Lemmy Kilmister in ‘Motörhead’ (1992)

Eine heute vergessene Kuriosität aus der goldenen Zeit der 2D-Pixel-Klopper: In ‘Motörhead’ steuert ihr Lemmy Kilmister höchstselbst. Als Comic-Version der Rock-Ikone bewegt ihr euch durch düstere Gassen, Wildwest-Welten, verwunschene Kathedralen und Techno-Clubs; im Stil von Spieleklassikern wie ‘Streets Of Rage’ oder ‘Double Dragon’ verprügelt ihr alle Hip-Hopper, Cowboys und Vampire, die sich euch in den Weg stellen – selbstverständlich mit eurer Gitarre.
Schön: Sammelt ihr unterwegs genug Jack Daniel’s, besiegt Lemmy seine Gegner mit Whiskey-Atem. In Bonus-Levels schwingt ihr euch aufs Motorrad, um Münzen zu sammeln, zerlegt Hotelzimmer und hängt euch ans Ende des Tresens, um euch herüberrutschende Drinks einzuverleiben. Leider spielt sich das Amiga-Game dröger, als es sich liest, und kommt komplett ohne Motörhead-Songs aus – selbst beim Finale des Trios auf der Bühne.
Slipknot in ‘Smite’ (2022)

Auf der letzten zurückliegenden Konsolengeneration erlaubte ‘Smite’ (erstmals 2014 für PC erschienen), in Action-reichen Arenaschlachten andere Spieler zu plätten. Normalerweise schlüpft ihr dazu in die Rolle einer kriegstüchtigen Gottheit – was liegt demnach näher, als auch Metal-Götter wählen zu lassen? Alle neun damaligen Slipknot-Mitglieder waren im Rahmen eines Events spielbar und brachten ihre eigenen Attacken mit, die sich an ihr Instrument anlehnen: Jim Root, Mick Thomson und Alessandro Venturella schwingen mächtige Äxte, Clown, Jay Weinberg und Michael Pfaff prügeln auf Schlagzeugen, und Corey Taylor … wirft mit Fässern. Fans begeisterten sich über die passend eingespielten ‘Duality’, ‘Psychosocial’ und ‘The Devil In I’, kritisierten aber den hohen Preis und geringen Unterschiede der einzeln zu erstehenden Skins.
Ozzy Osbourne, Jack Black und andere in ‘Brütal Legend’ (2009)

‘Brütal Legend’ gilt als Klassiker, wenn es um Heavy Metal-Videospiele geht. Jack Black spricht den Protagonisten Eddie Riggs, einen Roadie (natürlich der beste der Welt!), der in einer Fantasy-Welt finstere Mächte aufhalten muss. Dazu greift er zu einer Breitaxt, seiner Flying-V-Gitarre und seinem Hot Rod, dessen Autoradio außerdem über hundert Songs abspielen kann (die erst mal gefunden werden möchten). Damit nicht genug, begegnet Eddie unterwegs allerlei Charakteren mit angenehm vertrauten Stimmen: Lemmy Kilmister spricht den Kill Master, Rob Halford den Lionwhyte, Lita Ford die Rima – und der Wächter des Metal ist natürlich kein Geringerer als Ozzy Osbourne! Ein deutlich denk- und ehrwürdigerer Auftritt als sein virtuelles „Konzert“ 13 Jahre später beim „Metaverse Music Festival“ in der gefloppten Facebook-VR-Welt.
Blind Guardian in ‘Sacred 2: Fallen Angel’ (2008)

Ähnlich wie ‘Diablo’, aber mit größerem Fokus auf eine spannende Geschichte und hintergründigen Humor begeisterte die leider kurzlebige ‘Sacred’-Reihe Fans von Action-Rollenspielen. Ob als Schattenkrieger, Seraphim, Hochelfe, oder Inquisitor: bald im Spiel trefft ihr auf Barden, die euch seltsam bekannt vorkommen könnten. Leider sind ihnen die Instrumente abhandengekommen – nach einer Reihe von Quests belohnen euch Blind Guardian mit einem Konzert! Für ihren Auftritt unterzogen sich die Musiker aufwändiger Motion-Capture-Aufnahmen – METAL HAMMER bezeugte und berichtete. Der Song ‘Sacred Worlds’ entstand extra für dieses Spiel, schaffte es zwei Jahre später auf das Album AT THE EDGE OF TIME und ist heute ein Klassiker, der auf keiner Setlist fehlen darf.
In Extremo in ‘Gothic’ (2001)

