollte allerdings nicht das Ende der Essener Thrasher markieren. Denn auch Kreator zog es zurück zu ihren musikalischen Wurzeln. Und sofort feuerten sie einen furchtlosen Startschuss ins neue Jahrhundert ab. Die Veröffentlichung ihres 10. Studioalbums VIOLENT REVOLUTION am 25. September 2001 kurbelte den derzeitig stagnierenden Erfolg der Band erheblich an. Doch das allein sollte nicht reichen. VIOLENT REVOLUTION gilt als Katalysator der Thrash Revival-Bewegung der frühen Zweitausender Jahre. Auch Bands wie Destruction oder Exodus stiegen zu der Zeit wieder aus dem Untergrund empor.

Kreator VIOLENT REVOLUTION

Gewaltsame Revolution

Die zwölf Titel umfassende Platte unter der Produktion von Andy Sneap schlug unerwartet heftig ein. Beugten sich Kreator dem öffentlichen Druck und kehrten vollends zum Thrash-Sound der Achtziger zurück? „Einige meinen zwar jetzt schon: ‚Aha, jetzt geht’s wieder back to the roots.‘ Aber das stimmt eigentlich so auch nicht. Es gibt zwar wieder Geknüppel auf der Platte, aber wir klingen trotzdem nicht so wie Mitte der Achtziger“, erklärt Petrozza in einem damaligen Interview.

Das Cover von VIOLENT REVOLUTION zumindest bezieht sich auf das 1990 erschienene COMA OF SOULS, in dem die Betäubung der menschlichen Seele den thematischen Rahmen setzt. Die Ähnlichkeit zu der auf dem VIOLENT REVOLUTION-Cover abgebildeten Kreatur ist schwer zu übersehen. Während COMA OF SOULS einen nach innen gerichteten Konflikt ausschlachtet, trägt VIOLENT REVOLUTION diesen nach außen.

Kreator COMA OF SOULS

Kreator sezieren die zerrüttete Seele des in der Großstadt lebenden Menschen. Die offensive Auseinandersetzung mit sozialen und politischen Missständen soll ein authentisches Gesellschaftsbild zeichnen. Petrozza erklärt: „Kreator ist nicht eine der Bands, die lautstark Brutalität propagiert. Die in unseren Texten verarbeitete Gewalt hat einen realen Hintergrund; reale Gewalt also. Verbrechen, Quälereien, Dinge, die wirklich passieren.“

So zetteln Kreator mit VIOLENT REVOLUTION – der Titel lässt es ja bereits erahnen – einen Aufstand zum Sturz eines unterdrückerischen Systems an. Laut lyrischem Inhalt sollen herrschende Konventionen und Machtstrukturen aufgelöst werden, um individuelle Freiheit zu finden (zum Beispiel ‘Mind Of Fire’). Denn nach „two thousand years of oppression“ (‘Second Awakening’) gilt: „My only solution is a violent revolution“ (‘Violent Revolution’).

Der süße Klang des Aufstands

Es brauchte also einen Sound, der solch inbrünstigem Inhalt gerecht werden konnte. Frisch ausgestattet mit dem neuen Gitarristen Sami Yil-Sirniö gelang dieses Vorhaben. Aggressive, eindringliche Thrash-Riffs dominieren den Sound der Platte. Besonders fallen die Power-Passagen auf (z.B. ‘All Of The Same Blood’, ‘Ghetto War’), die den heroischen Charakter des Meisterwerks unterstreichen. Durch die ausgewogene Menge an Midtempo- und Highspeed-Stücken kommt jeder auf seinen Geschmack. Insbesondere der Opening-Song ‘Reconquering The Throne’ und der Schluss-Titel ‘System Decay’ lassen an den rebellischen Achtziger-Thrash erinnern.

Kreator schafften es also, mit VIOLENT REVOLUTION eine Klammer zu ihren Ursprüngen zu setzen, ohne dabei den Puls der Zeit zu verpassen und ihre hinzugewonnenen musikalischen Einflüsse zu leugnen. Inzwischen hat die legendäre Platte Kultstatus erreicht und ist aus Metal-Playlists kaum mehr wegzudenken. Gerechtfertigt und absolut verdient, wie wir finden.

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