Tarja Turunen: Ein Rückblick zum 45. Geburtstag

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Wem voluminöser Soprangesang, orchestrale Hymnen gespickt mit Elementen der klassischen Klangkunst und musikalisch-erzählerische Tiefgänge gepaart mit einschlägigem Metal-Geschepper zusagen, kommt wohl schwer um Tarja Turunen herum. Die heute 45-jährige Finnin gilt bereits seit Jahrzehnten als Gesichts- und Stimmgeberin des Symphonic Metal-Genres, das schon einige Jahre vor ihrem Durchbruch gezählt hatte. Und obwohl die in die Klassik ausufernde Gattung selbstverständlich auch im Alt und Tenor (und von männlichen Stimmen begleitet) funktioniert, widmet sich doch die erste Assoziation dem vornehmlich weiblichen Soprangesang. Vermutlich – höchstwahrscheinlich – denkt man hier in erster Linie an die Stimme von Frau Tarja Turunen.

Es war einmal…

Noch bevor die aus Kitee stammende Musikerin mit Nightwish Bekanntheit erlangte, hatte sie seit Kindesalter zahlreiche Erfahrungen in den Bereichen Chor, Oper und Orchester sammeln können – was ihren ehemaligen Schulkollegen Tuomas Holopainen auf sie aufmerksam machen sollte. Diesen beschlich nach der Entdeckung seiner neuen (Metal-)Leidenschaft die Idee einer eigenen Band. Im Juli 1996 sollte es so weit sein, als der damals 19-Jährige dem Gitarre spielenden Emppu Vuorinen und auch Tarja Turunen vorschlug, seinem Akustikprojekt beizutreten. Dass Nightwish zum melodischen Metal-Geflecht heranwachsen sollten, war spätestens dann klar, als Holopainen Turunens inzwischen noch beachtlichere Stimme zu hören bekam. Vuorinens bereits vorhandenes Interesse an harter Musik und der Beitritt von Schlagzeuger Jukka Nevalainen besiegelten ihre Vorhaben.

Der Beginn und das Ende einer Ära

Kurz darauf, 1997 veröffentlichten Nightwish ihren ersten Tonträger ANGELS FALL FIRST, für den Holopainen das Songwriting, die Komposition und die Passagen am Keyboard übernahm. Tarja Turunen brillierte mit opernhaftem Gesang, wie besonders im Titelsong als auch im Opener ‘Elvenpath’ unmissverständlich deutlich wurde. Trotz und eventuell aufgrund der Euphorie, die noch immer an die Entstehung ihres Projekts gekoppelt war, schienen Nightwish noch nicht vollends überzeugt von ihrem stilistischen Auftritt.

Nach OCEANBORN (1998) und WISHMASTER (2000) war es an der Zeit, schärfere Geschütze aufzufahren, um Nightwish endgültig einen Platz am Metal-Firmament zu sichern. Mit CENTURY CHILD (2002) begann die Band mit Symphonieorchestern aus Finnland und Großbritannien zusammenzuarbeiten, was eine markante Veränderung im Sound von Nightwish (und später auch im Solo-Stil von Tarja) bewirkte.

Mit dem Abklang von CENTURY CHILD und Veröffentlichung von ONCE (2004) war wohl der Höhepunkt der ersten Nightwish-Ära erreicht. Jeder noch so Symphonic-fremde Laie kannte die Melodien von ‘Nemo’, ‘Ever Dream’, ‘Slaying The Dreamer’ und ‘Wish I Had An Angel’.

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Die darauffolgende Erfolgswelle sollte Tarja Turunen an Nightwishs Seite zumindest nicht allzu lange mitreiten. Auch Marco Hietala, der seit 2001 als fester Nightwish-Bestandteil galt, stimmte zu, die Sängerin per Abschiedsbrief nach der letzten Show ihrer „End Of An Era“-Welttournee aus der Band zu verbannen. Gerüchten zufolge hatte der Rauswurf abgesehen von persönlichen Differenzen jedoch vornehmlich mit der unerwiderten Liebe Turunens gegenüber Tuomas Holopainen zu tun.

Opera Metalica

Während sich Nightwish also im Wandel befanden und mit Anette Olzon als Frontfrau neue Wege beschritten, schraubte Turunen an der Solokarriere, die ihr bis heute Ruhm und Ansehen verspricht. Und obwohl ihr Solo-Debüt vermutlich aufgrund der Abkehr vom metallischen Sound und der fast ausschließlichen Verwendung finnischer Sprache bloß in ihrem Heimatland die angemessene Aufmerksamkeit erhalten hatte, schoss sie mit MY WINTER STORM (2007) ins tiefste Schwarz.

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Stilistisch löste sich Tarja vom märchenhaft-verträumten Image und Klang, der für Nightwish charakteristisch war. Und obwohl sie dem Genre mehr als treu geblieben war, reifte ihr ganz persönlicher Stil zu etwas Erwachsenerem und Kultivierterem heran, ohne dabei die „Magie“ des Sounds einzubüßen. WHAT LIES BENEATH (2010), COLOURS IN THE DARK (2013) und THE SHADOW SELF (2016) überzeugten mit ähnlicher Wucht. Im Rahmen von AVE MARIA – EN PLEIN AIR (2015) und FROM SPIRITS AND GHOSTS (2017) besann sich Turunen auf ihre traditionell-klassischen Wurzeln zurück.

Unangefochten

Trotz zahlreicher Gastauftritte, darunter bei Within Temptation und Primal Fear befinden sich Fans seit IN THE RAW (2019) in Wartehaltung. Dass es für Turunen nach dem vorerst heftigen Rückschlag seitens Nightwish noch einmal bzw. weiterhin so hoch hinausgehen sollte, überrascht hinsichtlich ihres außerordentlichen Talents und ihrer Ausnahmestellung innerhalb der Branche allerdings nicht besonders. Bis heute sind ihre Einflüsse im Symphonic Metal tief verwurzelt. Über die Jahre hinweg sammelte sie Nominierungen und Auszeichnungen zu Ehren ihres kreativen Schaffens. Zahlreiche Musikerinnen des Genres schauen bekanntermaßen zu der „Queen Of Symphonic Metal“ auf. Für viele bleibt sie unangefochten.

In diesem Sinne: Happy Birthday, Tarja Turunen!

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