‘Gothic’ hat Videospielgeschichte geschrieben. Das Rollenspiel aus deutschen Landen punktete zu Beginn des Jahrtausends mit einzigartiger Atmosphäre, damaliger Spitzengrafik und offener Spielewelt. Das motivierte, über die zahlreichen Bugs hinwegzusehen und sich ins Abenteuer zu stürzen – um in einem Lager im zweiten Akt auf In Extremo zu treffen, die stilecht vor Feuerspucker und exotischer Tänzerin ‘Herr Mannelig’ aufführen. Mit ein klein wenig Fantasie sind die Band-Mitglieder auf den grob gehauenen Polygonfiguren gut zu erkennen. Bitter: In späteren und internationalen Versionen des Spiels fehlt der Auftritt; eine Petition bemüht sich derzeit, das Gastspiel im für 2026 angekündigten ‘Gothic Remake’ zu retten.
Dee Snider in ‘Jak And Daxter: The Precursor Legacy’ (2001)

Ein echter Geheimtipp für jedes Kneipenquiz, denn man erkennt Dee Snider kaum. Doch der (nach neuesten gesundheitlichen Entwicklungen: ehemalige) Twisted Sister-Sänger steckt hinter dem Bösewicht Gol. Durch Stimmeffekte und den außerirdischen Look kaum auszumachen – vielleicht besser so, denn man möchte doch nur ungern eine Glam Rock-Ikone verkloppen.
Fred Durst in ‘WWF SmackDown!’ (2001)

„Give me something to break“, fordert Fred Durst nicht nur in ‘Break Stuff’, sondern haut auch als Pixelheld gerne fremder Leute Gesichter kaputt: Im Wrestling-Game ‘WWF SmackDown!’ ist der Limp Bizkit-Sänger als versteckter spielbarer Charakter verfügbar, fährt zu ‘Rollin’’ mit weißer Limousine in den Kampfring und legt sich mit Undertaker und Co. an. Damit hat er Blut geleckt: 2004 ließ Durst im ungeliebten Prügelspiel zum Kultfilm ‘Fight Club’ die Fäuste sprechen; bis heute sieht man ihn als Zuschauer bei (echten) WWE-Kämpfen.
Kiss in ‘Kiss: Psycho Circus – The Nightmare Child’ (2000)

Wenn Kiss etwas anfassen, muss es natürlich groß werden! Rund um das PSYCHO CIRCUS-Album (1998) entstand eine gleichnamige Comic-Serie, die wiederum Grundlage für diesen auf Windows und Sega Dreamcast (Versionen für PlayStation und Game Boy Color wurden eingestellt) veröffentlichten First-Person-Shooter diente. Unter Gamern wurde das wenig innovative Spiel im Fantasy- und Science-Fiction-Setting kritisiert; Kiss-Fans waren zufrieden, da es das Image der Band gelungen widerspiegelt. Einen weiteren Auftritt haben sie in ‘Tony Hawk’s Underground’ (2003), wo sie ein Konzert geben, während der Spieler seine Skateboard-Tricks perfektioniert.
Iron Maidens Eddie in ‘Ed Hunter’ (1999)

Vor ‘Legacy Of The Beast’ (2016) gab es ‘Ed Hunter’: Das PC-Spiel kam zusammen mit der gleichnamigen Best Of-Compilation, die die Rückkehr von Bruce Dickinson und Adrian Smith feierte. Auf der Jagd nach Eddie schießt sich der Spieler als Ed Hunter („ehemaliger Roadie, freiberuflicher Musik-Journalist und einzelgängerischer Ermittler“) durch 3D-Level, die Iron Maiden-Coverartworks nachempfunden sind. Das und der Soundtrack machen den Reiz des Games aus – spielerisch erschöpft sich der Railshooter (zwischen ‘The House Of The Dead’ und ‘Moorhuhn’) schnell. Dämlich: Um einer Zensur zu entgehen, kürzte man in der deutschen Variante die ersten beiden Level (London und ein Irrenhaus mit menschenähnlichen Gegnern).
Avenged Sevenfold in ‘Call Of Duty: Black Ops 2’ (2012)

Nach dem Abspann sitzenzubleiben, lohnt sich nicht nur bei Kinofilmen: Auch in ‘Call Of Duty: Black Ops 2’ geht’s anschließend noch weiter. Nach überstandener Egoshooter-Action legen Avenged Sevenfold im „Club Solar“ los und performen ‘Carry On’. Mit Protagonist Frank Woods an der Gitarre, Antagonist Raul Menendez am Schlagzeug und allerlei Haupt- und Nebencharakteren im Publikum sorgen die Alternative-Metaller für ein feuriges und feierliches Finale.
Metallica in ‘Fortnite’ (2024)

‘Fortnite’ gilt als erfolgreichstes Battle Royale-Spiel der Welt – passend also, dass die erfolgreichste Metal-Band der Welt mitmischt! Im Rahmen der Aktion ‘Fortnite Festival’ nahmen Charaktere, die James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett und Robert Trujillo nachempfunden sind, auf der „Battle Stage“ an einer Art Rhythmusspiel teil – natürlich ließen sich Skins, Instrumente und weitere kosmetische Elemente gewinnen und kaufen; der Spielablauf im Detail ist für Außenstehende schwer nachvollziehbar. Hetfield verteidigte die Teilnahme der Band an dem Format kurz darauf: „Die Metallica-Familie ist international, und auf jedem Fleckchen Erde gibt es ein Familienmitglied. Und bei ‘Fortnite’ ist es ziemlich dasselbe. Sie haben so viele Menschen auf der Erde erreicht, dass es einfach Sinn ergibt, die beiden Sachen zu verbinden. Sie können viel von unserer Familie gewinnen, und andersherum ebenso.“ Es gilt: Jedes Mittel, das Kids an Metal heranführt, ist recht.
King Diamond, Slash, Kurt Cobain und viele andere in ‘Guitar Hero: Metallica’ (2009)

Doch Metallica haben sich schon zuvor digitalisieren lassen: Für ‘Guitar Hero: Metallica’ haben die Band-Mitglieder detaillierte Motion-Capture-Aufnahmen durchlaufen; sie sind sowohl in ihrem „heutigen“ Aussehen spielbar als auch in historischen Looks. Damit nicht genug, haben Hetfield und Co. ihren halben Freundeskreis mitgebracht: Schlüpft in die Haut von unter anderem King Diamond (Mercyful Fate), Slash (Guns N’ Roses), Kurt Cobain (Nirvana), Motörheads Lemmy Kilmister und Tom Morello (Rage Against The Machine), um durch ein 28 Songs starkes Best Of der Thrash Metal-Könige sowie 21 handverlesene weitere Tracks zu rocken.
Schön auch: Im „Battle Mode“ beharken sich alle Mitspieler mit Spezialattacken namens ‘Trapped Under Ice’, ‘Fade To Black’ und ‘Ride The Lightning’; einige Bühnen sind im Stil von Metallica-Coverartworks gestaltet, und im neuen Schwierigkeitsgrad „Expert+“ ahmt ihr mithilfe eines zweiten Bassdrum-Pedals das Spiel von Lars Ulrich noch realistischer nach. Der Goldstandard aller Rhythmusspiele hat schon manch trüben Abend erhellt, zahlreiche Partys hochkochen und unzählige Plastikinstrumente knacken lassen. Übrigens: Auch Van Halen und Aerosmith wurde die Ehre eigener ‘Guitar Hero’-Ableger zuteil.
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